9. Mai 1942

[420509–2‑1]

86.

[O.] Sonn­abend, am 9. Mai 1942.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Du! Heu­te sit­ze ich im Stüb­chen, weil die Mut­ter in der Küche plät­tet, da ist[‘]s mir zu eng, zu warm! Du! Die Son­ne scheint zu den Fens­tern her­ein, offen ste­hen sie; ein herr­li­cher Mai­en­tag ist heu­te, der ers­te in sol­cher Pracht. Gleich wird es von uns[e]rer Uhr sie­ben schla­gen, Her­ze­lein! Von uns[e]rer schö­nen Uhr! Du! Den Fei­er­abend kün­digt die­se Stun­de an. Es gab für mich wie­der aller­hand Arbeit heu­te. Sämt­li­che Fens­ter putz­te ich, weil Mutsch neue Gar­die­nen auf­ma­chen will. Über­all wur­de gewischt, geboh­nert. Wäsche habe ich auch schon wie­der gewa­schen; eine gan­ze Lei­ne voll Strümp­fe und Socken, 2 Blu­sen, 2 Röcke und Klein­kram. Es häuft sich halt viel an bei uns. Wei­ter­le­sen!

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29. März 1942

[420329–1‑1a]

[Salo­ni­ki] Sonn­tag, den 29. März 1942

Herz­al­ler­liebs­te mein! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Sonn­tag­abend. Ich bin allein. Die Kame­ra­den gin­gen zur Front­büh­ne. Kame­rad H. hat­te Sonn­tags­dienst – Kame­rad K. war mit mir zusam­men am heu­ti­gen Nach­mit­tag. Ich ver­spür­te kei­ne Lust zum Varie­té. Zum einen bin ich müde, es feh­len mir ein paar Stun­den Schlaf – und ich habe noch nicht Zwie­spra­che mit Dir gehal­ten – das nimmt mir doch die Ruhe und Lust zu allem ande­ren.

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08. März 1942

[420308–1‑1]

[Salo­ni­ki] Mon­tag, den 8. März 1942

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­te! Du, mei­ne lie­be [Hil­de]!

End­lich kann ich mit Dir allein sein, Her­ze­lein! Der Sonn­tag kam ganz anders als gedacht. Den Got­tes­dienst konn­te ich nicht besu­chen, weil so viel Arbeit anlag. Kame­rad K. brauch­te sei­nen Sonn­tags­dienst nicht zu ver­se­hen. Als wir uns gegen 2 Uhr es eben ein wenig bequem machen woll­ten, pfiff es: „Gan­ze Kom­pa­nie her­aus­tre­ten.“ Der Spieß hat­te bei der Stu­ben­mus­te­rung am Vor­mit­tag viel Unord­nung ange­trof­fen – nun ließ er die gan­ze Kaser­ne rein­ma­chen.

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25. Februar 1942

[420225–2‑1]

Mitt­woch, am 25. Febru­ar 1942

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!

Nun muß­te ich heu­te wie­der zuse­hen, wie die Brief­trä­ge­rin vor­bei­ging. Ach Du! Du!!! Und ich hat­te doch heu­te sooo sehn­süch­tig gewar­tet! Um 9 [Uhr] schon stand ich am Fens­ter, schau­te nach der blau­en Uni­form. Man kann gar­nicht [sic] wei­ter als bis zum Nach­bar­haus sehen, solch dicker Nebel ist drau­ßen. End­lich, kurz vor 10 Uhr kam sie an.

Nichts, gar­nichts – wie ges­tern.

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22. Februar 1942

[420222–2‑1]

16.

Sonn­tag­abend, 20 15 Uhr.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­ter [Roland]!

Um die­sel­be Zeit – heu­te vor 14 Tagen, Du! Da ging ich mit Dir die letz­ten Minu­ten Arm in Arm auf dem Bahn­steig auf und ab. Her­ze­lein! Denkst Du noch dar­an? Oh Du!!!

Ich habe so bit­ter­lich geweint als ich heim­fuhr. Ach Du! Ich muß­te doch mein Aller­liebs­tes zie­hen las­sen! Nur Du kannst ermes­sen, was das bedeu­tet – nur Du allein. Weil Du mich eben­so liebst, wie ich Dich. Gelieb­ter! Wir sind tap­fer, wir wol­len es! Wir müs­sen es! Aus tie­fer, star­ker Lie­be zuein­an­der!

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