15. Juni 1941*

[410615–2-1 * Unvoll­stän­dig]

Sonn­tag, am 15. Juni 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein lie­ber, liebs­ter [Roland]! Du!!!

Ich sit­ze am Tische, ganz allein, es ist kurz nach 2 Uhr – der Rund­funk mel­det eben die Über­tra­gung des Bei­trit­tes Kroa­ti­ens zum Drei­mäch­te­pak­tes, der in Vene­dig statt­fand. Ich schal­te ab, um die kur­ze Zeit bis zu mei­nem Gang nach dem Treff­punkt der Kan­to­rei, „Ditt­rich“ [sic] mit Dir zu plau­dern, mein Herz­lieb! Der Vater schläft, die Mutsch [is]t heu­te früh mit dem 8 Uhr Bus nach M., das Bär­be­le fie­bert, da muß Mut­ter Lene kom­men. Hof­fent­lich ist es nichts Ernst­li­ches mit dem Kind. Wei­ter­le­sen!

04. Mai 1941*

 

Einmarsch in Athen
Deut­sche Pan­zer fah­ren am Hafen Thes­sa­lo­nikis vor­bei, 04.1941. Quel­le: Athens, Pho­to­gra­phic Archi­ves of the Arms Histo­ry Direc­to­ra­te. © Arms Histo­ry Direc­to­ra­te, Athens, über Hel­le­nic For­eign Poli­cy (1936–1944), 01.2017.

[410504–1-1* unvoll­stän­dig, viel­leicht eine Mischung meh­re­ren Brie­fen]

[Thes­sa­lo­ni­ki,] Sonn­abend, den 3. Mai 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­lieb! Gelieb­te mein!!

Wochen­en­de – nun ein­mal zur Abwechs­lung in Grie­chen­land. Ach Herz­lieb! Das klingt so leicht­hin und ist doch viel inhalts­schwe­rer. Vor einer Woche gin­gen die Gedan­ken 8 Tage vor­aus voll Span­nung auf das Kom­men­de. Nun sind wir an Ort und Stel­le, und all­zu­leicht ver­gißt man, was dazwi­schen lag. Wei­ter­le­sen!

14. Juli 1939*

T&Savatar[390714–1-1* unvoll­stän­dig]

L. am 14. Juli 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Die­se Woche ist mir schnell ver­gan­gen. Ich habe jeden Tag Dei­ner gedacht, aber nicht so unge­dul­dig wie vori­ge Woche. Ist es, weil wir am Sonn­tag uns so lieb hat­ten, oder ist es, weil wir hof­fen dür­fen, uns bald wie­der­zu­se­hen? Auf der Heim­fahrt — sie ver­lief ganz plan­mä­ßig — betrüb­te es mich, daß wir es dul­den müs­sen, wie uns der Zug Kilo­me­ter um Kilo­me­ter, Hal­te­stel­le um Hal­te­stel­le auseinanderfü[hrt], Dich weit nach Wes­ten, mich nach Süden, bedrück­te mich auch der Gedan­ke, wie Pflicht und Beruf die Glie­der einer Fami­lie, die zusam­men sich so gut hel­fen und stär­ken könn­ten, aus­ein­an­der­reißt in Fer­ne und Frem­de, wo nun jedes ein­zeln viel schwe­rer sei­nen Mann ste­hen muß. Wei­ter­le­sen!

07. November 1938*


T&Savatar[
381107–2-1* unvoll­stän­dig]

O., am 7. Novem­ber 1938.

Lie­ber [Roland]!

Wie könn­te ich noch so trau­rig sein wie vori­ge Woche? Bit­te sei­en Sie ganz beru­higt und zuver­sicht­lich. Ich füh­le es, daß ich über­wun­den habe. Ich bin Ihnen so sehr dank­bar für Ihren lie­ben Brief. Daß ich Ihnen so viel Sor­ge machen muß! Sie Armer, die Ein­sam­keit lässt Sie dop­pelt lei­den, und Ihre Umge­bung ruft immer wie­der die Erin­ne­rung an die­se Stun­den wach.

Auch ein­mal ent­flie­hen kön­nen in sein eige­nes klei­nes Reich, vor den quä­len­den Bli­cken and[e]rer — so schön muß das sein. So wie Sie[,] die Gedan­ken nie­der­schrei­ben kön­nen, wie sie mich gera­de zu der Stun­de bewe­gen, in der ich mich mit einem lie­ben Men­schen beschäf­ti­ge; ohne daß ich von neu­gie­ri­gen oder erstaun­ten Bli­cken beläs­tigt wer­de. Danach seh­ne ich mich.

Es ist oft schwer, alle Emp­fin­dun­gen so wirk­lich­keits­na­he im Gedächt­nis auf­zu­be­wah­ren, bis die Stun­de da ist, in der man ein­mal unge­stört alles nie­der­schrei­ben kann.

