Trug und Schein: Ein Briefwechsel

Liebschaften

07. Dezember 1938

[381207–1‑1] L. am 7. Dez. 1938 Lie­be [Hil­de]! Es war am Diens­tag­nach­mit­tag. In der Lese­stun­de zwi­schen 3 u. 4 faß­te ich den Ent­schluß, 1/2 5 zur Post zu gehen. Es muß etwas dasein [sic], dach­te ich. Es war, als hät­te es mich hin­ge­zo­gen.— Alle Brief­sa­chen waren durch­ge­blät­tert — nichts. Halt! Doch, ein Paket. Ich stut­ze, […]

06. Dezember 1938

[381206–2‑1] O., am 5.12.1938. am 6.12.1938. Lie­ber [Roland]! Der end­lo­se Sonn­tag ist vor­über. Mit grau­en, undurch­dring­li­chen Wol­ken war der Him­mel ver­han­gen; tief und regen­schwer jag­te sie der Wind vor sich her. Am spä­ten Nach­mit­tag, als ich das Paket fer­tig gemacht hat­te, litt es mich nicht mehr daheim. Ich lief über die Feld­we­ge dem Wal­de zu […]

01. Dezember 1938

[381201–1‑1] L. am 1.12.1938 Lie­be [Hil­de]! 14 Tage sind fast dar­über ver­gan­gen, daß wir uns sahen. Die Ein­drü­cke ver­blas­sen. 14 Tage sind noch hin, ehe wir uns wie­der­se­hen. Da tre­ten die Brie­fe wie­der in ihre Rech­te. Es ist etwas Eige­nes um so einen Brief. Da hal­te ich die Bogen in Hän­den, die vor­her in Ihrer […]

29. November 1938

[381129–2‑1] O., am 27. Novem­ber 1938. am 29. Novem­ber 1938. Lie­ber [Roland]! Man möch­te mei­nen, ein Sonn­tag sei wie der ande­re, aber dem ist nicht so. Die Sonn­ta­ge haben ihr eige­nes Gesicht wie die Jah­res­zei­ten. Ein Früh­lings­sonn­tag ist anders als ein Sonn­tag im Herbst. Ich den­ke an den vori­gen, den Toten­sonn­tag — er läßt sich doch […]

21. November 1938

[381121–1‑1] L. am 21. 11. 1938. am Mon­tag Lie­be [Hil­de]! Ein wenig trau­rig bin ich heu­te. Wie flüch­tig sind doch ein paar schö­ne Stun­den. Ich möch­te gern dem gest­ri­gen Tage nachträu­men und mein Herz aus­schwin­gen las­sen. Alles ist mir zuwi­der und stört mich. Ein wenig müde bin ich auch noch. Daß ich allein bin, emp­fin­de […]

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