07. Juli 1939

[390707–1-1]

L. am 3. Juli 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Heu­te mor­gen [sic] habe ich Dich zwar erst zie­hen las­sen; trotz­dem zäh­le ich die­sen Mon­tag schon als ers­ten ver­stri­che­nen Tag zum nächs­ten Wie­der­se­hen. Ach lie­be [Hil­de], uns[e]re Begeg­nun­gen wer­den immer kür­zer. Wei­ter­le­sen!

05. Juli 1939

[390705–2-1]

O., am 5. Juli 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Reynolds-Puck
Joshua Rey­nolds, Puck, 1789, Gemäl­de, Brid­ge­man Art Libra­ry, [Public domain], via Wiki­me­dia Com­mons
Wirst Du wohl heu­te das klei­ne nack­te Elfen­kind in emp­fang genom­men haben? Die­se paar Wor­te an Dich, das war am Mon­tag ziem­lich mei­ne gan­ze Arbeit zu Hau­se. Um sie­ben bin ich in[‘]s Bett. Ach Du! Ich war zum Umfal­len müde und matt. Damit ist aber nicht gesagt, daß ich nun ver­drieß­lich gewe­sen wäre — o nein — bei der Erin­ne­rung an Dich und an die gemein­sam ver­leb­ten Stun­den durch­ström­te mich ein so inni­ges Glücks­ge­fühl. Weißt Du, womit ich es ver­glei­chen könn­te?: Ein Kran­ker hat die Kri­sis über­wun­den und geht nun mit einem woh­li­gen Mat­tig­keits­ge­fühl sei­ner Gene­sung ent­ge­gen. Ich war vom lan­gen War­ten, vor Sehn­sucht nach Dir krank — end­lich kam der Tag an dem ich bei Dir sein konn­te, an dem wir uns recht lieb­ha­ben durf­ten. Wie glü­hend sehn­te ich die Stun­de her­bei in den Tagen vor­her — und dann, als wir uns gegen­über stan­den emp­fan­den wir bei­de: Wir waren vom War­ten schon so müde gewor­den und sahen es sich viel­leicht nicht so erfül­len, wie in unse­ren Träu­men vor­her. wei­ter­le­sen!

13. Juni 1939

[390613–2-1]

O., am 12. Juni 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Ges­tern früh ging ich, Dei­nen Brief in den Hän­den voll ban­ger, zit­tern­der Erwar­tung in mein Käm­mer­chen. Nur mir allein sol­len die­se Minu­ten gehö­ren, in denen ich die Zei­chen von Dei­ner Hand auf­neh­me. Drei Blät­ter — mein Blick glei­tet über die Zei­len hin, immer schnel­ler mit klop­fen­dem Her­zen, mit hei­ßen Wan­gen lese ich — einer Ver­durs­ten­den gleich, die den Becher nicht eher absetzt, als bis er geleert ist. Wei­ter­le­sen!

10. Juni 1939

[390610–1-1]

L. am 5. Juni 1939.

Am Mon­tag.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Der ers­te Schul­tag ist vor­bei. Beihnahe gleich­gül­tig, im gewohn­ten Glei­se gehend, tat ich mei­ne Arbeit. Sie erscheint mir so unbe­deu­tend und glanz­los gegen das, was wir erleb­ten. Nun scheint doch wie­der die Son­ne — und Du bist nicht bei mir, bist so weit weg von mir! Fast bin ich erschro­cken über mei­ne Augen, als ich vor­hin in den Spie­gel sah. Sie glän­zen unheim­lich und dun­kel und abwe­send und suchend. Du! Was sie alles schau­ten und tran­ken, und womit sie sich füll­ten in die­sen Tagen! Und sie wer­den ja nicht ruhen, bis sie all das Süße und Schö­ne wie­der­schau­en. Wei­ter­le­sen!

24. Mai 1939

Auszug aus dem Brief: mit Antiqua-Handschrift für westliche Örte.
Aus­zug aus dem Brief: mit Anti­qua-Hand­schrift für west­li­che Örte.

[390524–1-1]

L. am 24. Mai 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Hoch­be­trieb in der Wil­helm­stra­ße, am Quai d’Orsay und in der Dow­nings­treet (das sind die Zen­tren der deut­schen, fran­zö­si­schen und eng­li­schen Poli­tik), Hoch­be­trieb in der Poli­tik, Noten­wech­sel, Pak­te…   Wei­ter­le­sen