30. Dezember 1938

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B. am 30. Dezem­ber 1938.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Ges­tern kam Ihr Paket an. Heu­te zie­ren nun auch Ihre Gaben mei­nen Gaben­tisch. Sie zie­ren ihn, lie­be [Hil­de]. Ich habe mich sehr gefreut über Ihr Geschenk. Was haben Sie sich für Aus­ga­ben gemacht! ‚Die gute Tan­te’ weilt zu Besuch bei uns. Sie ist ganz weg in das schö­ne Käst­chen. Ich schrieb Ihnen schon ein­mal: „Ich muß die Schrei­be­rin die­ser Brie­fe lieb­ha­ben.” Die Brie­fe von mei­nem lie­ben Schatz sol­len zuerst dar­in Platz fin­den, und es wird also ein rich­ti­ges Schatz­käst­lein sein. Ich weiß: auch Sie schenk­ten, um mir Freu­de zu machen, ohne Berech­nung. Wenn uns uns[e]re Geschen­ke auch nicht ver­pflich­ten, wenn sie auch das Schick­sal nicht hem­men kön­nen, so bekräf­ti­gen sie doch, was wir ein­an­der ver­si­cher­ten: daß wir uns ernst prü­fen wol­len. „Las­sen Sie mich nicht allein!” so baten Sie mich; „Las­sen Sie mich nicht so leicht los!” so bat ich Sie.

Vie­len herz­li­chen Dank, lie­be [Hil­de]!

Noch 2 Tage im alten Jahr. Es ist ein eigen­ar­ti­ges Gefühl. “30. Dezem­ber 1938” wei­ter­le­sen

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07. Dezember 1938

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L. am 7. Dez. 1938

Lie­be [Hil­de]!

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Es war am Diens­tag­nach­mit­tag. In der Lese­stun­de zwi­schen 3 u. 4 faß­te ich den Ent­schluß, 1/2 5 zur Post zu gehen. Es muß etwas dasein [sic], dach­te ich. Es war, als hät­te es mich hin­ge­zo­gen.— Alle Brief­sa­chen waren durch­ge­blät­tert — nichts. Halt! Doch, ein Paket. Ich stut­ze, lese den Absen­der, Ihre Schrift. Ein Schreck durch­fuhr mich zuerst. Auf dem hal­ben Wege war ich im Unge­wis­sen, was ich da noch heu­te traug [sic]. So leicht? Schickt Sie mir die Brie­fe zurück? — Doch dann wur­de es mir zur Gewiß­heit: Sie schickt mir einen Kranz, einen Kranz! Und nun schnell hin­auf und aus­ge­packt! Nicht auf­schnei­den, schön die Kno­ten auf­lö­sen, die Ihre Hän­de geknüpft haben.

Adventskranz in seinem ursprünglichen Design von Johann Hinrich Wichern, 1839, Rauhes Haus, Hamburg, Germany, Urheberrecht: Stiftung des Rauhen Hauses, Hamburg, Germany, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wichern_Adventskranz_originated_from_Germany.jpg, herunterladen Okt. 2013
Advents­kranz in sei­nem ursprüng­li­chen Design von Johann Hin­rich Wichern, 1839, Rau­hes Haus, Ham­burg, Ger­ma­ny, Urhe­ber­recht: Stif­tung des Rau­hen Hau­ses, Ham­burg, her­un­ter­ge­la­den 10/2013.

Eine lie­be­re Ant­wort konn­ten Sie mir nicht schi­cken. Ich dan­ke Ihnen, lie­be [Hil­de].

Heu­te Mitt­woch kam nun auch Ihr Brief.

Das war mein Zwei­fel: Wei­ter­le­sen!

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10. November 1938

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L. am 10. Nov. 1938.

Lie­be [Hil­de]!

