23. Juni 1942

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K., am 23. Juni 1942

Herza­ller­lieb­ster! Mein geliebtes, treues Herz! Mein lieb­ster [Roland!]

Nun ist schon Dien­stag und heute kann aber kom­men was will, ich schreibe Dir, Du mein liebes Herzelein! Prachtvolles Wet­ter ist, seit ich hier bin, daran habe ich meine Freude; denn ich kann doch faulen­zen Her­zlieb! Ein­mal die Sonne genießen von früh bis abends! Ja, denke Dir nur, da bin ich doch schon nebe­nan bei S.s in der Ern­te­hil­fe tätig. Siegfried auch mit. Heuernte ist’s! Weit­er­lesen!

08. Mai 1942

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Joseph Rupert Rudolf Marx, öster­re­ichis­ch­er Kom­pon­ist, Pianist, Musikpäd­a­goge und Kri­tik­er, 1903. Lizen­zfrei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.

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85.

Fre­itag, am 8. Mai 1942.

Herzenss­chätzelein! Mein geliebtes, aller­lieb­stes Herzelein! Du!!

Es ist Abend gewor­den über den Pflicht­en des Tages. Nun rückt der Zeiger der Uhr auf 900, ich kann nun Feier­abend hal­ten, Her­zlieb! Mit Dir!! Mit Dir allein ist es doch erst rechter Feier­abend, Du! Im Rund­funk erklingt ein schönes Sym­phoniekonz­ert aus Wien, ich mag nicht abschal­ten, ehe es zu Ende ist. Diese Musik ist dem Ohr eine richtige Labe nach dem Gedudel tagsüber, seit nahezu ein­er vollen Woche hört man nichts als Früh­lingsmusik, was für welche! Weit­er­lesen!

18. Oktober 1941

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[Saloni­ki] Sonnabend, den 18. Okto­ber 1941

Mein liebes, teures Herz! Herzenss­chätzelein, Holde mein!

Der Gedanke vom Schei­dewege beschäftigt mich noch. Mit mir kennst Du einen, der so deut­lich und sym­bol­haft ist, wie nur ein­er im Märchen. „Der Weg zur Recht­en? Nein. – Der Weg der Mitte? Nein. – Der Weg zur Linken führt Dich zum Glück!“ Über das Nein war ich mir im Klaren. Aber die Möglichkeit des Glück­es uns[e]rer Liebe, die erkan­nte ich nicht. Weit­er­lesen!

8. Oktober 1941

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Mittwoch, am 8. Okto­ber 1941.

Herzenss­chätzelein! Geliebter! Mein lieber, guter [Roland]!

Ich sitze jet­zt wieder am Tis­che, vor meinem lieben Papi­er, das mir so geduldig stille hält jeden Tag. Es wird gle­ich 2 Uhr mit­tags sein. Obwohl noch viel­er­lei Beschäf­ti­gung wartet, ich muß mich erst zu Dir set­zen, Her­zlieb! Die stille Mit­tagsstunde ist mir die lieb­ste Zeit dazu, da bin ich ganz allein mit Dir und meinen Gedanken. Die Mutsch ist fort. Vater schläft noch, wenn er Nachtdiens[t] hat. Und auch unten auf der Straße ist es, als halte alles ein Stünd­chen den Atem an – es kom­men wenig Leute, wenig lär­mende Kinder, die Wagen fahren sel­ten um diese Zeit. Weit­erlsesen!

29. Juni 1941

Bundesarchiv Bild 183-L19427, Litauen, brennende Synagoge
Als bald nach dem Ein­marsch der deutschen Wehrma­cht in Litauen Mitte Juni 1941 kam es zu anti-jüdis­chen Pogromen durch nation­al­pa­tri­o­tis­che Litauer, wie etwa in Kau­nas. Hier das Abbren­nen ein­er Syn­a­goge, 06.1941, Litauen, Ort unbekan­nt, Fotograf Zoll, Pro­pa­gan­dakom­panie, für Scherl-Bilder­di­enst, geme­in­frei als Bun­de­sarchiv, Bild 183-L19427 / Zoll / CC-BY-SA 3.0, 06.2016.
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G. – Son­ntag, am 29. Juni 1941.

Mein lieber [Roland]!

Es ist Son­ntag­mor­gen – Vater [Nord­hoff] ist eben von der Post gekom­men, die muß man son­ntags hier selb­st abholen. Für mich war nichts dabei, gestern bekam ich auch nichts in S., aber mor­gen kommt ganz gewiß wieder etwas von Dir – Du!! Elfriede  hat vom Hell­muth eine Karte im Brief bekom­men, mit nur [wen]igen Zeilen. „Ich bin mit Gottes Hil­fe gut durch diese Tage gekom­men, – wenig Schlaf gibt es und läßt mir so alles traumhaft scheinen..“.. [sic] Weit­er­lesen!