10. September 1938

[380910–1‑1]

9.9.38

L. am 10. Sept. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Da es nun herbs­tet, den­ke ich mit eini­ger Sehn­sucht an O. zurück. Ich lieb­te es, von der K. oder M. oder von der E. über das wei­te, däm­mern­de Land zu sehen, wie es im Dunst und im Rauch der Kar­tof­fel­feu­er am Hori­zont mit dem Him­mel in eins ver­schmolz in ein ufer­lo­ses, schwer­mü­ti­ges Grau, vor dem sich ein­zel­ne Pap­peln schwarz und düs­ter abzeich­ne­ten. Beim B. in die­ses Grau konn­te ich still und wunsch­los wer­den und mich ver­lie­ren. Wie eigen­ar­tig, wenn ich mich dann, heim­keh­rend, wie­der­fand in dem fro­hen Men­schen­ge­wim­mel der H.straße, ganz ein­sam mit­ten in der Men­ge. Man kann so ein­sam sein in der gro­ßen Stadt, mehr als auf dem Dorf. Ufer­los und so unend­lich weit und fein wie Herbst­däm­me­rung sind uns[e]re Wün­sche und Sehn­süch­te. Und wenn sie alle erfüllt wür­den — es blie­be ein Rest — uner­füll­bar. Und es bleibt zwi­schen Men­schen ein Rest des Nicht­ver­ste­hens, sie mö[ge]n sich noch so gut ver­ste­hen, ganz am Ende steht jeder allein. Das ist eine Tat­sa­che, der man ins Auge sehen muß. Ich möch­te mit Ihnen in die­se Däm­me­rung schau­en, wort­los ste­hen und schau­en und mich ver­lie­ren und es emp­fin­den, zwei See­len ver­lie­ren sich jetzt in der ufer­lo­sen Fer­ne — und dann Ihre Hand fas­sen, um es froh zu füh­len, daß ich noch dabin, nicht ganz allein. Es ist der Herbst[,] eine erns­te Zeit, ich lie­be ihn. Wei­ter­le­sen!

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30. Juni 1938

T&Savatar[380630–1‑1]

28.6.38

L. am 30. Juni 1938.

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Zunächst bestä­ti­ge ich dan­kend den Emp­fang des Schrei­bens Ihrer Eltern. Ich wuß­te, es daß es für Sie einen schwe­ren Schritt bedeu­te­te, und es tut mir leid, daß Sie in Ängs­ten waren; aber es muß­te sein.— Ich schrei­be Ihnen heu­te, wie ich zur Eben­bür­tig­keit den­ke. Wei­ter­le­sen!

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5. Juni 1938

Chor beim Ausflug, vor dem Briefwechsel etwa 1937 oder 1938; Vollbild siehe: http://www.tonkuhle.de/news/21559-trug-und-schein-ein-briefwechsel.html
Chor beim Aus­flug, vor dem Brief­wech­sel etwa 1937 oder 1938; Voll­bild sie­he: http://www.tonkuhle.de/news/21559-trug-und-schein-ein-briefwechsel.html

[380605–2‑1]

3.6.38

O., am 5. Juni 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Son­nen­hell und klar brach heu­te der Pfingst­mor­gen an, ein Wet­ter, wie es wohl schö­ner nicht zu wün­schen ist. Ich freue mich ja so für Sie; denn nun kann ja Ihre kur­ze Urlaubs­zeit erst die rech­te Erho­lung sein.

In der Kir­che hat mir[‘]s heu­te wun­der­schön gefal­len — der Altar­platz und die Kan­zel waren geschmückt mit jun­gem Grün und die Son­ne schien her­ein auf all die Men­schen, die gekom­men waren, Got­tes Wort zu hören. Das eigen­ar­tig Schö­ne aber war, daß ich Sie heu­te zum ers­ten Male in der Kir­che so ganz nahe bei mir fühl­te — und beson­ders dann, wenn Herr Kan­tor die Orgel spiel­te. Erst lei­se, ver­hal­ten — dann immer jubeln­der und jauch­zen­der, daß man glaubt, die Töne fin­den schier kei­nen Raum mehr. Dann sah ich in Gedan­ken Sie an sei­ner Stel­le sit­zen. Und ich muß Ihnen anver­trau­en, was ich schon so lan­ge wünsch­te: Ich möch­te ein­mal still zuhö­ren dür­fen, w[en]n Sie so von gan­zer See­le spie­len — ich lie­be Orgel­mu­sik sehr.  Wei­ter­le­sen!

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20. Mai 1938

T&Savatar[380520–2‑1]

O., am 20. Mai 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Es sind nun drei Tage ver­gan­gen, nach­dem mich Ihre so lie­ben Zei­len erreich­ten. Las­sen Sie mich Ihnen hier­durch mei­nen herz­lichs­ten Dank sagen für das Ver­trau­en, das Sie mir schen­ken. Ich wer­de es zu schät­zen wis­sen. Wei­ter­le­sen!

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