6. Dezember 1939

Schneedünen
Schnee­dü­nen, 8. Febru­ar 2008. Bild: Svick­o­va, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2014.
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O., am 6. Dezem­ber 1939.

Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Jetzt habe ich mal eine Stun­de, wo ich mit all mei­nen Gedan­ken bei Dir sein kann — das konn­te ich in den ver­gan­ge­nen drei Tagen doch nur abends, wenn ich in mei­nem Bett lag. Du! Liebs­ter! Vater ist zum Dienst gegan­gen, Mut­ter sitzt am Ofen und strickt; drau­ßen tobt sich wie­der ein hef­ti­ges Schnee­trei­ben aus und ich glau­be, heu­te wird sich nie­mand auf die Bei­ne machen, um Besu­che abzu­stat­ten. Wei­ter­le­sen!

22. November 1939

Auszug, Neueste Zeitung, 9/272 (20.11.1939), S. 1, über Uni-Frankfurt Digitale Sammlung, 11.2014.
Aus­zug, Bericht über den gesun­ke­nen hol­län­di­schen Pas­sa­gier­damp­fer Simon Boli­var, Neu­es­te Zei­tung, 9/272 (20.11.1939), S. 1, über Uni-Frank­furt Digi­ta­le Samm­lung, 11.2014.

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O., am 22. Novem­ber 1939.

Am Mon­tag.

Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Ich lie­ge nun schon in mei­nem Bett — in unser[e]m Bett, Du! Es schlägt gera­de 8 vom Kirch­turm. Wirst Du auch schon zur Ruhe gegan­gen sein? Ob Du auch wohl­be­hal­ten heim gekom­men bist? Wenn das Licht so hell scheint, dann bin ich ganz ruhig — aber im Dun­keln, Du! Wei­ter­le­sen!

22. Oktober 1939

Bundesarchiv Bild 146-1979-050-21A, Polen, Volksdeutsche begrüßen deutsche Soldaten.jpg
Volks­deut­sche begrü­ßen deut­sche Sol­da­ten, 02. Sep­tem­ber 1939, Unter­schrift: “Ein Tag, der ihnen unver­gess­lich blei­ben wird. Seit dem frü­hen Mor­gen, als sich da Gerücht vom Her­an­na­hen deut­scher Trup­pen ver­brei­tet, war­te­ten die deut­schen Frau­en und Mäd­chen jen­seits der Gren­ze mit Bro­ten, Obst und Geträn­ken auf ihre Befrei­er. Nach dem har­ten Kampf und einem lan­gen Nacht­marsch sind die Besat­zun­gen der Tank­wa­gen die­se Erfri­schun­gen dop­pelt will­kom­men.” DBa Bild 146‑1979-050–21A, Licen­sed under CC-BY-SA‑3.0‑de via Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014

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O., am 22. Okto­ber 1939.

Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Es ist mir in die­sen Tagen so deut­lich gewor­den, daß es stark macht, einen Men­schen zur Sei­te zu wis­sen, dem man ganz zu Eigen ist, bei dem man sich so ganz gebor­gen weiß. Liebs­ter! Wie könn­te es auch anders sein, als daß ich alles in stil­lem Ein­ver­neh­men mit Dir tue? Mir scheint, als füh­le ich in Tagen der Sor­ge mehr denn je, daß wir bei­de zusam­men­ge­hö­ren. Und das ist wohl gut so — Sor­ge und Leid ket­tet die Men­schen fes­ter, inni­ger anein­an­der; wir wol­len doch nicht nur an Son­nen­ta­gen zuein­an­der fin­den — aber wir wol­len so fest ein­an­der ver­bun­den sein, daß wir aus eige­ner Kraft Sor­gen­ta­ge in Son­nen­ta­ge wan­deln. Wei­ter­le­sen!

13. September 1939

Bundesarchiv Bild 183-S52911, Polen, Blick aus Bugkanzel einer He 111.jpg
“Auf­trag erfüllt-Brü­cke zer­stört!” Blick aus Bug­kan­zel einer He 111, Polen, Foto: Stemp­ka, DBa Bild 183-S52911, Lizen­ziert unter CC-BY-SA‑3.0‑de über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014. Am 13. Sep­tem­ber 1939 wur­de Fram­pol, nähe Lub­lin, eine mili­tä­risch unwich­ti­ges Stadt, von dem deut­schen Luft­waf­fe bom­ba­diert und fast völ­lig zer­stört.

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O., am 13. Sep­tem­ber 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Heu­te ist der 13.‘ — so dach­te ich beim Auf­ste­hen am Mor­gen, und rich­tig, ¾ 9 konn­te ich Dei­nen Boten in Emp­fang neh­men. Ich begeg­ne immer unser[e]m Brief­trä­ger (Herrn Pes­ter, aus der Sing­stun­de) und er lacht schon von wei­tem, wenn er mich kom­men sieht. Und nun erst allem ander[e]n vor­an: Ich leug­ne nicht, daß ich nicht ent­täuscht gewe­sen bin am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de — aber Dir dar­um böse? Nein, Du! Das war ich nicht. Du hast mir nichts abzu­bit­ten. Es muß­te sich wohl so fügen, wir sind bei­de über die Tage hin­weg­ge­kom­men — nun sind sie vor­über und bit­te, lie­ber [Roland], wir wol­len nicht wie­der dar­über spre­chen. Wei­ter­le­sen!

10. September 1939

Bundesarchiv Bild 101I-012-0018-06A, Polen, Gefallene polnische Soldaten.jpg
Gefal­le­ne pol­ni­sche Sol­da­ten, Polen, 09.1939, Foto: Kliem, DBa Bild 101I-012‑0018-06A, Lizen­ziert unter CC-BY-SA‑3.0‑de über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014

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O., am 10. Sep­tem­ber 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Du weißt ja nicht wie froh ich bin, daß ich end­lich Gewiß­heit habe. Bis zum letz­ten Augen­blick habe ich gehofft, daß Du mir schrei­ben wirst. Ges­tern, am Sonn­abend, muß­te doch der end­gül­ti­ge Bescheid kom­men — einen Kar­ten­gruß erhielt ich wohl, für den ich herz­lich dan­ke — doch nichts, was mir Auf­schluß geben könn­te, in mei­ner Rat­lo­sig­keit. Am Frei­tag war schon Geschäfts­schluß ein gan­zer frei­er Sonn­abend lag vor mir. Ich hat­te alles vor­be­rei­tet, zurecht­ge­macht: ent­we­der zur Abrei­se, oder zu Dei­nem Emp­fang. Ich war­te­te nur auf Dei­ne Anwei­sun­gen. ½ 3 kam das Post­au­to, ich bin an den Schal­ter gegan­gen, habe gefragt, nichts dabei. Nun war­te­te ich bis zum Abend mit den Eltern auf Dein Kom­men — ver­ge­bens. Wei­ter­le­sen!