Sie dür­fen Ihren Bei­trag zu uns[e]rer Freund­schaft nicht gering ach­ten. Lie­be und Güte sind Tugen­den des Her­zens. Sie sind heu­te so sel­ten. Über­all regiert der kal­te Ver­stand, der Vater des Zwei­fels. Auch ich bin der Lie­be ent­wöhnt. Hart war ich oft gegen mich selbst. Hart macht unser Beruf, auch der Bru­der klagt dar­über. Jah­re­lang schon bin ich auf mich selbst gestellt, ich freun­de mich nicht leicht jeman­dem an, die meis­te Zeit bin ich auf mich selbst ange­wie­sen. Was Wun­der, wenn es mir nicht gleich gelin­gen will, mich einem Men­schen von Her­zen zu wid­men? Las­sen Sie mich nicht so leicht los und ver­za­gen Sie nicht so leicht, wenn ich mich wie­der ein­mal ver­schlie­ße und zurück­zie­he. Lie­be werkt Zutrau­en. Glau­ben Sie, ich hät­te einem lie­be­ar­men, ver­stan­des­küh­len Mäd­chen mei­ne gehei­men Gedan­ken so schlicht und ernst anver­trau­en kön­nen? Nie­mals. In dem Maße, in dem der Ver­stand über den Men­schen Herr­schaft gewinnt, ver­küm­mern Herz und Gemüt. Ich glau­be, daß mein gan­zer Mensch sich ein wenig modelt an der Sei­te einer lie­ben Frau, daß er sich ändert und löst zu sei­nem Gewinn. Wei­ter­le­sen!

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27. Oktober 1938

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L. am 27. Okt. 1938

27.10.

Lie­be [Hil­de]!

In der Namen­fra­ge beu­ge ich mich gern Ihrer Ent­schei­dung. Ich hat­te Sie Ihnen ja zwi­schen den Zei­len zuge­scho­ben. Ich höre mei­nen Namen sel­ten rufen. Zu Hau­se sagt man meist „Gro­ßer, Groß­el.” Es wun­dert und freut mich doch, daß Sie an dem soli­den, alt­vä­te­ri­schen Namen Gefal­len fin­den. Es wird ein beson­de­rer Augen­blick sein, wenn er zum ers­ten Male von Ihren Lip­pen kommt.
Wei­ter­le­sen!

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28. September 1938

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B. am 28.9.38

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Am Mon­tag­mor­gen frag­te ich Sie, was Sie so besinn­lich gestimmt habe. Ich woll­te dann Ihre Hand neh­men und Ihnen sagen: „Ich bin heu­te so froh.” Ich brach­te es nicht her­aus. Froh­ge­macht hat mich unser Gespräch am Abend zuvor. Es hat mir den Blick gewei­tet für den rech­ten Sinn der Ehe. Und Sie haben hin­ge­führt zu die­sem Gespräch. Als wir so saßen, ins Lee­re schau­ten und uns nur noch hör­ten, da waren wir mit den Her­zen bei­sam­men. Nach sol­chem Abend sich fin­den, das ist dann nicht fades Genie­ßen, das ist in Lie­be sich ver­ei­nen.

Illustration zu "Brüderchen und Schwesterchen," Frontispiz in: Brüder Grimm,  Kinder- und Hausmärchen, 1. Band, 2. Ausgabe, 1819; Quelle: Sammlung Alexander Schippan, http://www.expedition-grimm.de/de/presse/pressefotos.html, herunterladen von  http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen_Titel_2te_Ausgabe_Frontispiz.jpg, August 2013
Illus­tra­ti­on zu “Brü­der­chen und Schwes­ter­chen,” Fron­tispiz in: Brü­der Grimm, Kin­der- und Haus­mär­chen, 1. Band, 2. Aus­ga­be, 1819; Quel­le: Samm­lung Alex­an­der Schip­pan, http://www.expedition-grimm.de/de/presse/pressefotos.html, her­un­ter­la­den von http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen_Titel_2te_Ausgabe_Frontispiz.jpg, August 2013

Im Mär­chen Brü­der­chen und Schwes­ter­chen fragt der König: Willst du mit mir auf mein Schloß gehen und mei­ne lie­be Frau wer­den? „Mei­ne lie­be Frau” möch­te ich auch ein­mal sagen kön­nen. Es liegt in die­sen Wor­ten Adel und Hoh­heit; engs­te Gemein­schaft, aber in Züch­ten und Wür­de. So kön­nen nur wenig Män­ner auf­rich­tig von ihrer Frau sagen. Denn bei vie­len ist sie nur Haus­häl­te­rin, Wirt­schaf­te­rin und — ich set­ze das har­te Wort — Dir­ne, Spiel­zeug. Schuld sind wohl meist bei­de Tei­le. Ich bin voll fro­her Gewiß­heit: Die Lie­be ist mehr als fades Genie­ßen und nie­de­res Ver­lan­gen — und Sie wis­sen dar­um und wir (auch ich!) dür­fen uns nur mühen und dar­auf stre­ben, dann wer­den wir es erja­gen, das Glück der rei­nen Lie­be. Gott ist Ihr Grund. Die­se Lie­be macht froh und reich und stark, sie erkal­tet nicht — sie wird nur inni­ger, sie befleckt nicht — sie läu­tert aber. Wei­ter­le­sen!

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