17. Januar 1941

Auszug aus dem Brief. Herzzeichen am linken Rand der letzten Seite des Briefes.
Aus­zug aus dem Brief. Herz­zei­chen am lin­ken Rand der letz­ten Sei­te des Brie­fes.

[410117–1‑1]

Frei­tag, den 17. Janu­ar 1941.

Herz­al­ler­liebs­te! Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne [Hil­de], Du!!

Du erin­nerst dar­an, wie Umstän­de und Men­schen, denen wir gar kei­ne Bedeu­tung zunächst schen­ken, doch so bedeut­sam wer­den kön­nen in unse­rem Leben; in einem Thea­ter sind auch die Neben­rol­len manch­mal von ein­schnei­den­der Wich­tig­keit, dar­an wird man erin­nert. Wei­ter­le­sen!

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12. September 1938

[380912–2‑1]

11.9.38.

O., am 12. Sep­tem­ber 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Schon ges­tern woll­te ich Ihnen schrei­ben, doch der Besuch mei­ner Freun­din hielt mich davon ab. Ich war ein wenig ärger­lich dar­über, gera­de ges­tern waren die Eltern bei der Groß­mutter — ich wäre so schön allein und unge­stört gewe­sen. Manch­mal benei­de ich Sie um Ihre Ein­sam­keit. Ich habe ges­tern viel an Sie den­ken müs­sen, mor­gens — nach­mit­tags. Wir waren auch spa­zie­ren, doch nicht drau­ßen im Frei­en. Lui­se inter­es­sier­te sich mehr für die neu­en Herbst­mo­den in der Stadt. Ein wun­der­ba­rer Film wur­de gespielt, wir haben ihn ange­se­hen. „Hei­mat”, mit Zarah Lean­der, eine ganz ein­zig­ar­ti­ge Stim­me besitzt die­se Schau­spie­le­rin; wenn Sie Gele­gen­heit haben, die­sen Film müs­sen Sie anse­hen. Im Jahn­haus war Kampf­bahn­wei­he, ich bin nicht hin­ge­gan­gen.

Ich glau­be, daß Sie doch manch­mal Sehn­sucht nach O[.] haben. Die Gegend rund­um büßt doch, trotz­dem sie indus­trie­reich ist, land­schaft­lich nicht ein, und sie

Zarah Leander, Heimat, 1938, Quelle: F. W. Murnau-Stiftung, http://www.murnau-stiftung.de/, herunterladen von http://www.filmportal.de/node/10721/gallery, August 2013
Zarah Lean­der, Hei­mat, 1938, Quel­le: F. W. Murnau-Stif­tung, http://www.murnau-stiftung.de/, her­un­ter­la­den von http://www.filmportal.de/node/10721/gallery, August 2013

hat ihre eige­nen Rei­ze, die ein man­cher viel­leicht gar­nicht wahr­nimmt. Man muß eben auch etwas emp­fäng­lich für die Natur sein. Wenn man sich ein Stück Erde selbst erschließt, ohne daß man erst von ander[e]n dar­auf auf­merk­sam gemacht wird, dann ist es uns dop­pelt lieb und wert. Wenn[‘]s bei uns auch kei­ne bedeu­ten­den Sehens­wür­dig­kei­ten gibt wie anders­wo, ich ach­te die­ses Stück Erde, ist es doch das Land mei­ner Kind­heit und Jugend. Ich freue mich, daß Sie in der Zeit, die Sie hier weil­ten, mei­ne Hei­mat lieb­ge­wan­nen. Auch ich gehe gern in mei­ner frei­en Zeit da hin­aus, wo man recht weit ins Land bli­cken kann — am liebs­ten allein. Wei­ter­le­sen!

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