18. Oktober 1940

Mussolini mezzobusto
Ita­lie­ni­scher Dik­ta­tur Beni­to Mus­so­li­ni ent­schei­det am 15. Okto­ber 1940 Grie­chen­land von Alba­ni­en aus zu erobern, um sein Impe­ri­um zu erwei­tern und sei­ne Unab­hän­gig­keit Hit­ler gegen­über kund­zu­ge­ben. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
[401018–2‑1]

Frei­tag, am 18. Okto­ber 1940 in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein glieb­ter, guter [Roland], Du!

Wel­che gro­ße Freu­de Du! 2 Brie­fe und auch 2 Bil­der! Nun scheint die lie­be Son­ne noch ein­mal so hell mein Roland! Einen recht lie­ben, lan­gen Kuß dafür, Du! Das soll einst­wei­len mein Dank sein. Aber Du! Wenn ich erst bei Dir bin!! Alle Dei­ne Schuld­ver­schrei­bun­gen habe ich genau im Kop­fe — nichts, nichts bleibt Dir erspart! Wei­ter­le­sen!

15. September 1940

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

[400915–2‑1]

1. [sie­he Bild]

Sonn­tag, am 15. Sep­tem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Heu­te, an die­sem trau­ri­gen Regen­sonn­tag kam Dein lie­ber Brief recht wie ein Son­nen­strahl zu mir, Liebs­ter! Sei recht sehr bedankt dafür. Sag, — das liegt mir eben ganz oben­auf — habe ich denn mit gar kei­nem Wort erwähnt, daß ich Dei­nen lie­ben Dank­brief für das Päck­chen erhal­ten habe? Das will mir doch gar nicht in demn Sinn, wo ich mich gera­de über die­sen Brief so sehr gefreut habe, weil Du so voll Dank warst über die Klei­nig­kei­ten, die ich Dir schick­te. Und ich fand auch noch die klei­ne [Ges]chichte so köst­lich, die im besag­ten Brie­fe stand, vom Kame­ra­den, der Dich so foppt über die dün­nen Brie­fe, die zuerst anka­men, statt der erwar­te­te ‘Dicke’ [sic]! Wei­ter­le­sen!

20. Dezember 1938

[381220–1‑1]

L. am 20. Dez. 1938.

Lie­be [Hil­de]!

Nun ist Weih­nach­ten her­an. Als Kin­der haben wir uns eigent­lich nur dar­auf gefreut, auf die­se freud­vol­le, geheim­nis­rei­che Zeit, in der auch die Erwach­se­nen Freu­de emp­fan­den und sich den Kin­dern so ganz wid­me­ten. Heu­te beschränkt sich die­se Freu­de bei mir wirk­lich nur auf die tie­fe und erns­te Freu­de, die uns Men­schen­kin­dern das Weih­nachts­fest bringt: Gott erbarm­te sich der Welt, er sand­te sei­nen Sohn, nahm selbst an uns[e]rer Mensch­heit teil, wir Men­schen brau­chen nicht mehr im Dun­kel zu tap­pen.

Die­se Freu­de schwingt in unse­ren schöns­ten Weih­nachts­lie­dern. Am Hei­lig­abend an der Orgel zu sit­zen und in einem gro­ßen fest­li­chen Lob­ge­sang mit­zu­sin­gen, das ist für mich der Inbe­griff wah­rer Weih­nachts­freu­de. Zwei­ten Ran­ges ist dann die Freu­de auf ein paar trau­te Stun­den im Fami­li­en­krei­se. Je älter man wird, des­to erns­ter stim­men alle die Fes­te, die nur ein­mal im Jah­re erschei­nen. Man denkt zurück und denkt vor­aus: Wo und wie wer­den wir es im nächs­ten Jah­re erle­ben? Vori­ges Jahr spie­gel­ten sich des Christ­baums Lich­ter noch in Groß­mutters Augen. Auch bei ihr trat der Gedan­ke jedes Jahr mehr in den Vor­der­grund: Wer­de ich es noch ein­mal erle­ben? Wie sie es in letz­ter Zeit des öfte­ren tat, sie setz­te sich abseits, als woll­te sie sehen, wie sich uns[e]re Fami­lie ohne sie aus­neh­me. Der Gedan­ke an die lie­be Groß­mutter kann mich recht trau­rig machen, vor allem des­we­gen, weil sie sich gegen Ende so allein, ver­las­sen und unver­stan­den fühl­te. Den letz­ten Kampf bestand sie ganz allein. Und wenn am Weih­nachts­abend die Ker­zen erstrah­len, dann wer­den mei­ne Gedan­ken vor allem in die Zukunft gehen, zu Ihnen, wie könn­te es anders sein? Wei­ter­le­sen!

25. Oktober 1938

[381025–2‑1]

O., am 25.10.1938.

Lie­ber [Roland],

Wenn ich ehr­lich sein will[,] muß ich geste­hen, daß ich Ihren Vor­na­men unzäh­li­ge Male schon nie­der­ge­schrie­ben habe. Ein wei­ßer Bogen Papier, voll­be­schrie­ben mit dem Namen [Roland]. Mir tat es immer leid, wenn ich die­sen Bogen dem Feu­er über­gab. Als Kin­de­rei kann man das wohl bezeich­nen; doch mei­ne Gedan­ken waren dabei and[e]rer Art. Wei­ter­le­sen!

14. August 1938

[380814–2‑1]

O., am 14. August 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Heu­te früh erhielt ich Ihren Brief. Die Nach­richt vom Heim­gan­ge Ihrer lie­ben Groß­mutter hat mich erschüt­tert. Wie uner­forsch­lich sind doch Got­tes Wege. Sie haben alle die furcht­ba­ren Stun­den mit­er­lebt, macht­los dem Schick­sal gegen­über. Und für einen emp­find­sa­men Men­schen wohl das Schlimms­te — Ein­sam­keit im Her­zen.

Ich habe schon ein­mal einen Men­schen mit dem Tode rin­gen s[ehe]n. Eine die den Tod such­te. Ich wer­de die­sen Anblick nie­mals ver­ges­sen. Grau­en und tie­fes Mit­leid, das waren mei­ne Emp­fin­dun­gen damals. Wei­ter­le­sen!