02. Dezember 1940

[401202–1-1]

Mon­tag, am 2. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Roland posierend, während Hildes Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Roland posie­rend, wäh­rend Hil­des Besuch, Ende Novem­ber 1940, Eckern­för­de.

Nun, muß ich wie­der zur Feder grei­fen. Der Him­mel trau­ert heut[‘] mit mir: Rauh und grau ist es. Und ich darf gar nicht dran den­ken, Du!, [sic] daß du mir wie­der ent­eilst. Hin­ter den dür­ren, toten Zah­len und Zei­chen sit­ze ich wie­der. Abend ist dar­über gewor­den. Daß du bei mir warst: wie ein Spuk, ein süßer Traum möch­te es mir nun erschei­nen. Ich war­te, Liebs­te, auf dein Tele­gramm, auf dei­nen ers­ten Boten. Wie ich war­te, Du! Du wirst gleich nach ihm gegan­gen sein, als Du ankamst. Bis 9 Uhr will ich gedul­dig war­ten. Bis in unse­re Abge­le­gen­heit kann es lan­ge gehen. Wei­ter­le­sen!

01. November 1940

 

chreibmaschine Model 100 Bj. 1940, Bild: Reinhold Schubert, Entwicklung der Schreibmaschinentechnik in Sachsen, Portal Feinwerktechnik, 10.2015.
Schreib­ma­schi­ne Model 100 Bj. Con­ti­nen­tal 1940, Bild: Rein­hold Schu­bert, Ent­wick­lung der Schreib­ma­schi­nen­tech­nik in Sach­sen, Por­tal Fein­werk­tech­nik, 10.2015.

[401101–1-1]

Frei­tag, den 1. Novem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du! Hol­de mein!

Wo ich jetzt ste­cke, abends um 9 Uhr, suchst Du mich gewiß nicht, suchst Du mich sowohl der nächs­ten Umge­bung, als auch der Kame­rad­schaft nicht, unter der ich jetzt ste­cke. Du, ich mag nicht kla­gen, ich kam zunächst auch noch gar nichts sagen. Heut[’] mor­gen um 9 Uhr stan­den wir marsch­be­reit. Wei­ter­le­sen!

27. August 1940

GGrenR1 Offz u Grenadier 1824
Post­kar­te, 1824. Über Wiki­me­dia Com­mons. 09.2015.
[400827–1-1]

S. am 27. August 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Die­se Anre­de aus der Braut­zeit, aus uns[e]rer Zeit des War­tens, soll nun noch län­ger Gel­tung behal­ten. Nun komm, Herz­lie­bes, und laß Dir berich­ten. Voll Span­nung fuhr ich nun nach Dres­den. Ich gab mein Gepäck auf. Mit mei­nem Früh­stück bin ich durch den gro­ßen Gar­ten gegan­gen, unse­ren Weg, weißt Du noch, zum letz­ten Male in Frei­heit. Zurück zum Haupt­bahn­hof. Eine Fleisch­brü­he habe ich noch genos­sen — dann trat ich den schwe­ren Gang an, 10 Minu­ten vor 12. Ich fand dort schon alles ver­sam­melt und ein­ge­teilt, frag­te mich durch und stand dann und fand mich ver­las­sen mit­ten unter einer Grup­pe von Kraft­fah­rern. Wei­ter­le­sen!