Weil ich die Ein­sam­keit ent­beh­ren muß, seh­ne ich mich nach ihr. Uns[e]re letz­te Begeg­nung steht immer noch im Mit­tel­punkt des Gesche­hens. Ich möch­te Ihnen so ger­ne erklä­ren hel­fen.

Der Haupt­grund mag wohl sein, daß uns[e]re Ver­bin­dung noch zu zart und jung ist, um allen äußer­li­chen Ein­flüs­sen gewach­sen zu sein. Eine gewis­se Scheu hält uns ein­an­der noch fern, weil wir uns eben noch zu wenig ken­nen und wie Sie schon ganz rich­tig sag­ten, uns ver­bin­den noch zu wenig gemein­sa­me Erleb­nis­se. Die Sicher­heit fehlt. Jetzt kom­me ich dahin, daß ich mir ein­ge­ste­hen muß, im Ver­gleich zu Ihnen bin ich noch ein rech­tes, dum­mes Kind. Es ist kei­ne Ent­schul­di­gung wenn ich sage, daß ich im Ver­kehr mit frem­den Men­schen noch uner­fah­ren bin. Man muß immer, wo man sich auch befin­det, sei­nen Mann ste­hen. Das ist eine Tat­sa­che, mit der man sich in mei­nem Alter längst abge­fun­den haben müß­te.

Ich schä­me mich, wenn Sie sagen, ich sei ganz unschul­dig. Der Schreck über den Besuch und die Angst irgend etwas Dum­mes anzu­stel­len oder zu sagen, was Ihnen zum Nach­teil gerei­chen könn­te, mach­ten mich schüch­tern und schweig­sam.

Ich war dann so bedrückt, als ich zusah, wie Sie und Ihre Ver­wand­ten die Situa­ti­on zu meis­tern ver­stan­den und für mich so unver­fäng­lich wie nur mög­lich zu gestal­ten.

Der Mon­tag­nach­mit­tag — jeden Tag um die glei­che Zeit muß ich dar­an den­ken, Sie sahen nach der Uhr. Das Buch trug Schuld dar­an.—

Ich will Ihnen die Gedan­ken anver­trau­en, die mich in die­sen Tagen nicht mehr los­lie­ßen: Es muß anders wer­den. Es muß irgend etwas gesche­hen, was mich völ­lig her­aus­reißt aus mei­nem bis­he­ri­gen Schaf­fen. Ich müß­te eine Zeit unter ander[e]n Men­schen leben, müß­te Auf­ga­ben haben, denen ich mich mit Hin­ga­be wid­men könn­te. Ich ste­he Ihnen um vie­les nach. Wenn ich auch noch sehr jung bin und Ihnen an Wis­sen nie­mals gleich­kom­men kann. Doch ich müss­te zu Men­schen gehen, bei denen ich mei­ne Unsi­cher­heit able­ge; zu Men­schen die mich das leh­ren, was mich

T&Savatarsm[Brief unvoll­stän­dig]

18. Juli 1938*

Kyffhäuserdenkmal, zwischen 1890 und 1905, Library of Congress, Prints and Photographs Division, Photochrom Prints Collection, LC-DIG-ppmsca-01117, herunterladen Juni 2013, http://en.wikipedia.org/wiki/File:Kyffhäuserdenkmal_um_1900.jpg

T&Savatar[380718–1-1* unvoll­stän­dig]

Naum­burg am 18. Juli. [1938]

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Heu­te speis­te ich also zu Mit­tag aus­wärts, im schö­nen Naum­bur­ger Rats­kel­ler bei einem Gla­se Saa­le­wein. Gleich nach dem Essen habe ich Quar­tier bezo­gen und bin nach der Rudels­burg gewan­dert, einen rei­zen­den Weg auf den Höhen der Saa­le hin. Es ist ein Stück Land­schaft von eige­nem Reiz. Der Boden ist kal­kig, macht tro­cken einen wei­ßen Staub und guten Durst, den ich im Burg­hof gelöscht habe. Über Burg Saal­eck bin ich dann nach Bad Kösen gegan­gen und von da zurück­ge­fah­ren. Ich bin in einen Gast­hof gera­ten, der ist zu teu­er [f]ür mei­ne Ver­hält­nis­se. Am Nach­bar­ti­sche speis­te ein jun­ges japa­ni­sches Paar, nach­dem es lan­ge auf der Spei­se­kar­te gesucht und mit Mühe sich ver­ständ­lich gemacht hat­te. Nach dem Abend­brot will ich noch um die Naum­bur­ger Alt­stadt bum­meln. Den Dom will ich mor­gen vor­mit­tag [sic] besu­chen. So ward aus Mor­gen und Abend der 2. Tag. Wei­ter­le­sen!