04. Juni 1940

[400604–1‑1]

S. am 4. Juni 1940.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be [Hil­de], Du!

Ich möch­te die Gedan­ken, die Du in Dei­nem lie­ben Brief­lein anrührst, ein wenig wei­ter­spin­nen. Ges­tern las ich in einer Zei­tung die Anzei­ge des Hel­den­to­des zwei­er Brü­der in höhe­rem mili­tä­ri­schen Rang, aka­de­misch gebil­det, die Mut­ter und der drit­te im Fel­de ste­hen­de Bru­der waren unter­zeich­net. Furcht­bar erscheint uns das Her­ze­leid, wir kön­nen es nicht mit­emp­fin­den. Aber furcht­ba­rer berührt uns die Wucht und Gewalt die­ses Schla­ges, wenn wir glau­ben, daß auch er — wie alles Gesche­hen — bei Gott beschlos­sen war. Muß­ten die­se kost­ba­ren Men­schen­le­ben so beschlos­sen wer­den? War das ihr Sinn? Ob es die bei­den Men­schen vor­be­rei­tet traf? Wei­ter­le­sen!

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19. Juni 1939

[390619–2‑1]

O., am 19. Juni 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Wie konn­te ich nur so schnell fas­sungs­los sein? Immer wie­der stel­le ich mir die­se Fra­ge. Nun betrach­te ich das Ges­tern als einen bösen, schwe­ren Druck, der jetzt von mir gewi­chen ist. Drau­ßen ist Son­nen­schein — in mei­nem Her­zen ist Son­nen­schein! Du, Liebs­ter! Wei­ter­le­sen!

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27. Oktober 1938

[381027–1‑1]

L. am 27. Okt. 1938

27.10.

Lie­be [Hil­de]!

In der Namen­fra­ge beu­ge ich mich gern Ihrer Ent­schei­dung. Ich hat­te Sie Ihnen ja zwi­schen den Zei­len zuge­scho­ben. Ich höre mei­nen Namen sel­ten rufen. Zu Hau­se sagt man meist „Gro­ßer, Groß­el.” Es wun­dert und freut mich doch, daß Sie an dem soli­den, alt­vä­te­ri­schen Namen Gefal­len fin­den. Es wird ein beson­de­rer Augen­blick sein, wenn er zum ers­ten Male von Ihren Lip­pen kommt.
Wei­ter­le­sen!

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12. September 1938

[380912–2‑1]

11.9.38.

O., am 12. Sep­tem­ber 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Schon ges­tern woll­te ich Ihnen schrei­ben, doch der Besuch mei­ner Freun­din hielt mich davon ab. Ich war ein wenig ärger­lich dar­über, gera­de ges­tern waren die Eltern bei der Groß­mutter — ich wäre so schön allein und unge­stört gewe­sen. Manch­mal benei­de ich Sie um Ihre Ein­sam­keit. Ich habe ges­tern viel an Sie den­ken müs­sen, mor­gens — nach­mit­tags. Wir waren auch spa­zie­ren, doch nicht drau­ßen im Frei­en. Lui­se inter­es­sier­te sich mehr für die neu­en Herbst­mo­den in der Stadt. Ein wun­der­ba­rer Film wur­de gespielt, wir haben ihn ange­se­hen. „Hei­mat”, mit Zarah Lean­der, eine ganz ein­zig­ar­ti­ge Stim­me besitzt die­se Schau­spie­le­rin; wenn Sie Gele­gen­heit haben, die­sen Film müs­sen Sie anse­hen. Im Jahn­haus war Kampf­bahn­wei­he, ich bin nicht hin­ge­gan­gen.

Ich glau­be, daß Sie doch manch­mal Sehn­sucht nach O[.] haben. Die Gegend rund­um büßt doch, trotz­dem sie indus­trie­reich ist, land­schaft­lich nicht ein, und sie

Zarah Leander, Heimat, 1938, Quelle: F. W. Murnau-Stiftung, http://www.murnau-stiftung.de/, herunterladen von http://www.filmportal.de/node/10721/gallery, August 2013
Zarah Lean­der, Hei­mat, 1938, Quel­le: F. W. Murnau-Stif­tung, http://www.murnau-stiftung.de/, her­un­ter­la­den von http://www.filmportal.de/node/10721/gallery, August 2013

hat ihre eige­nen Rei­ze, die ein man­cher viel­leicht gar­nicht wahr­nimmt. Man muß eben auch etwas emp­fäng­lich für die Natur sein. Wenn man sich ein Stück Erde selbst erschließt, ohne daß man erst von ander[e]n dar­auf auf­merk­sam gemacht wird, dann ist es uns dop­pelt lieb und wert. Wenn[‘]s bei uns auch kei­ne bedeu­ten­den Sehens­wür­dig­kei­ten gibt wie anders­wo, ich ach­te die­ses Stück Erde, ist es doch das Land mei­ner Kind­heit und Jugend. Ich freue mich, daß Sie in der Zeit, die Sie hier weil­ten, mei­ne Hei­mat lieb­ge­wan­nen. Auch ich gehe gern in mei­ner frei­en Zeit da hin­aus, wo man recht weit ins Land bli­cken kann — am liebs­ten allein. Wei­ter­le­sen!

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14. August 1938

[380814–2‑1]

O., am 14. August 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Heu­te früh erhielt ich Ihren Brief. Die Nach­richt vom Heim­gan­ge Ihrer lie­ben Groß­mutter hat mich erschüt­tert. Wie uner­forsch­lich sind doch Got­tes Wege. Sie haben alle die furcht­ba­ren Stun­den mit­er­lebt, macht­los dem Schick­sal gegen­über. Und für einen emp­find­sa­men Men­schen wohl das Schlimms­te — Ein­sam­keit im Her­zen.

Ich habe schon ein­mal einen Men­schen mit dem Tode rin­gen s[ehe]n. Eine die den Tod such­te. Ich wer­de die­sen Anblick nie­mals ver­ges­sen. Grau­en und tie­fes Mit­leid, das waren mei­ne Emp­fin­dun­gen damals. Wei­ter­le­sen!

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