10. November 1938

[381110–1‑1]

L. am 10. Nov. 1938.

Lie­be [Hil­de]!

Sie dür­fen Ihren Bei­trag zu uns[e]rer Freund­schaft nicht gering ach­ten. Lie­be und Güte sind Tugen­den des Her­zens. Sie sind heu­te so sel­ten. Über­all regiert der kal­te Ver­stand, der Vater des Zwei­fels. Auch ich bin der Lie­be ent­wöhnt. Hart war ich oft gegen mich selbst. Hart macht unser Beruf, auch der Bru­der klagt dar­über. Jah­re­lang schon bin ich auf mich selbst gestellt, ich freun­de mich nicht leicht jeman­dem an, die meis­te Zeit bin ich auf mich selbst ange­wie­sen. Was Wun­der, wenn es mir nicht gleich gelin­gen will, mich einem Men­schen von Her­zen zu wid­men? Las­sen Sie mich nicht so leicht los und ver­za­gen Sie nicht so leicht, wenn ich mich wie­der ein­mal ver­schlie­ße und zurück­zie­he. Lie­be werkt Zutrau­en. Glau­ben Sie, ich hät­te einem lie­be­ar­men, ver­stan­des­küh­len Mäd­chen mei­ne gehei­men Gedan­ken so schlicht und ernst anver­trau­en kön­nen? Nie­mals. In dem Maße, in dem der Ver­stand über den Men­schen Herr­schaft gewinnt, ver­küm­mern Herz und Gemüt. Ich glau­be, daß mein gan­zer Mensch sich ein wenig modelt an der Sei­te einer lie­ben Frau, daß er sich ändert und löst zu sei­nem Gewinn. Wei­ter­le­sen!

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23. Juni 1938

Briefauszug, Fahrplan
Brief­aus­zug, Fahr­plan

[380623–1‑1]

21.6.38

L. am 23.6.1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Auch ich schied unzu­frie­den. Es war eine kur­ze, über­eil­te Begeg­nung. Ich war etwas abge­hetzt, und ich fand Sie ange­grif­fen und abge­spannt und unru­hig. Wir haben uns kaum ein herz­li­ches Wort gesagt. Es lohnt gar nicht, wei­ter dar­über zu schrei­ben und nach­zu­den­ken.

Ich habe Ihre Abfahrt abge­war­tet und beob­ach­tet, bin dann an der Elbe lang nach W., von da nach der Bas­tei gegan­gen. Müde und ziem­lich erschöpft lang­te ich oben an und habe fast 2 Stun­den beim Kaf­fee auf der Elb­ter­ras­se geses­sen. Anfangs war da ein tol­ler Betrieb. So gern ich dem ein­fa­chen Mann das Rei­ten gön­ne, aber die­se Fahr­ten zu 50 und mehr, die­se Mas­sen­ab­füt­te­run­gen, die­se Rei­se­indus­trie, das ist ein betrüb­li­ches Bild. Erho­ben und erbaut wer­den die­se Men­schen nicht. Ich habe Sie bedau­ert und bin gewiß, daß auch Sie das Unzu­läng­li­che die­ses Betrie­bes schmerz­lich emp­fun­den haben. Wo 50 Men­schen auf ein­mal auf­tref­fen, flie­gen alle wah­ren Freu­den. Durch den Amsel­grund bin ich zurück nach R., Eisen­bahn und Auto brach­ten mich nach Hau­se. Am Sonn­tag war ich nur eben zum Nachmi[t]tagskaffee im B.. Wei­ter­le­sen!

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