12. Dezember 1941

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Frei­tag, den 12. Dezem­ber 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]!

Schelm Du! Frei­tag ist wie­der – und eben heu­te kommt Dein lie­ber Bote von vor acht Tagen. Schelm Du! Gold­her­ze­lein! Was das Man­ner­li dazu sagt, wenn das Wei­berl so mit ihm umspringt? Mal hören. Wie sagt man doch beim Man­ner­li, wenn er mal so zum Scher­zen und Necken und Über­mut auf­ge­legt ist? „Dich sticht doch der Hafer!“  [Ich] Weiß nicht, wie man beim Wei­bel sagen müß­te. Wei­ter­le­sen!

23. Dezember 1940

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Mon­tag, den 23. Dezem­ber 1940

Mein lie­bes, treu­es Herz! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Jetzt merkt Dein Hubo mal, wie es geht, wenn man kei­ne Zeit hat. Wie­so, wirst Du fra­gen? Ich bin in ein paar Weih­nachts­vor­be­rei­tun­gen ein­ge­spannt (Foto­ge­schen­kal­ben mit fer­tig machen). Es ist jetzt ½ 12 Uhr nachts. Bis 10 Uhr habe ich gear­bei­tet ohne auf­zu­se­hen. Dann habe ich den Weih­nachts­brief an die Eltern geschrie­ben, er ging heu­te allem vor. Ich sit­ze noch in der Schreib­stu­be. Neben mir ste­hen Fla­sche und Glas — — Hm! — Apfel­saft. Und dazu gibt[’]s das ers­te aus dem Geburts­tags­pa­ket: selbstgeback[’]nen (?) Man­del­ku­chen — — Hm! Hm! Hast den Teig sel­ber gewal­kert [sic: gewalkt]? Hast auch mal geleckt d[’]ran? Er schmeckt wie lau­ter Küs­se, so gut, Du!! Er wäre ja schon längst alle, wenn ich mehr Zeit gehabt hät­te. Wei­ter­le­sen!

21. Dezember 1940

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Sonn­abend, am 21. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Du mein lie­ber [Roland]!! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!!

Sonn­abend um 1720 ist es, nach moder­ner Zeit! Hur­ra — wir haben gesiegt! — fer­tig mit aller Arbeit, d.[as] h.[eißt] was die Scheu­erei und Put­ze­rei betrifft! Sonst gibt[’]s ja immer noch genug, als da ist: nach­her Baden, mor­gen Kopf­wa­schen aller weib­li­chen Per­so­nen in der Fami­lie! Advents­kranz fer­tig bin­den u.[nd] auf­hän­gen — mei­ne Decke end­gül­tig zum Geschenk bereit machen! Du! Sie ist schön gewor­den, die Eltern wer­den sich sicher ganz sehr freu­en! Na, im Moment kann ich die vie­len klei­nen Din­ge gar­nicht [sic] alle über­bli­cken, um sie Dir auf­zu­zäh­len. Dicker­le!! Du!! Heut[’] war der Weih­nachts­mann schon bei mir!! Bis­te neu­gie­rig? Wei­ter­le­sen!

17. Dezember 1940

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Diens­tag, am 17. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Du!! Mein lie­ber, guter [Roland]!!

Einen lan­gen woll[e]nen Schal um den Bauch, Strick­ho­sen, Strick­rock, Strick­kleid, Strick­ja­cke, 2 Paar woll[e]ne Strümp­fe[,] Bun­zel­schu­he, einen hei­ßen Zie­gel­stein unter den Füßen!!! so sitzt Dei­ne [Hil­de] am Tisch und schreibt, schreibt! Ist das kalt!! Ich kann mich nicht erwär­men, immer noch rennt mir eine Gän­se­haut nach der ande­ren den Rücken hin­un­ter. Ich habe Feu­er im Ofen, trotz­dem ist die Stu­be kalt, das Was­ser im Abstell­raum ein­ge­fro­ren, die Dach­rin­ne ein­ge­fro­ren — wir kön­nen kein Was­ser in den Aus­guß schüt­ten, das läuft sonst am Hau­se nie­der. Im Klo­sett steht ein Gru­dekas­ten, damit es dort nicht noch schlim­mer wird. Es hilft auch gegen das Ein­frie­ren, wirk­lich — wir wol­len noch einen machen las­sen und in den Abstell­raum brin­gen. Dabei scheint nun die Son­ne, sie hat aber abso­lut kei­ne Gewalt über die­se fürch­ter­li­che Käl­te. Wei­ter­le­sen!