30. April 1942

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[Saloni­ki] Don­ner­stag, den 30. April 1942.

Herzenss­chätzelein! Geliebte! Meine liebe, lieb­ste [Hilde]!

Nun hausen wir schon einige Stun­den im neuen Bau. Und ein­mal hat das Man­ner­li nun drin geschlafen, drei Stun­den nur, ach nein, nicht ganz. Ich mußte doch noch sooo lieb Dein denken! Ach Herzelein! Ich hab[‘] Dich doch ganz lieb­haben müssen – Du! Du!!!!! Weil Du zu lieb zu mir gekom­men bist!!! Mit meinem neuen Arbeit­splatz bin ich zufrieden. Die Mor­gen- und Vor­mit­tagssonne kommt ins Zim­mer – sie ist auch an den heißen Tagen willkom­men. Nur der Tages­lärm dringt nun deut­lich­er her­auf in das Klap­pern der Schreib­mas­chine und das Kritzeln der Fed­er (das ist zusam­men mit dem Gek­lin­gel des Tele­fons der Schlacht­en­lärm der Schreib­stube). Der Spieß haust für sich in einem Zim­mer. Das hat den Vorteil, daß wir ungestörter arbeit­en kön­nen – den Nachteil, daß wir nicht mehr alles hören. Dein Man­ner­li ist nicht neugierig. Weit­er­lesen!

02. Januar 1942

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Fre­itag, am 2. Jan­u­ar 1942.

Herzenss­chätzelein! Mein geliebtes, teures Herz! Geliebter!

Du!!! Heute will ich wieder zu Dir kom­men.

Gestern war ich nur immer in Gedanken bei Dir. Der 1. Jan­u­ar war gestern. Du! Denke nur: wir schliefen bis um 10 vor­mit­tags! Nicht, daß wir so schlaf­bedürftig gewe­sen seien! Nein – es war das Gefühl des „Nichts­drän­gens“, eben des Feiertags. Unser Papa schlief ja auch bis Mit­tag, wußten wir, und so waren wir mal ganz faul. Herzelein! Ich habe sooo an Dich gedacht am Sil­vester­abend! Mußt es doch gespürt haben über alle Ferne, Du!!! Eine her­rliche Nacht war es. So mond­hell, frostk­lir­rend, ganz still, ach Du!!! Ich bin eher aus der Kirche heimge­gan­gen, nach­dem die Predigt zu Ende war und viele Leute noch das Abendmahl nah­men. Ganz allein ging ich auf der Straße. Wie war das doch schön! Über mir die unendliche Him­mel­sweite – so friedlich alles ring­sh­er. Weit­er­lesen!

21. Dezember 1941

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Son­ntagabend, 4. Advent 1941.

Herzenss­chätzelein! Du mein her­zlieber [Roland]! Geliebter!!!

Oh Du!! Du!!! Was waren das doch für freuden­re­iche Stun­den heute – gestern. Aber beson­ders heute, Du!!! Oh Geliebter mein!! Wie lieb[‘] ich Dich! Wie lieb[‘] ich Dich! Du bist zu mir gekom­men, oh Du!! Bist unendlich lieb zu mir gekom­men heute! Herzelein!!! 3 liebe Boten durfte ich emp­fan­gen heute, ach Du!!! !!!!!!!!!! !!! Du! Hast mich so lieb! Ich muß mich doch soooooooooo sehr sehnen nach Dir, Geliebter! Oh Du!!! Wenn Du so lieb, so voll Zärtlichkeit, voller Wärme und Innigkeit zu mir sprichst! Weit­er­lesen!

14. Dezember 1941

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Son­ntag, 3. Advent _14. Dezem­ber 1941.

Herzenss­chätzelein! Mein lieber, guter [Roland]! Herzelein!

Oh Du! Heute Nacht bist Du zu mir gekom­men, im Traum! War das doch son­der­bar, Du! Es dunkelte schon draußen, ich wohnte wieder in uns[e]rer alten Woh­nung S.straße 10. Ich stand am Fen­ster in der Küche, von da aus ich die Kreuzung überse­hen kon­nte. Plöt­zlich sah ich Dich, mein Lieb, um die Ecke biegen! Einen schw­eren Kof­fer schlepptest Du und gingst ganz schief! In Dein­er Marine­u­ni­form kamst [Du] daher. Oh, ich fühlte richtig, wie mein Herz zum Zer­sprin­gen klopfte! Du!! Ach – wie soll ich’s nur beschreiben? Weit­er­lesen!

13. Dezember 1941

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Sonnabend, am 13. Dezem­ber 1941.

Geliebtes Herz! Mein [Roland]! Herzenss­chätzelein!

Ich bin wieder daheim! Den 1720 [Uhr] Zug kon­nten wir nicht mehr erre­ichen, so sind wir eine Stunde später gefahren und langten um 7 [Uhr] in O. an.

Toll war der Betrieb in der Stadt, alle woll­ten Wei­h­nacht­seinkäufe täti­gen. Ein Gewim­mel in allen Straßen! Und dabei gibt es doch kaum noch etwas Gescheites. Um 3 [Uhr] sollte uns[e]re Sache steigen, wieder im Kap­pler-Bräu. So kon­nten wir uns erst noch ein wenig die Aus­la­gen beseh[e]n und uns mit dem Men­schen­strom treiben lassen. Weit­er­lesen!