14. November 1941

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Frei­tag, am 14. Novem­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Gelieb­ter!!!

Grim­mig kalt ist es heu­te drau­ßen, die Fens­ter sind bis oben­hin gefro­ren, huh! Es gru­selt einem, wenn man nur hin­sieht. Ich sit­ze im War­men, die Füße, die ewig kal­ten, auf einem hei­ßen Zie­gel­stein! Ein Känn­chen hei­ßen Hus­ten­tee in der Ofen­röh­re, da kann ich extra von innen noch ein­hei­zen.

Ich habe ges­tern noch­mal gedämpft und bin dann nach 2 Stun­den schla­fen gegan­gen. Heu­te früh um 4 Uhr war ich schon wach, ich hat­te von Dir geträumt, weiß aber nicht mehr, was es war. Ich war so auf­ge­regt, daß ich auch nicht mehr ein­schla­fen konn­te. Wei­ter­le­sen!

21. Oktober 1941

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Diens­tag, am 21. Okto­ber [19]41.

Gelieb­ter! Mein Her­zens­schät­ze­lein! Du!!!

Mein [Roland]! Mein Son­nen­schein! Heu­te bist Du wie­der zu mir gekom­men! Oh Du!!! 2 Tage hat­te die Post aus­ge­setzt, wie auch bei Dir, ach – es dau­er­te doch schon zu lan­ge! Du!!! Und dabei müs­sen wir ja sooo zufrie­den und dank­bar sein, daß wir ein­an­der über­haupt soo oft und in Ruhe schrei­ben dür­fen! Und müs­sen zufrie­den sein, daß die Post schon so schnell und zuver­läs­sig all uns[e]re Boten beför­dert! Ach ja – ich weiß es schon recht zu schät­zen! Aber wir zwei haben ein­an­der schon so sehr ver­wöhnt mit der vie­len Post! Jawohl!! Daß wir es gleich ver­mis­sen, wenn mal ein, zwei Tage nichts ankommt! Wei­ter­le­sen!

9. Oktober 1941

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Don­ners­tag, am 89. Okto­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Du!! Mein gelieb­ter, liebs­ter [Roland]!

Heu­te woll­te es doch über­haupt nicht Tag wer­den, der Him­mel ist ganz zuge­hängt mit dicken, grau­en Wol­ken. Und ich habe bis in die 9. Mor­gen­stun­de Licht gebrannt. Weil ich mir sonst nichts vor­neh­men konn­te, begann ich gleich mit dem Rei­ne­ma­chen in der Küche und nun bin ich auch fer­tig damit. Fein! Da habe ich mor­gen etwas weni­ger. Auf den Post­bo­ten habe ich heu­te ver­geb­lich gewar­tet, er ging vor­bei. Na, aber mor­gen kommt er gewiß wie­der zu mir! Wei­ter­le­sen!

8. Oktober 1941

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Mitt­woch, am 8. Okto­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Ich sit­ze jetzt wie­der am Tische, vor mei­nem lie­ben Papier, das mir so gedul­dig stil­le hält jeden Tag. Es wird gleich 2 Uhr mit­tags sein. Obwohl noch vie­ler­lei Beschäf­ti­gung war­tet, ich muß mich erst zu Dir set­zen, Herz­lieb! Die stil­le Mit­tags­stun­de ist mir die liebs­te Zeit dazu, da bin ich ganz allein mit Dir und mei­nen Gedan­ken. Die Mutsch ist fort. Vater schläft noch, wenn er Nachtdiens[t] hat. Und auch unten auf der Stra­ße ist es, als hal­te alles ein Stünd­chen den Atem an – es kom­men wenig Leu­te, wenig lär­men­de Kin­der, die Wagen fah­ren sel­ten um die­se Zeit. Wei­terl­se­sen!

01. Oktober 1941

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Mitt­woch, am 1. Okto­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Heu­te sieht der Him­mel aus wie ein schmut­zi­ger Sack. Grau in grau, bis nach 900 [Uhr] vor­mit­tags muß­te ich Licht bren­nen! Das vor­aus­ge­ahn­te Regen­wet­ter ist da! Und in einem Aus­ma­ße, daß [sic] an Ergie­big­keit nichts zu wün­schen übrig läßt. Na, mei­net­we­gen – ich kann im Trock[e]nen sit­zen und Du? Herz­lieb? Du mußt Dich auch nicht mehr d[a]rüber grä­men; denn Du hast viel­leicht eitel Son­nen­schein um Dich heu­te?! Wei­ter­le­sen!