30. Oktober 1940

Wappen Frankreichs
Per­sön­li­ches Emblem vom fran­zö­si­schen Staats­chef Mar­schall Hen­ry Phil­ip­pe Pétain und infor­mel­les Wap­pen von Vichy Frank­reich, Abbil­dung: Tom Lem­mens. Lizen­ziert unter CC-BY 4.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Mitt­woch, den 30. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­al­ler­liebs­te! Hol­de mein!

Vor­bei. Alles vor­bei. Glück­lich vor­bei. Es war ja ganz harm­los. Der Kom­man­deur war sehr zufrie­den. Und — dar­über habe ich Freu­de emp­fun­den — unser Zug­füh­rer hat ver­dien­tes Lob geern­tet. Ja, und nun — nun war­ten wir. ½ 7 Uhr Uhr [sic] soll die Abschieds­fei­er begin­nen. Es wird war­mes Essen geben aus der Kom­pa­nie­kas­se. Es wird getrun­ken wer­den. Sonst ken­ne ich unser Pro­gramm noch nicht. Lan­ge wird es nicht dau­ern, daß ich mich zurück­zie­hen kann, ohne daß die ander[e]n es mer­ken. Zurück­zie­hen zu mei­nem lie­ben Kame­ra­den, zu Dir! “30. Okto­ber 1940” wei­ter­le­sen

30. September 1940

Goering giving a speech to his fighter pilots near Calais September 1940.jpg
Her­mann Göring spricht vor Pilo­ten der Luft­waf­fe über eine Tak­tik­än­de­rung bei den Luft­an­grif­fen auf Lon­don, Beginn Sep­tem­ber bei Calais, Film­still, lizen­ziert unter Fair Use über Wiki­pe­dia, 09.2015.

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Mon­tag, den 30. Sep­tem­ber 1940.

Lie­bes, teu­res Herz, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Wie­der lie­gen 2 Ruhe­ta­ge hin­ter uns. Sie brach­ten mir die ersehn­te Gele­gen­heit, wie­der ein­mal unge­stört zurück­zu­den­ken, die Mög­lich­keit auch, dem Lager­be­reich wie­der ein­mal zu ent­flie­hen, das Auge schwei­fen zu las­sen über die­ses schö­ne Land. Will­kom­men das alles. Doch dann die übri­gen Stun­den, die Abend­stun­den, spürt man die Lee­re, denkt man an ver­lo­re­ne Zeit, wünscht man den Dienst her­bei, daß die Aus­bil­dung sich auf kür­ze­re Zeit zusam­men­drän­gen möch­te — - — doch wenn auch, eher läßt man uns des­halb doch nicht lau­fen, eh die Zeit um ist. Und wann das ist? Geduld, Geduld. An die­sen fes­seln [sic] rüt­teln erleich­tert nicht. Wei­ter­le­sen!

19. September 1940

Bundesarchiv Bild 183-R99542, München, Judenverfolgung, Michael Siegel.jpg
Nicht Teil des zukünf­ti­gen Glücks, von dem Roland schreibt: jüdi­sche Deut­sche wie der Münch­ner Rechts­an­walt Dr. Sie­gel waren schon lan­ge aus der ‘Volks­ge­mein­schaft’ aus­ge­schlos­sen, hier März 1933, DBa, Bild 183-R99542 / CC-BY-SA 3.0. Licen­sed under CC BY-SA 3.0 de via Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

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den 19. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Don­ners­tag ist schon wie­der. Mit­tags­pau­se. Es geht eine laue Luft. Ich sit­ze auf mei­nem Sche­mel im Gar­ten und nut­ze die Frei­zeit, Dir zu schrei­ben, denn heut[e] abend drän­gen sich die Geschäf­te wie­der: Kar­tof­fel­schä­len, Kino (Es ist auf heu­te ver­scho­ben wor­den). Neu­es Brief­pa­pier. Ich bekam einen Block in der Kan­ti­ne. Sieg­fried, der gute, schreib­flei­ßi­ge hat mich schon auf­ge­stö­bert in mei­ner neu­en Stel­lung. Er erhielt ges­tern einen lan­gen Brief. Wei­ter­le­sen!

17. September 1940

The Battle of the Atlantic, 1939-1945 CH1354.jpg
Der Roy­al Navy Zer­stö­rer HMS ANTHONY ret­tet Über­le­ben­de von einem Ret­tungs­boot des SS CITY OF BENARES, das am 17. Sep­tem­ber 1940, getrof­fen von einem deut­schen Mari­ne-U-Boot, sank. Das Schiff hat­te Kin­der von Eng­land nach Kana­da eva­ku­ie­ren wol­len. Impe­ri­al War Muse­um Foto CH1354 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

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Diens­tag am 17. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, Du, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Habe ich mich schon für den Sonn­tags­gruß bedankt? Es ist der schöns­te Augen­blick des Tages, wenn die Post ver­teilt wird, und man ist selbst glück­li­cher Emp­fän­ger. Ges­tern Mon­tag überraschte[n] und erfreu­ten mich die Zei­len Dei­ner lie­ben Mut­ter. Sage Ihr [sic] und Pappsch vie­len herz­li­chen Dank. Jetzt ist Mit­tags­pau­se. Ich lie­ge auf mei­nem Bet­te und schrei­be. Wei­ter­le­sen!

15. September 1940

400915-1-1ia
Aus­zug aus dem Brief

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3 [sie­he Bild]

Sonn­tag, den 15. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Sonn­tag­vor­mit­tag ist. Ich sit­ze drau­ßen in der Son­ne. Die Kame­ra­den hocken in der Stu­be, qual­men und ska­ten. Sie ‘genie­ßen’ — oder sie fröh­nen einer kin­disch anmu­ten­den Gewohn­heit. Ich gön­ne sie ihnen mit­samt der ver­brauch­ten Zim­mer­luft von Her­zen. Wei­ter­le­sen!