09. Dezember 1941

[411209–1-1]

[Salo­ni­ki] Diens­tag, den 9. Dez[ember]. 1941

Gelieb­tes, teu­res Herz! Her­zens­schät­ze­lein! Mei­ne [Hil­de]!

Gereg­net hat es heu­te am Nach­mit­tag. Gegen 6 Uhr erhob sich ein böi­ger Wind. Wir aber sit­zen in der war­men Stu­be, fried­lich, gemüt­lich. Alle drei lie­ben wir es warm. Und ich fühl­te mich ganz wohl – wenn die Kame­ra­den nicht wie­der mit ihrer blöd­sin­ni­gen, lei­di­gen Rau­che­rei anfin­gen. Wei­ter­le­sen!

16. Oktober 1940

Bundesarchiv RM 25 Bild-62, Flugzeugträger "Graf Zeppelin", Bau.jpg
Flug­zeug­trä­ger “Graf Zep­pe­lin”, Bau, Kiel, 21.6.1940. DBa RM 25 Bild-62 / CC-BY-SA 3.0. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

[401016–2-1]

Mitt­woch, am 16. Okto­ber 1940 in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein gelieb­ter, guter [Roland]!

Ges­tern setz­te die Post aus und heu­te bekam ich dafür gleich zwei Brie­fe! Du, wie schön, [Roland]! Ich dan­ke Dir aus gan­zem Her­zen dafür. Die vie­len schö­nen Bil­der von Kiel!, nun schi­cke mir noch die Bahn­hofs­hal­le, die Stra­ßen­bil­der bis her­aus zu Dei­ner Kaser­ne und dann brauchst mich gar­nicht [sic] erst abzu­ho­len, wenn ich zu Besuch kom­me! Wei­ter­le­sen!

13. Oktober 1940

Bundesarchiv Bild 101I-058-1760-26A, Frankreich, deutsche Besatzung.jpg
Alko­hol trin­ken als Maß­stab für Geschlech­ter­rol­len? Hier ein Wehr­macht­sol­dat mit einer Fran­zö­sin, 08.1940, Foto Har­ren, DBa, Bild 101I-058‑1760-26A / Har­ren / CC-BY-SA 3.0., lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

[401013–1-2]

Sonn­tag den 13. Okto­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Ruhe­tag ist nun Heu­te. Ein Teil uns[e]rer Beleg­schaft ist wie­der aus­ge­flo­gen, die meis­ten nach Kiel. Nun wird es erst gemüt­lich in der Bude. Viel Platz ist an der lan­gen Tafel. Stil­le ist. Jeder ist mit sich beschäf­tigt. Im Ofen brum­melt das Feu­er. Der Him­mel ist ver­han­gen, ein wenig fri­scher ist es als Ges­tern. Mit­tag ist vor­bei. Eben war ich drü­ben zum Post­emp­fang. Ich war so voll Erwar­tung. Dein Bote kommt so unre­gel­mä­ßig jetzt, Herz­lie­bes! Ges­tern kam er nicht. Viel­leicht kommt er heu­te abend. Ich könn­te mich ein wenig nie­der­le­gen, aber ich bin nicht müde heu­te, habe nach der anstren­gen­den Stadt­rei­se gut geschla­fen. Und nun weiß ich nichts Bes­se­res, als mit Dir zu plau­schen, Hol­de! Ich habe Schreib­schul­den nach ver­schie­de­nen Sei­ten, ich mag nur mit Dir plau­dern, Du! Ein wenig klingt das Stadt­er­leb­nis noch in mir nach. Men­schen in Zivil, so viel bei­sam­men! Noch nicht lan­ge, gehör­te ich zu ihnen, zu den glück­li­chen. Und ich so fremd und ver­las­sen unter ihnen. Du, die Sehn­sucht nach Dir, Gelieb­te, ist nun so mäch­tig in mir! Gelieb­te! Hol­de! Mei­ne lie­be [Hil­de]! Wenn nur erst Dein lie­ber Bote wie­der kommt! Ach Du! Jetzt stre­cke ich mich doch erst ein Stünd­chen auf mein Lager. Dein Bild will ich betrach­ten, in Dei­nen Brie­fen will ich lesen und dann will ich hier hin­über träu­men zu Dir, Gelieb­te, an Dein Herz, in Dei­ne Hol­de, bese­li­gen­de Nähe! Du! Du! – Wei­ter­le­sen!

17. September 1940

The Battle of the Atlantic, 1939-1945 CH1354.jpg
Der Roy­al Navy Zer­stö­rer HMS ANTHONY ret­tet Über­le­ben­de von einem Ret­tungs­boot des SS CITY OF BENARES, das am 17. Sep­tem­ber 1940, getrof­fen von einem deut­schen Mari­ne-U-Boot, sank. Das Schiff hat­te Kin­der von Eng­land nach Kana­da eva­ku­ie­ren wol­len. Impe­ri­al War Muse­um Foto CH1354 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

[400917–1-1]

Diens­tag am 17. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, Du, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Habe ich mich schon für den Sonn­tags­gruß bedankt? Es ist der schöns­te Augen­blick des Tages, wenn die Post ver­teilt wird, und man ist selbst glück­li­cher Emp­fän­ger. Ges­tern Mon­tag überraschte[n] und erfreu­ten mich die Zei­len Dei­ner lie­ben Mut­ter. Sage Ihr [sic] und Pappsch vie­len herz­li­chen Dank. Jetzt ist Mit­tags­pau­se. Ich lie­ge auf mei­nem Bet­te und schrei­be. Wei­ter­le­sen!

13. September 1940

Italiansoldierlibya.JPG
In der Woche vom 9. bis 16. Sep­tem­ber 1940 fand die ita­lie­ni­sche Inva­si­on Ägyp­tens statt. Bild: Ein ita­lie­ni­scher Sol­dat posiert für ein Erin­ne­rungs­pho­to neben einem Feld­ge­schütz, Nord­afri­ka 1940. Autor Gaúcho über Wiki­pe­dia 09.2015

[400913–1-1]

Frei­tag­abend, den 13. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Zum See­manns­wo­chen­en­de noch ein paar Zei­len. Die­se Woche ist schnell ver­gan­gen und schon ste­hen wir am Ende der ers­ten Hälf­te uns[e]rer Rekru­ten­zeit. Heu­te setz­te auch der ers­te Unter­richt ein, der uns auf uns[e]re künf­ti­ge Schreib­ar­beit vor­be­rei­ten soll. Ich kann mir von unse­rem Wir­kungs­be­reich noch kei­nen rech­ten Begriff machen, aber in 8 Tagen wer­den wir kla­rer sehen. Daß ich mich hin­ein­fin­de, dar­um ist mir nicht ban­ge. Mei­ne Mili­tär­zeit hat mir einen klei­nen Vor­ge­schmack gege­ben. Wei­ter­le­sen!