11. Dezember 1941

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Don­ners­tag, am 11. Dezem­ber 1941.

Mein Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein Her­ze­lein!

Ich bin allein heu­te. Erst am Abend um 6 [Uhr] kommt Vater heim. Und ich habe mir heu­te vor­ge­nom­men, ganz nur für Dich da zu sein. [Du] Mußt Dich nicht wun­dern, Herz­lieb, wenn der Bote des­halb nicht dicker aus­fällt! Man muß ja nicht alles Geschrie­be­ne auf ein­mal abschi­cken, gelt?! Ach Du! Am liebs­ten käme ich doch selbst ein­mal zu Dir. Heu­te Nacht muß­te ich Dich sooo lieb­ha­ben, Her­ze­lein! Ach Du!!! [Du] Bist mir im Trau­me erschie­nen, ganz nahe, sooo nahe! Wei­ter­le­sen!

8. Oktober 1941

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Mitt­woch, am 8. Okto­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Ich sit­ze jetzt wie­der am Tische, vor mei­nem lie­ben Papier, das mir so gedul­dig stil­le hält jeden Tag. Es wird gleich 2 Uhr mit­tags sein. Obwohl noch vie­ler­lei Beschäf­ti­gung war­tet, ich muß mich erst zu Dir set­zen, Herz­lieb! Die stil­le Mit­tags­stun­de ist mir die liebs­te Zeit dazu, da bin ich ganz allein mit Dir und mei­nen Gedan­ken. Die Mutsch ist fort. Vater schläft noch, wenn er Nachtdiens[t] hat. Und auch unten auf der Stra­ße ist es, als hal­te alles ein Stünd­chen den Atem an – es kom­men wenig Leu­te, wenig lär­men­de Kin­der, die Wagen fah­ren sel­ten um die­se Zeit. Wei­terl­se­sen!

16. Juni 1941

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Mon­tag, den 16. Juni 1941

Mein lie­bes, teu­res Weib! Herz­lieb! [Hilde]lieb! Hol­de mein!

Eigent­lich ist es schon Diens­tag, da ich Dir schrei­be – zu ganz unge­wöhn­li­cher Stun­de, früh­mor­gens um 2 Uhr. Darf ich gar nicht so laut mit Dir plau­dern, damit die Stil­le der Nacht nicht ver­letzt wird. Ach Gelieb­te!!!!! Haben wir schon mit­ein­an­der geplau­dert so tief in der stil­len Nacht? Du!!! Gelieb­te!! Ja, Du!!!!! !!!!! !!! Hubo muß heu­te eine Stra­fe absit­zen. Wei­ter­le­sen!

07. Juni 1941

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Sonn­abend, am 7. Juni 1941.

Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Du mein lie­ber, guter [Roland]!!

Herz­lieb Du!! Wochen­en­de ist heu­te, zur Abwechs­lung wie­der ein­mal trü­be und kühl, es tut rich­tig wohl nach den hei­ßen Tagen. Wie sehr ich trotz mei­nes fort­wäh­ren­den Wär­me­be­dürf­nis­ses doch ein rech­tes Schat­ten­pflänz­chen bin, das spü­re ich hier wie­der ein­mal ganz deut­lich. Gar so viel Son­ne mag ich nicht. Man ist so müde, abge­spannt, so lust­los an so hei­ßen Tagen – und das kann ich an mir gar­nicht lei­den. Heu­te war ich wie­der rich­tig mun­ter – ich mag die Küh­le doch recht gern. Aber Du!! Die Küh­le bei mei­nem Man­ner­li, ich glaub´ – die hät­te ich nicht so ger­ne – Du!!! Oh Du!! Du!! Die wür­de mir weh tun, so bit­ter weh, Gelieb­ter!! Aber Du!! Herz­lieb!! Muß ich sie denn fürch­ten, die Küh­le von Dir? Nein!!! Nein!!! Ich glaub’ es nie und nim­mer! Du!!! Wei­ter­le­sen!

06. Juni 1941

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Frei­tag, am 6. Juni 1941.

Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Du mein lie­ber, guter [Roland]!!

Puh – ist das wie­der eine Hit­ze heu­te!!

Ich habe mich eben von Kopf bis zu Fuß [sic] kalt abge­wa­schen und frisch ange­zo­gen – trotz­dem ist mir noch heiß. Neben mir auf dem Tische steht ein Krug voll But­ter­milch, bald wird er nicht mehr voll sein! Wie war es doch gleich? Mein Dicker­le mag kei­ne?! Kann ich sie immer ganz allein trin­ken! Wei­ter­le­sen!