8. Januar 1941

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Mitt­woch, am 8. Janu­ar 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Gelieb­ter mein!! Du mein lie­ber, lie­ber [Roland]!!

Das Wet­ter ist heu­te gar wun­der­lich. Nebel, Feuch­tig­keit – und sowie sich die Feuch­tig­keit nie­der­läßt gefriert alles. Es wird ein gefähr­li­ches Fah­ren nun auf den Stra­ßen. Schnee fällt seit ges­tern nicht mehr. Mei­ne Bret­ter ste­hen im Stall, sie war­ten. Aber da kön­nen sie schon immer Geduld üben, ihre Her­rin hat kei­ne Erlaub­nis von ihrem Herr­chen bekom­men, zu fah­ren: D[as] h[eißt] in den nächs­ten Tagen nur nicht, beson­de­rer Umstän­de hal­ber! Und sie ist ganz ver­nünf­tig und folg­sam, sie ver­steht Herr­chens Sor­ge recht. Du!!! Es muß auch nicht sein dann; da bin ich schon frü­her vor­sich­tig gewe­sen. Aber viel­leicht muß ich am Sonn­abend doch noch ein­mal zur Bau­ers­frau nach N. fah­ren! Vater hat bis abends 600 [Uhr] Dienst, ich mag ihn dann nicht noch da hin­un­ter lau­fen las­sen, es ist ja so beschwer­lich zu gehen bei die­sem Schnee. Und Sonn­tag dar­auf muß er früh sam­meln geh[e]n. Das dau­ert mich. Und But­ter brau­chen wir aber auch! Also wer­de ich ganz lang­sam fah­ren, ich neh­me mir Zeit. Wei­ter­le­sen!

15. Dezember 1940

Antoniterkirche Köln 1940.jpg
Weih­nachts­zeit 1940, hier die Anto­ni­ter­kir­che Köln, Foto von ev. Gemein­de Köln, lizen­ziert unter Copy­right­ed free use über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

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Sonn­tag, am 3. Advent 1940.

Gelieb­ter, mein [Roland]!! Herz­al­ler­liebs­ter!! Du!! Du!!!

Du!! Wie soll ich denn nun anfan­gen mit der Bot­schaft, die ich Dir brin­gen will? Ach, Du!!! Hast Du es nicht schon gefühlt heu­te früh, genau um 700, mit dem Glo­cken­schlag? Du mußt es ja doch gefühlt haben — Du — so jäh, so hef­tig und so innig, fest dach­te ich an Dich, mein Herz!! Du!! Du!!! Ach, die gan­ze Nacht schon muß­te ich Dei­ner den­ken, weil ich wie­der ein­mal nicht schla­fen konn­te, Du! Und dabei war ich so erschöpft. Hef­ti­ge Schmer­zen im Leib plag­ten mich — ich konn­te kein Auge zu tun. Ich hat­te Angst, daß ich mir etwa Scha­den getan hät­te beim Waschen. Wir haben näm­lich alles auf der Hand gewa­schen, nicht mit der Wasch­ma­schi­ne, weil’s da so über die Wäsche geht — und das strengt den Rücken und den Leib ganz schön an; aber ich habe mich doch so in acht genom­men. Wei­ter­lei­ten!