14. November 1941

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Frei­tag, am 14. Novem­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Gelieb­ter!!!

Grim­mig kalt ist es heu­te drau­ßen, die Fens­ter sind bis oben­hin gefro­ren, huh! Es gru­selt einem, wenn man nur hin­sieht. Ich sit­ze im War­men, die Füße, die ewig kal­ten, auf einem hei­ßen Zie­gel­stein! Ein Känn­chen hei­ßen Hus­ten­tee in der Ofen­röh­re, da kann ich extra von innen noch ein­hei­zen.

Ich habe ges­tern noch­mal gedämpft und bin dann nach 2 Stun­den schla­fen gegan­gen. Heu­te früh um 4 Uhr war ich schon wach, ich hat­te von Dir geträumt, weiß aber nicht mehr, was es war. Ich war so auf­ge­regt, daß ich auch nicht mehr ein­schla­fen konn­te. Wei­ter­le­sen!

12. November 1942

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[Salo­ni­ki] Mitt­woch, 12. Nov.[ember] 1941

Her­zens­schät­ze­lein! Mein lie­bes, teu­res Weib!

Wie mag es Dir heu­te erge­hen? Ich mach[‘] mir nun doch ein wenig Sor­ge. Woher hast Du nur die­se böse Erkäl­tung? Das übels­te ist der Hus­ten. Den mußt Du Dir bald­mög­lich vom Hal­se schaf­fen! Daß er Dich so quält. Ganz fein im Stüb­chen blei­ben, Herz­lieb, und der Gesund­heit zulie­be alles rücksichtslos bei­sei­te­schie­ben! Du kannst es Dir noch leis­ten. Wei­ter­le­sen!

16. August 1941

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Sonn­abend, am 16. August 1941.

Gelieb­ter!! Mein lie­ber, guter [Roland]! Herz­al­ler­liebs­ter!!

Die Glo­cken läu­ten den Sonn­tag ein – es ist 6 Uhr abends. Und jetzt erst bin ich soweit, Dein zu den­ken. Ach, das war wie­der ein aus­ge­füll­ter Tag heu­te. Mor­gens um 6 [Uhr] bin ich raus aus den Federn. Ich schla­fe jetzt gleich mit im Eltern­schlaf­zim­mer, wenn Vater Nacht­dienst hat; da wer­de ich wenigs­tens mor­gens um 600 [Uhr] wach wenn er heim­kommt. In mei­nem Käm­mer­le höre ich nichts – da schla­fe ich wie ein Mur­mel­tier! Und so ich auch Mutsch abends auf­tra­ge, mich zu wecken um 600 [Uhr] – sie denkt nicht dar­an! Es tut ihr leid, meint sie, weil ich immer so schön schlie­fe! Dar­über habe ich mäch­ti­ge Wut!! Wei­ter­le­sen!

27. Januar 1941

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Mon­tag, am 27. Janu­ar 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mei­ne lie­ber, lie­ber [Roland]!! Gelieb­ter Du!!

Heu­te ist es wie­der grim­mig kalt drau­ßen, alles ist hart gefro­ren, auch die Fens­ter sind zu bis oben­hin. Aber – die lie­be Son­ne scheint, Du! So hell! Und so blau ist der Him­mel! Wun­der­schön ists [sic: ist es] drau­ßen. Wenn ich jeman­den hät­te an des­sen war­mer lie­ber Sei­te, in des­sen schüt­zen­den Arm ich mich kuscheln könn­te, Du! Ich gin­ge an die­sem herr­li­chen Nach­mit­tag wahr­haf­tig spa­zie­ren! Aber so allein – Du!! da ist mir’s doch zu kalt, trotz… bloß drau­ßen!!! Du! Wei­ter­le­sen!

13. Dezember 1940

Win­ter­land­schaft Alp­spit­ze um 1930, Foto Samm­lung J. Mei­er­hö­fer, lizen­ziert unter CC-BY-SA-2.0-de über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

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Frei­tag, am 13. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein [Roland]!! Mein lie­ber, guter [Roland], Du!!

Ein Tag folgt dem ander[e]n; gleich grau, gleich trü­be sind sie jetzt immer. Flo­cken fal­len, laut­los  Tag und Nacht. Sie decken alles zu, bede­cken die nack­te, frie­ren­de Erde mit ihrer war­men Hül­le. So fei­er­lich sieht es drau­ßen aus jetzt und beson­ders abends, wenn man ein­sam geht drau­ßen, da spürt man das Fei­er­li­che ganz deut­lich, das in die­ser Stil­le liegt  und in die­ser wei­ßen Pracht. Wei­ter­le­sen!