19. September 1940

Bundesarchiv Bild 183-W-0801-512, Rhön, Hanna Reitsch beim Segelflug-Wettbewerb.jpg
In Rends­burg besuch­te Han­na Reitsch, Flie­ge­rin und Luft­waf­fe-Test­pi­lo­tin, die Kolo­nia­le Frau­en­schu­le Rends­burg (1926–45), hier bei einem Segel­flug­wett­be­werb 1936, DBa Bild 183-W-0801–512 / Becke, Hein­rich von der / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

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Don­ners­tag, am 19. Sep­tem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Heu­te ist hel­ler Son­nen­schein drau­ßen und ich bin ganz wohl und mun­ter. Mut­ter ließ mich heu­te früh schla­fen, und ich bin erst um 8 [Uhr] auf­ge­weckt. War ich erschro­cken.

Du kannst schon immer Dir aus­ma­len, was bloß los wäre, wenn ich Dich, mei­nen Wecker[,] nicht hät­te in Zukunft! Heu­te früh habe ich eine lie­be Über­ra­schung erlebt. Wei­ter­le­sen!

04. Januar 1939

Grußkarte zum Neujahr 1938
Gruß­kar­te zum Neu­jahr 1938

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O., am 4. Janu­ar 1939.

Dies­mal muß ich mit einer Erklä­rung begin­nen. Sie dür­fen nicht den­ken, daß ich in der ver­gan­ge­nen Zeit Sie ver­ges­sen habe! [sic] Heu­te füh­le ich mich wie­der wohl und ich will Ihnen alles schrei­ben, was ich auf­zeich­ne­te.

 

Am 29. Dezem­ber 1938.

Mein lie­ber [Roland]!

Eine uner­war­te­te Freu­de berei­te­te mir heu­te Ihr lie­ber Brief. Aber sie wur­de doch ein wenig getrübt durch die trau­ri­gen Tat­sa­chen, die Sie mir dar­in mit­teil­ten. Das muß ich sagen, ich habe eine mäch­ti­ge Wut über die Lum­pe­rei, (ent­schul­di­gen Sie!) die auf der Post herrscht. Da habe ich nun beim Ver­schi­cken der Blu­men schon einen Tag dazu gerech­net. Den­ken Sie, am Mon­tag vor Ihrem Geburts­ta­ge, also am 19. gab ich dem Gärt­ner den Auf­trag und ich war dabei, als er die Nel­ken ein­pack­te, sie sind pünkt­lich abge­gan­gen. Ich hat­te mir das so schön als eine Über­ra­schung für Sie aus­ge­dacht, und Sie soll­ten nicht am Absen­der erken­nen, wer Ihnen das schickt. Wei­ter­le­sen!

15. Oktober 1938

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13.10.38

L. am 15. Okto­ber 1938.

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Drei­und­zwan­zig Bil­der besit­ze ich jetzt von Ihnen und drei­und­zwan­zig Brie­fe. Das mag für mich der Anlaß sein, mich Ihrem Brief­ge­den­ken anzu­schlie­ßen.

Dies­mal habe ich beson­ders unge­dul­dig auf Ihren Brief gewar­tet, ohne daß ich einen rech­ten Grund dafür anfüh­ren könn­te. Ganz gegen die Abma­chun­gen begann die Schu­le erst am Diens­tag, der Schul­lei­ter teil­te mir das am Sonn­abend mit, ich reis­te also Mon­tag. So froh und leicht wie am Mon­tag­mor­gen ist mir lan­ge nicht gewe­sen, und dabei war doch Abschieds­tag. Ich erwäh­ne das nur, weil Sie schrei­ben, daß Sie am Mon­tag mei­ner beson­ders gedacht haben. Wei­ter­ele­sen!

07. Oktober 1938

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B. am 7. Okt. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Wenn ich am kom­men­den Sonn­tag mei­ne ‚Dienst­räu­me’ wie­der betre­te, wird die Erin­ne­rung an Ihren Besuch leb­haft wer­den. Sie ken­nen nun mei­ne Behau­sung, sind mei­ne Wege gegan­gen, und mir wird es manch­mal vor­kom­men, als sei­en Sie mit anwe­send und schrit­ten neben mir, ich wer­de mich manch­mal geheim beob­ach­tet füh­len. Müde Bei­ne haben Ihnen zwei Tage lang die Erin­ne­rung gewalt­sam wach­ge­hal­ten. Das Wan­dern und Lau­fen ist mei­ne Pas­si­on. Ich brau­che dazu gar nicht immer ein Ziel, auf das ich beson­ders spit­ze; oft gehe ich hin­aus nur, um mich aus­zu­lau­fen, um mein inne­res Gleich­ge­wicht wie­der­zu­er­lan­gen.

Da Sie all­tags soviel in Räu­men sit­zen, kann Ihnen die Bewe­gung an fri­scher Luft nur gut sein. Uns[e]re Begeg­nung war nicht ohne Reiz. Sie war so geheim und doch nichts Ver­bo­te­nes. Sie war aben­teu­er­lich und doch nicht plan­los. Sie war für Zuschau­er und Auf­pas­ser, wenn es sol­che gege­ben hät­te, voll Frei­heit und über [die] gewohn­ten Gren­zen; aber wir bei­de steck­ten die Gren­zen der Frei­heit selbst und ach­te­ten sie. Ihre Mut­ter selbst hol­te Sie ab von die­sem aben­teu­er­li­chen Ren­dez­vous (Stell­dich­ein). Wei­ter­le­sen!