30. November 1941

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Sonn­tag, am 30. Novem­ber 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein [Roland]! Gelieb­tes Her­ze­lein! Du!

Nun ist Advent! Ich bin so froh heu­te! Und ich füh­le es, Gelieb­ter! Alles Froh­sein kommt mir von Dir, Du bist auch froh. Die lie­be Son­ne scheint heu­te, aber bit­ter­kalt ist[‘]s im Schat­ten, meint Papa, der heu­te früh uns[e]re 6 Zent­ner Kar­tof­feln noch heim­hol­te. Wir sind recht froh, daß wir sie nun im Kel­ler haben. Ich seh­ne mich hin­aus, aber so lan­ge mag ich auch nicht in der Käl­te umher­stie­feln, damit ich mir mei­ne Näs’ nicht wie­der erkäl­te! Ich will doch fein artig sein, Her­ze­lein! Und mich scho­nen. Wei­ter­le­sen!

23. Oktober 1941

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Don­ners­tag, am 23.10.1941.

Gelieb­tes Her­ze­lein! Mein [Roland]!! Du!!!

Jetzt ist Nach­mit­tag, und ich bin eben fer­tig mit den Küchen­fens­tern säu­bern. 3 Uhr zeigt die Uhr! Na, ’s ist egal, Du! Nun muß ich Dir erst schnell noch etwas erzäh­len, ehe ich mich für Dei­ne bei­den lie­ben Boten bedan­ke.

Kom­me ich zur Apo­the­ke und ver­lan­ge Tablet­ten, weil gera­de der Herr Apo­the­ker selbst mich bedien­te, fra­ge ich ihn um Rat, was ich bei Mut­ters Beschwer­den am bes­ten gebe und erklä­re ihm wel­chen Ursprungs sie sind. Er sag­te gleich, das ist eine Koh­len­oxyd­gas­ver­gif­tung [sic], alle Anzei­chen deu­ten dar­auf hin – wenn sie auch leich­ter Natur ist; denn in den wenigs­ten Fäl­len tritt Bewußt­lo­sig­keit ein, trotz­dem müs­sen sie den Arzt zu Rate zie­hen. Wei­ter­le­sen!

26. September 1941

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Frei­tag, am 26. Sep­tem­ber 41.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter!!

Du sitzt im Zuge, schickst viel­leicht gera­de jetzt auch Dei­ne Gedan­ken zu mir – Du! Ach Du! Wie könn­te es wohl anders sein? Du mußt so wie ich zurück­den­ken – zurück an unser uner­meß­li­ches Glück, an die köst­li­chen Stun­den innigs­ter Ver­bun­den­heit und heim­lichs­ter Trau­te – mein gelieb­ter [Roland]! O Du!!! Es ist mir heu­te noch kei­ne Minu­te schmerz­lich zum Bewußt­sein gekom­men, daß Du nun wie­der fort von mir bist – nicht schmerz­lich, son­dern ganz tief im Inners­ten froh und beglückt und ruhig kann ich an Dich den­ken. Wei­ter­le­sen!

16. August 1941

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Sonn­abend, den 16. August 1941

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­tes Weib­chen! Du!!! Du!!!!!

Ach, ist es denn so klein, mein Herz­lieb? Daß mir nur die chen und lein gefal­len mögen? Ist doch alles sooo groß an ihm: die Ärm­chen und Händ­lein, und die Bei­neln und Füßeln – das Köpf­chen ist ja nicht groß – und das Münd­chen, grad recht zum Küs­sen – und das Her­ze­lein – grad recht zum Lieb­ha­ben über alles in der Welt – ach Gelieb­te! Gelieb­te!!! Ich glaub[‘], das Man­ner­li will es heut[‘] ganz lieb und zärt­lich mit Dir mei­nen – wie immer – aber man­che Tage doch mehr – wirst’s schon mer­ken – spä­ter, Du!!! Gelieb­te! Nun darf ich doch auch zärt­lich sein – mit Dir, mit Dir!!! Du!!!!! Wei­ter­le­sen!

08. August 1941

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Frei­tag, den 8. Aug. 1941

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de] Du!!!

Zählt mein Herz­lieb denn auch flei­ßig die Tage mit? Sie rücken ganz schön schnell, aber bei uns[e]rer gro­ßen Sehn­sucht möch­ten sie ja Flü­gel haben! Heu­te brach­te mir Dein lie­ber Bote soviel Glück­strah­len und Freu­de – mein Herz­lieb freut sich sooo sehr, daß ich nun kom­men will! Ach – und nun ist doch ein bit­te­rer Trop­fen in alle Freu­de gefal­len – Gelieb­te! Lie­bes Weib!! Auf­ge­scho­ben ist nicht auf­ge­ho­ben! Bald, bald kom­me ich! Wei­ter­le­sen!