25. März 1941

T&Savatar[410325–2‑1]

Diens­tag, am 25. März 1941.

Mein gelieb­tes Herz! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]! Du!!

Du!! Ich habe wie­der von Dir träu­men müs­sen heu­te Nacht. Herz­lieb!! Weil ich so voll Sehn­sucht nach Dir bin. In eine Kir­che trat ich – nach lan­gem Wan­dern durch eine mir völ­lig unbe­kann­te Gegend, vie­le Seen und Wie­sen sah ich, Som­mer war; denn ich trug ein leich­tes, dün­nes Kleid – und als ich ein­trat, allein, in die Küh­le des [G]otteshauses, um mich ein wenig nie­der­zu­las­sen – da hör­te ich Orgel­mu­sik und – es war, als set­ze mein Herz­schlag aus – das konn­te nur einer spie­len – so kann nur einer spie­len – mein [Roland]! Ich spü­re ganz deut­lich noch die süße, wun­der­sa­me Unru­he, die mich erfaß­te. Du!! Von Schu­bert „An die Musik“ spiel­te die Orgel – so deut­lich hör­te ich die ver­trau­te Melo­die. Und ich ging den Tönen nach, die schma­le Trep­pe hin­auf, und Gelieb­ter!! Da sah ich Dich! Dich, mein Herz­lieb! Wei­ter­le­sen!

24. Oktober 1940

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Don­ners­tag, am 24. Okto­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein [Roland]! Gelieb­ter Du!

Hilf­los wie ein klei­nes Schul­mä­del sit­ze ich vor mei­nem Bogen Papier. Aber nicht so, daß ich kei­nen Gedan­ken fas­sen könn­te, Du! Ach Gelieb­ter! Mein [Roland]!! Wie nur, wie sage ich Dir’s, wie so glück­lich Du mich gemacht hast!? Du! Ich bin ganz durch­ein­an­der vor Freu­de, vor Jubel!! [Roland], lie­ber [Roland]! Weißt Du, daß Du mei­nen Her­zens­wunsch erfüllt hast? Wei­ter­le­sen!

03. September 1940

Bundesarchiv Bild 193-04-1-26, Schlachtschiff Bismarck
Schlacht­schiff Bis­marck, 1940. DBa, Bild 193–04‑1–26 / CC-BY-SA, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

[400903–1‑1]

am Diens­tag am 3. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be lie­be [Hil­de]!

Schrei­be­tag [sic] ist nach unse­rem Über­ein­kom­men. Ich benut­ze die Mittag[s]pause von ½ 1 Uhr bis 2 Uhr, um ein paar Zei­len fer­tig zu machen. Ges­tern hat nun der Dienst begon­nen. Mor­gens ½ 8 Uhr zunächst eine Stun­de Unter­richt, dann bis gegen Mit­tag mit einer Pau­se, Fuß­dienst, Still­ge­stan­den, Rührt Euch, Augen rechts, die Augen links, zu drei­en abge­zählt. Auf [sic: auch] das kann anstren­gen aber es geht an. Wei­ter­le­sen!

12. Dezember 1938

 

Friedrich der Große, Holzschnitt, von Adolph Menzel, 1839-42, in Franz Theodor Kugler, Geschichte Friedrichs des Großen, Leipzig: Hermann Mendelssohn, 1856, http://friedrich.uni-trier.de/de/kugler/uc_p1/, herunterladen Okt. 2013
Fried­rich der Gro­ße, Holz­schnitt von Adolph Men­zel, 1839–42, in Franz Theo­dor Kug­ler, Geschich­te Fried­richs des Gro­ßen, Leip­zig: Her­mann Men­dels­sohn, 1856, http://friedrich.uni-trier.de/de/kugler/uc_p1/, her­un­ter­ge­la­den 10/2013.

[381212–2‑1]

O., am 11.12.1938.

am 12.12.1938.

Lie­ber [Roland]!

Es ist jetzt 1/2 5. Seit einer hal­ben Stun­de bin ich wie­der zurück aus der Stadt (L.). Ich erle­dig­te mit Mut­ter Weih­nachts­ein­käu­fe, heu­te am sil­ber­nen Sonn­tag sind die Geschäf­te offen. So viel Betrieb und Kin­der­ju­bel sah ich sel­ten bei­sam­men. Die Hele­nen­stra­ße ist ins [r]einste Mär­chen­land ver­wan­delt wor­den. An fest­li­chen Gir­lan­den hän­gen die ver­schie­dens­ten Mär­chen­bil­der, mit unzäh­li­gen elek­tri­schen Lämp­chen umrahmt; abends muß das ein wun­der­ba­res Bild abge­ben.

Um 4 begann das Kon­zert. Ich den­ke jetzt ganz fest an Sie und ich wün­sche mir, daß ich dabei sein könn­te, Ihnen zuhö­ren.

Ob recht vie­le Leu­te gekom­men sind? Die Zuhö­rer wer­den Ihnen alle dank­bar sein, dar­an zweif­le ich nicht.

Lie­ber [Roland]! Am Sonn­abend erhielt ich Ihren lie­ben Brief — ich öff­ne­te nicht ohne Herz­klop­fen. Wei­ter­le­sen!

06. Dezember 1938

[381206–2‑1]

O., am 5.12.1938.

am 6.12.1938.

Lie­ber [Roland]!

Der end­lo­se Sonn­tag ist vor­über. Mit grau­en, undurch­dring­li­chen Wol­ken war der Him­mel ver­han­gen; tief und regen­schwer jag­te sie der Wind vor sich her. Am spä­ten Nach­mit­tag, als ich das Paket fer­tig gemacht hat­te, litt es mich nicht mehr daheim. Ich lief über die Feld­we­ge dem Wal­de zu — dies­mal gab er mir nicht die Ruhe und [de]n Frie­den. Das Wet­ter war schuld dar­an. Der Sturm zerr­te an den kah­len Ästen der Bäu­me, ich mei­ne dann immer, daß sie seuf­zen. Mei­ne Schrit­te gin­gen fast unter in die­sem Toben. Trost­lo­sig­keit rings um mich her — war so das Ende? Allein, in die­sem Ster­ben. Ein Grau­en über­fiel mich. Ich lief zurück — muß­te wie­der Men­schen begeg­nen, füh­len, daß ich nicht allein war.

Wie leicht und froh­ge­mut war mir zu Sinn am vori­gen Sonn­tag. Ihre lie­ben Zei­len hat­ten mich unse­rer Freund­schaft wie­der ein­mal so r[ec]ht froh bewußt gemacht. Und aus die­sem Gefühl her­aus schrieb ich den letz­ten Brief. Schrieb ich Ihnen das alles, weil ich kein Geheim­nis vor Ihnen haben will. Ja war­um schrieb ich es eigent­lich nie­der? Wei­ter­le­sen!