4. Juli 1941

T&Savatar[410704–1-2]

Frei­tag, den 4. Juli 1941

Mein lie­ber Her­zens­schatz, Du! Gelieb­te, Hol­de mein!

Mein, Du bist ges­tern Abend auch so müde gewe­sen wie ich. Um 9 Uhr habe ich mich schla­fen gelegt, die Augen woll­ten eben nim­mer offen blei­ben. Vor­ges­tern eine unru­hi­ge Gewit­ter­nacht mit leb­haf­ter Wan­zen­tä­tig­keit, ver­gan­ge­ne Nacht auf dem har­ten Tisch gele­gen – es ist also kein Wun­der. Dafür habe ich mich nun heu­te in der früh [sic] etwas zei­ti­ger auf­ge­macht, damit mein Herz­lieb sei­nen Boten bekommt. Wenn ich raten soll, ist es heu­te auch schon auf­ge­stan­den – Abschied von der Som­mer­fri­sche? Ach, der ist nicht leicht, wenn es einem recht gefal­len hat – das lei­di­ge Kof­fer­pa­cken. Spä­ter, Lie­bes, besor­gen wir das zusam­men, und da soll es uns nicht so schwer fal­len. Wei­ter­le­sen!

29. Juni 1941

Bundesarchiv Bild 183-L19427, Litauen, brennende Synagoge
Als bald nach dem Ein­marsch der deut­schen Wehr­macht in Litau­en Mit­te Juni 1941 kam es zu anti-jüdi­schen Pogro­men durch natio­nal­pa­trio­ti­sche Litau­er, wie etwa in Kau­nas. Hier das Abbren­nen einer Syn­ago­ge, 06.1941, Litau­en, Ort unbe­kannt, Foto­graf Zoll, Pro­pa­gan­da­kom­pa­nie, für Scherl-Bil­der­dienst, gemein­frei als Bun­des­ar­chiv, Bild 183-L19427 / Zoll / CC-BY-SA 3.0, 06.2016.
[410629–2-1]

G. – Sonn­tag, am 29. Juni 1941.

Mein lie­ber [Roland]!

Es ist Sonn­tag­mor­gen – Vater [Nord­hoff] ist eben von der Post gekom­men, die muß man sonn­tags hier selbst abho­len. Für mich war nichts dabei, ges­tern bekam ich auch nichts in S., aber mor­gen kommt ganz gewiß wie­der etwas von Dir – Du!! Elfrie­de  hat vom Hell­muth eine Kar­te im Brief bekom­men, mit nur [wen]igen Zei­len. „Ich bin mit Got­tes Hil­fe gut durch die­se Tage gekom­men, – wenig Schlaf gibt es und läßt mir so alles traum­haft schei­nen..“.. [sic] Wei­ter­le­sen!

25. Juni 1941*

[410625–2-1* Feld­post­sper­re, die zu Ver­zö­ge­run­gen viel­leicht führ­te]

S. – Mitt­woch, am 25. Juni 41.

Mein Herz­lieb! Du mein lie­ber, guter [Roland]! Du!! Du!!!

Das war ges­tern ein beweg­ter Tag, sodaß ich gar­nicht dazu kam Dir zu schrei­ben. Aber Dein gedacht habe ich umso mehr, Herz­lieb!! Früh­mor­gens ½ 8 bin ich raus aus den Federn, das heu­len der Dampf­schiffsi­re­nen hat­te ich mun­ter gemacht. Schnell mach­te ich mich fer­tig zum Aus­ge­hen, ich woll­te Bröt­chen holen und Brot bei P.s vorn. Und Frau S. drück­te mir den Milch­krug in die Hand. Na schön. So bin ich los, Dei­nen Weg, Herz­lieb an der Elbe lang. Wei­ter­le­sen!

25. Juni 1941*

[410625–1-1* Feld­post­sper­re, die zu Ver­zö­ge­run­gen viel­leicht führ­te]

Mitt­woch, den 25. Juni 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Gelieb­te, Hol­de mein!

Nun bin ich auf den nächs­ten Boten doch wirk­lich gespannt. Du, Post­sper­re ist für Dich! Du!! Herz­lieb! Hof­fent­lich nicht zu lan­ge! – wer nun in der Som­mer­fri­sche wirk­lich gelan­det ist! [Du] Schreibst mir heu­te, wie­viel Not Du nun hast mit Pappsch und Mutsch. Ein wenig kenn[‘] auch ich den Schmerz. Froh ent­schlos­sen und begeis­tert sind wir Jun­gen – unschlüs­sig und zögernd die Alten. Wei­ter­le­sen!

23. Juni 1941

[410623–2-1]

S., Mon­tag, am 23. Juni 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein lie­ber, guter [Roland]! Du!!!

Es ist jetzt mit­tags nach 2 Uhr, wir haben uns vor­hin kugel­rund und satt geges­sen, es gab Schweins­ko­te­letts mit Sauer­kraut, Kar­tof­feln und Zitro­nen­kalt­scha­le, Herz­lieb! Sag? Bekommt Ihr da auch mal Kalt­scha­le oder ähn­li­ches? Ges­tern aßen wir Gulasch mit Kom­pott, weil die gefüll­te Kalbs­brust, auf die wir’s abgeseh[e]n hat­ten, aus­ver­kauft war. Wei­ter­le­sen!