16. April 1941

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Mitt­woch, am 16. April 1941.

Mein gelieb­tes Herz! Du mein lie­ber, guter [Roland]! Herz­lieb mein!!

Gelieb­ter! 3 lie­be Boten bekam ich heu­te von Dir! Ich bin ja soo [sic] glück­lich und voll Freu­de dar­um, Du! Ich dan­ke Dir recht lieb!! Und auch ein Bild von mei­nem Herz­lieb ist dabei! Es gefällt mir ja ganz sehr, Du! Möch­te am liebs­ten zu Dir hin­tre­ten wie Du so in der Ecke sitzt, ganz ver­sun­ken, schrei­bend, und Dein Köpf­chen hoch­he­ben, und einen ganz, ganz lie­ben Kuß Dir schen­ken! Ich muß Dich ganz sehr lieb­ha­ben, so wie ich Dich auf die­sem Bil­de sehe! Ach, wenn ich nur erst all die Nega­ti­ve da hät­te! Ich freue mich dar­auf, mei­nen Hubo in alle mög­li­chen Stel­lun­gen zu sehen! Wei­ter­le­sen!

10. April 1941

Bundesarchiv Bild 183-L22515, Griechenland, Parthenon, Deutsche Soldaten
Grie­chen­land: Deut­sche Sol­da­ten besich­ti­gen den Par­the­non, Athen, April 1941. Foto­graf Dick, All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst — Zen­tral­bild, gemein­frei über Bun­des­ar­chiv, Bild 183-L22515 / CC-BY-SA 3.0, 04.2016.
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Don­ners­tag, d. 10. April 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Mor­gen ist Kar­frei­tag. Fei­er­abend ist, [es ist] gegen 5 Uhr am Nach­mit­tag. Ich sit­ze in der Schreib­stu­be, im geheiz­ten Zim­mer. Kalt ist es seit 2 Tagen. Es hat ein wenig gereg­net, der Wind weht aus Wes­ten. Es ist sehr frisch. Aber nun sind die Bäu­me grün, die Blät­ter kön­nen nicht mehr in ihre Hül­len zurück­krie­chen. Ich bin jetzt 2 Tage nicht mehr aus dem Bau gekom­men. Es macht kei­ne Freu­de bei die­sem Wet­ter. Uns[e]re Lewa sind fast alle – und es ist unge­wiß, ob wir davon noch ein­mal nachbgekom­men [sic]. Wei­ter­le­sen!

04. April 1941

StateLibQld 1 169627 Voltaire (ship).jpg
Der bri­ti­sche Frach­ter Vol­taire wur­de am 4. April 1941 vom deut­schen Hilfs­kreu­zer Thor vor den Kap­ver­den ver­senkt. Hier, wie im gesam­ten See­krieg, fie­len zahl­rei­che Tote. Foto­graf unbe­kannt, archi­viert in der John Oxley Libra­ry, Sta­te Libra­ry of Queens­land, lizenz­frei über https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14509208, 04.2016.

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Frei­tag, den 4. April 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­lieb! Gelieb­te mein!!

April schrei­ben wir. Dein Geburts­tags­mo­nat, die­ser när­ri­sche. Aber doch auch Oster­mo­nat und Früh­lings­brin­ger.

Ach, viel zag­haf­ter, lei­ser und fei­ner setzt er an in der Hei­mat! Viel län­ger läßt er auf sich war­ten – des­to fro­her begrü­ßen wir ihn dann. Ohne gro­ßes Auf­se­hen, ohne Umstän­de blüht hier alles drauf­los: Pfir­si­che, Kir­schen, Äpfel, Bir­nen, Flie­der – in die­ser Fül­le ach­tet man kaum dank­bar das ein­zel­ne. Die­se April­ta­ge mit som­mer­li­cher Wär­me am Mit­tag und mit den war­men Aben­den, die bei uns selbst im Som­mer sel­ten sind, sie bie­ten sich hier ver­schwen­de­risch dar. Und noch ein ande­res: das herr­li­che, viel­stim­mig jauch­zen­de Kon­zert der Vögel in der Frü­he, es ist hier nicht. Nur Hah­nen­krä­hen und Sper­lings­ge­zänk. Klei­nig­kei­ten – viel­leicht – und doch Wesens­un­ter­schie­de, die bei Natur und Mensch man­cher­lei Par­al­lelerschei­nun­gen haben. Deutsch­lands Raum ist bekannt dafür, daß in ihm die Jah­res­zei­ten am deut­lichs­ten aus­ge­prägt sich abspie­len. Frank­reich hat kei­nen so rech­ten Win­ter, der Nor­den kei­nen rich­ti­gen Som­mer, der Osten weni­ger aus­ge­präg­te Über­gangs­jah­res­zei­ten und gar nicht die Natur, an der sie in Erschei­nung tre­ten könn­ten. Wei­ter­le­sen!

31. März 1941

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Mon­tag, am 31. März 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Gelieb­tes Herz! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!

Den letz­ten Tag im März erle­ben wir heu­te. Man müß­te mei­nen, nun sei wahr­haf­tig Früh­ling. Ach je – davon[,] scheint mir, sind wir weit ent­fernt. Seit heu­te nacht schneit es, was nur vom Him­mel her­un­ter­kam! So viel Schnee liegt bereits wie­der, daß man war­ten muß. Alle Leu­te schimp­fen: heu­er brau­chen wir die Schnee­schip­pe gar­nicht [sic] fort zu räu­men. Und wäh­rend ich jetzt hier über Dei­nem Boten sit­ze, schneit es unaufhalt­sam wei­ter. Die armen Vögel, nun müs­sen sie wie­der paar Tage hun­gern. Was wer­den sie groß fin­den außer dem bis­sel [sic: biss­chen] Pfer­de­ab­fall. Und der Bau­er wird sor­gen­voll nach die­sem Wet­ter schau­en. [Du] Weißt, ich den­ke mir, wenn man dem Bau­er so nach und nach alles weg­nimmt, dann schert er sich kei­nen Pfif­fer­ling um Wet­ter und Ern­te. Alle Abga­ben der Erzeug­nis­se sind ihm vor­ge­schrie­ben, er hat nur zu tun, daß er das alles genau erfüllt – einen per­sön­li­chen Gewinn hat er nicht mehr. Na – dar­um will ich mir hier nicht wei­ter den Kopf zer­bre­chen. Man ver­folgt nur mit Stau­nen die lau­fen­den Neu­maß­nah­men, die gegen ihn erlas­sen wer­den. Wei­ter­le­sen!

25. März 1941

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Sonn­tag, den 23. März 1941.

Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]! Gelieb­te, Herz­al­ler­liebs­te mein!!

Sonn­tag­vor­mit­tag ist. Wir fah­ren noch immer. Wei­ter, wei­ter auf der Haupt­bahn auf die Stadt zu im Rei­che der Mär­chen von 1000 und 1 Nacht. Fei­er­täg­lich ist die Natur: eine brei­te Ebe­ne mit grü­nen­den Wei­den, im Hin­ter­grun­de meh­re­re Kulis­sen von Höhen­zü­gen, die nie­de­ren im Vor­der­grun­de gras­be­deckt braun, die hin­te­ren schon in blau über­ge­hend bis zu den schnee­be­deck­ten Gip­feln. Es ist trü­be und noch immer kühl. Wei­ter­le­sen!