9. Mai 1942

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86.

[O.] Sonn­abend, am 9. Mai 1942.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Du! Heu­te sit­ze ich im Stüb­chen, weil die Mut­ter in der Küche plät­tet, da ist[‘]s mir zu eng, zu warm! Du! Die Son­ne scheint zu den Fens­tern her­ein, offen ste­hen sie; ein herr­li­cher Mai­en­tag ist heu­te, der ers­te in sol­cher Pracht. Gleich wird es von uns[e]rer Uhr sie­ben schla­gen, Her­ze­lein! Von uns[e]rer schö­nen Uhr! Du! Den Fei­er­abend kün­digt die­se Stun­de an. Es gab für mich wie­der aller­hand Arbeit heu­te. Sämt­li­che Fens­ter putz­te ich, weil Mutsch neue Gar­die­nen auf­ma­chen will. Über­all wur­de gewischt, geboh­nert. Wäsche habe ich auch schon wie­der gewa­schen; eine gan­ze Lei­ne voll Strümp­fe und Socken, 2 Blu­sen, 2 Röcke und Klein­kram. Es häuft sich halt viel an bei uns. Wei­ter­le­sen!

02. Januar 1942

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Frei­tag, am 2. Janu­ar 1942.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Gelieb­ter!

Du!!! Heu­te will ich wie­der zu Dir kom­men.

Ges­tern war ich nur immer in Gedan­ken bei Dir. Der 1. Janu­ar war ges­tern. Du! Den­ke nur: wir schlie­fen bis um 10 vor­mit­tags! Nicht, daß wir so schlaf­be­dürf­tig gewe­sen sei­en! Nein – es war das Gefühl des „Nichts­drän­gens“, eben des Fei­er­tags. Unser Papa schlief ja auch bis Mit­tag, wuß­ten wir, und so waren wir mal ganz faul. Her­ze­lein! Ich habe sooo an Dich gedacht am Sil­ves­ter­abend! Mußt es doch gespürt haben über alle Fer­ne, Du!!! Eine herr­li­che Nacht war es. So mond­hell, frost­klir­rend, ganz still, ach Du!!! Ich bin eher aus der Kir­che heim­ge­gan­gen, nach­dem die Pre­digt zu Ende war und vie­le Leu­te noch das Abend­mahl nah­men. Ganz allein ging ich auf der Stra­ße. Wie war das doch schön! Über mir die unend­li­che Him­mels­wei­te – so fried­lich alles rings­her. Wei­ter­le­sen!

30. Dezember 1941

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[Salo­ni­ki,] Diens­tag, den 30. Dezem­ber 1941

Herz­al­ler­liebs­te! Mein lie­bes teu­res Weib! Hol­de mein!

Oh Gelieb­te! Soviel Son­nen­schein ist in mei­nem Her­zen! Soviel Glücks­ge­fühl! Oh Her­ze­lein! Ich konn­te doch gar kei­nen Schlaf fin­den, kei­ne Ruhe – ich habe Dich müs­sen ganz lieb­ha­ben – Du! Du!!! Wei­ter­le­sen!

14. Dezember 1941

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Sonn­tag, 3. Advent _14. Dezem­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein lie­ber, guter [Roland]! Her­ze­lein!

Oh Du! Heu­te Nacht bist Du zu mir gekom­men, im Traum! War das doch son­der­bar, Du! Es dun­kel­te schon drau­ßen, ich wohn­te wie­der in uns[e]rer alten Woh­nung S.straße 10. Ich stand am Fens­ter in der Küche, von da aus ich die Kreu­zung über­se­hen konn­te. Plötz­lich sah ich Dich, mein Lieb, um die Ecke bie­gen! Einen schwe­ren Kof­fer schlepp­test Du und gingst ganz schief! In Dei­ner Mari­ne­uni­form kamst [Du] daher. Oh, ich fühl­te rich­tig, wie mein Herz zum Zer­sprin­gen klopf­te! Du!! Ach – wie soll ich’s nur beschrei­ben? Wei­ter­le­sen!

07. Dezember 1941

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Am 2. Advents­sonn­tag 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein lie­ber, aller­liebs­ter [Roland]!

Heu­te schneit es wie­der, kalt ist’s und ein Sturm hat sich auf­ge­macht. Aber gut tut einem die Luft. Sie ist so rein. Die Eltern wol­len nach­her ein­mal nach M. lau­fen, hin­zu wol­len sie den Staub­sauger mit­brin­gen; denn nun geht doch das Groß­rei­ne­ma­chen los! Man hat’s so bis­sel leich­ter. Im Win­ter kann ich sowie­so mei­ne Bet­ten nicht so drau­ßen her­um aus­brei­ten – aber der Staub muß trotz­dem her­aus. Und ich? was ich trei­be? Wei­ter­le­sen!