28. September 1941

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Sonn­tag, am 28. Sep­tem­ber 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!

Der ers­te Sonn­tag allein – o ja, Herz­lieb! Ich habe es gespürt, wie allein ich heu­te war.

Aber ich will nicht kla­gen, Du! Die lie­ben Eltern hat­te ich ja bei mir, – und ich weiß genau, daß sie mich heu­te mit­nah­men, um mir mein Allein­sein zu neh­men, daß [sic] ich noch so sehr füh­le nach die­sen weni­gen Tagen Dei­ner Abrei­se. Ach Du! Mein Herz ist noch so wund, ich könn­te laut schrei­en vor Sehn­sucht nach Dir, Gelieb­ter! Und ich weiß doch genau, daß uns[e]re schö­ne Zeit zu Ende ist, daß sie einer lan­gen War­te­pau­se Platz machen muß­te. Die Pau­se muß ja sein – Du! – sonst kann ja kein neu­er Urlaub kom­men! Ach, ich zwin­ge mich mit aller Gewalt zur Ver­nunft, Her­zens­schät­ze­lein! Ich will mir nichts mer­ken las­sen – viel­leicht sieht mir Mutsch doch mei­ne Ruhe­lo­sig­keit an den Augen ab. Wei­ter­le­sen!

23. Juni 1941

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Mon­tag, den 23. Juni 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­lieb, Hol­de mein!!

Wo find ich Dich denn nun heu­te, Gelieb­te? Dein lie­ber Bote vom 14. Juni gibt mir Ant­wort. Ob Ihr denn nun wirk­lich dort seid? Mein Herz­lieb im Elb­schlöß­chen?!! Am lie­ben Elb­st­ro­me? Und am Schie­nen­strang, der hin­auf führt ins Para­dies, Herz­lieb!, und dar­über hin­aus bis zu mir – paß nur fein auf, man­che Tage hängt der Wagen nach Salo­ni­ki dran, mein[‘] ich. Und ich weiß, mein Herz­lieb schickt mir tau­send lie­be Gedan­ken und Wün­sche – süd­wärts, süd­ost­wärts. Wei­ter­le­sen!

01. März 1941

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Sonn­abend, am 1. März 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein gelieb­tes Herz! Mein [Roland], Du!

Nun müs­sen Du und auch ich wie­der zu Papier und Feder grei­fen. Und das ist uns ein lie­ber Trost, zu wis­sen, daß uns[e]re lie­ben Boten alle Tage zwi­schen Dir und mir gehen – alle Tage, zu jeder Zeit gehen sie hin und her zwi­schen uns. Du! Wir las­sen uns ja ein­an­der gar­nicht [sic] von der Hand. Nie mehr, Herz­lieb! Heu­te vor­mit­tag kam Dein ers­ter Gruß, Du! Ich habe mich so gefreut, sei recht lieb bedankt, mein [Roland]! Gleich nach 8 Uhr hast Du das Tele­gramm bestellt, und ½ 10 Uhr brach­te mirs’ [sic] der Bote. Nun weiß ich Dich wie­der gebor­gen in Dei­ner alten Umge­bung, Liebs­ter. Es ist 3 Uhr am nach­mit­tag [sic], Du wirst noch arbei­ten. Ob Du wohl schon alle Dei­ne Gedan­ken bei Dei­ner Arbeit hast? Du! Ich glaubs´[sic] ja kaum. Na, man wird Dir, dem ‚frisch vom Land kom­men­den´, am ers­ten Tage wohl ein wenig mit Scho­nung und Nach­sicht begeg­nen! Wei­ter­le­sen!

23. Dezember 1940

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Mon­tag, am 23. Dezem­ber 1940.

Gelieb­ter!! Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein lie­ber, lie­ber [Roland], Du!!

Heu­te hat er müs­sen [sic] den gan­zen, lan­gen, kal­ten Vor­mit­tag im Kas­ten ste­cken blei­ben, der arme Bote! Du — die [Hil­de] war nicht da, sie war seit früh um 8 beim Ver­schö­ne­rungs­rat! Ach — ich kann Dir sagen, es war ’ne Qual zu war­ten! Aber wäre ich wie­der gegan­gen, um Nach­mit­tags wie­der zu kom­men — es wär mir nicht bes­ser ergan­gen. Und ich sag­te mir dann auch: der Vor­mit­tag ist nun sowie­so pfutsch — den Nach­mit­tag ver­dirbst dir nicht noch. Um ½ 1 war ich daheim ‚frisch gedu­delt’, wie Ihr Män­ner so ger­ne sagt! Ja, vor den Fei­er­ta­gen ist der Betrieb beim Fri­seur immer so toll — doch bevor ich nicht alle Schmutz­ar­beit erle­digt habe, mag ich mir auch nicht den Kopf waschen. Wei­ter­le­sen!

15. Dezember 1940

Antoniterkirche Köln 1940.jpg
Weih­nachts­zeit 1940, hier die Anto­ni­ter­kir­che Köln, Foto von ev. Gemein­de Köln, lizen­ziert unter Copy­right­ed free use über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

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Sonn­tag, am 3. Advent 1940.

Gelieb­ter, mein [Roland]!! Herz­al­ler­liebs­ter!! Du!! Du!!!

Du!! Wie soll ich denn nun anfan­gen mit der Bot­schaft, die ich Dir brin­gen will? Ach, Du!!! Hast Du es nicht schon gefühlt heu­te früh, genau um 700, mit dem Glo­cken­schlag? Du mußt es ja doch gefühlt haben — Du — so jäh, so hef­tig und so innig, fest dach­te ich an Dich, mein Herz!! Du!! Du!!! Ach, die gan­ze Nacht schon muß­te ich Dei­ner den­ken, weil ich wie­der ein­mal nicht schla­fen konn­te, Du! Und dabei war ich so erschöpft. Hef­ti­ge Schmer­zen im Leib plag­ten mich — ich konn­te kein Auge zu tun. Ich hat­te Angst, daß ich mir etwa Scha­den getan hät­te beim Waschen. Wir haben näm­lich alles auf der Hand gewa­schen, nicht mit der Wasch­ma­schi­ne, weil’s da so über die Wäsche geht — und das strengt den Rücken und den Leib ganz schön an; aber ich habe mich doch so in acht genom­men. Wei­ter­lei­ten!