08. Juni 1939

[390608–2-1]

O., am 7. Juni 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Nun ste­he ich wie­der mit­ten drin im gro­ßen Schaf­fen, und man soll­te mei­nen, nach dem ver­brach­ten Urlaub geht’s mit dop­pel­ter Lust und Lie­be an die Arbeit. Ich aber muß das Gegen­teil fest­stel­len. An die­ser Lust­lo­sig­keit hat sicher zu gro­ßem Teil die uner­träg­li­che Hit­ze schuld [sic], die schon seit Tagen hier herrscht. Es wird bes­ser wer­den. Aber sieh, das alles läßt sich ertra­gen, wenn ich zurück­den­ke an uns[e]re ein­zig schö­nen Feri­en­ta­ge — Du, mein lie­ber, lie­ber [Roland]! Wei­ter­le­sen!

03. März 1939

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L. am 3. März 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Auf dei­nen Boten habe ich gewar­tet. Sein Säu­men wird gern ent­schul­digt. Am Mitt­woch­abend war ich so mun­ter, und da wuß­te ich, daß Du mei­ner denkst und wahr­schein­lich an mich schreibst. Gegen 11 Uhr habe ich in Dei­nen Brie­fen gele­sen, gegen ½ 1 bin ich zu Bett, ich habe nur wenig geschla­fen, Du böser Stö­ren­fried. Wei­ter­le­sen!

15. Februar 1939

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L. am 15. Febru­ar 1939

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Noch 72 Stun­den, dann weiß ich Sie wie­der bei mir! Heu­te Mitt­woch, der Tag, an dem ich die ers­ten Vor­be­rei­tun­gen tref­fe. Das Zim­mer ist bestellt, die Wärm­fla­sche wird geflim­mert. Wei­ter­le­sen!

04. Januar 1939

Grußkarte zum Neujahr 1938
Gruß­kar­te zum Neu­jahr 1938

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O., am 4. Janu­ar 1939.

Dies­mal muß ich mit einer Erklä­rung begin­nen. Sie dür­fen nicht den­ken, daß ich in der ver­gan­ge­nen Zeit Sie ver­ges­sen habe! [sic] Heu­te füh­le ich mich wie­der wohl und ich will Ihnen alles schrei­ben, was ich auf­zeich­ne­te.

 

Am 29. Dezem­ber 1938.

Mein lie­ber [Roland]!

Eine uner­war­te­te Freu­de berei­te­te mir heu­te Ihr lie­ber Brief. Aber sie wur­de doch ein wenig getrübt durch die trau­ri­gen Tat­sa­chen, die Sie mir dar­in mit­teil­ten. Das muß ich sagen, ich habe eine mäch­ti­ge Wut über die Lum­pe­rei, (ent­schul­di­gen Sie!) die auf der Post herrscht. Da habe ich nun beim Ver­schi­cken der Blu­men schon einen Tag dazu gerech­net. Den­ken Sie, am Mon­tag vor Ihrem Geburts­ta­ge, also am 19. gab ich dem Gärt­ner den Auf­trag und ich war dabei, als er die Nel­ken ein­pack­te, sie sind pünkt­lich abge­gan­gen. Ich hat­te mir das so schön als eine Über­ra­schung für Sie aus­ge­dacht, und Sie soll­ten nicht am Absen­der erken­nen, wer Ihnen das schickt. Wei­ter­le­sen!

16. November 1938

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O., am 16. Nov. 1938.

Lie­ber [Roland]!

Drau­ßen herrscht unfreund­li­ches Wet­ter, sehr trü­be ist es — ein wenig beherrscht es sogar mei­ne Stim­mung. Ich war heu­te nicht zum Got­tes­dienst, die Kan­to­rei hat auch nicht gesun­gen.

Jetzt hal­ten die Eltern noch Mit­tags­ru­he, mei­ne Gedan­ken sind bei Ihnen. Ich befürch­te, daß Sie mei­ne Kar­te nicht mehr erreich­te, das täte mir so leid.

Wie lan­ge doch die­se Unstim­mig­keit nach­wirkt in uns. Es ist rüh­rend, wie Sie sich sor­gen und mühen, um mir das Herz zu erleich­tern. Las­sen Sie mich noch­mals herz­lich dan­ken für Ihren letz­ten Brief. Er läßt mich wie­der hoff­nungs­vol­ler bli­cken in die Zukunft. Frei­lich wer­den noch vie­le Stei­ne auf unser[e]m Wege lie­gen, gro­ße und klei­ne. Doch wir wol­len sie mit Got­tes Hil­fe über­win­den, im Glau­ben an ein­an­der und im Glau­ben an die Stär­ke und das Gute in uns.

Las­sen wir nun das Trü­be hin­ter uns — freu­en wir uns des Kom­men­den. Sie haben mich mit Ihrer Hoff­nungs­freu­dig­keit ange­steckt: Es wird alles wie­der gut wer­den. Wei­ter­le­sen!