28. Juni 1941

T&Savatar[410628–1-1]

Sonn­abend, den 28.Juni 41

Mein lie­bes, teu­res Herz! Gelieb­te, Hol­de mein!!

Jetzt hat der Hubo wie­der [ein]mal viel Schrei­be­rei – und muß sich rich­tig ein bis­sel [biss­chen] los­rei­ßen – vom Herz­lieb für´s Herz­lieb – machst [Du] gro­ße Augen? Du! Du!!![Du] Läßt mich doch gar nim­mer los – [ich] kann doch bloß noch Dir schrei­ben – [Du] hast doch das Man­ner­li ganz in Dei­nen Bann geschla­gen!!! Los­rei­ßen? Vom Geburts­tags­brief! Du!! Weißt, wenn es nicht gelingt – ich mein[‘] es ja trotz­dem sooooo lieb mit Dir, ja? Du!!!!! Du!!!!! !!!!! !!! Und ganz froh wol­len wir sein an die­sem Tag, Du!!! Wei­ter­le­sen!

27. Januar 1939

Rangabzeichnungen der NSDAP, ca. 1930, Quelle: National Archives & Records Administration, Aufgeladen von OberRanks, 3 January 2010, http://en.wikipedia.org/wiki/File:EarlyNaziPartyRanks-NARA.jpg, heruntergeladen Dez 2013
Rang­ab­zeich­nun­gen der NSDAP, ca. 1930, Quel­le: Natio­nal Archi­ves & Records Admi­nis­tra­ti­on, Auf­ge­la­den von Ober­Ranks, 3 Janu­a­ry 2010, http://en.wikipedia.org/wiki/File: EarlyNaziPartyRanks-NARA.jpg, her­un­ter­ge­la­den Dez 2013

[390127–1-1]

L. am 23. Jan. 1939

Am Mon­tag.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Eben kom­me ich von mei­nem Spa­zier­gang nach Hau­se. Einen Blick muß­te ich wer­fen nach dem Wes­ten. Ver­gan­ge­ne Woche war ich eini­ge­ma­le [sic] abends unter­wegs. Wenn Gedan­ken und Gefüh­le mich bestür­men, dann treibt es mich hin­aus. Es ist, als ob sie tief dann unter dem gleich­mä­ßi­gen Puls mei­ner Schrit­te bes­ser ord­nen lie­ßen. So war es am Mitt­woch, so am Don­ners­tag, als ich den Brief an Ihre Mut­ter zum Auto gebracht hat­te, so am Frei­tag, als ich Ihren Brief besorg­te. Es war eine böse Woche, ein wil­des Karus­sell der Gedan­ken und Gefüh­le. Wei­ter­le­sen!

13. Januar 1939

Hildes Photoalbum, Bilder aus November 1938
Hil­des Pho­to­al­bum, Bil­der aus Novem­ber 1938

[390113–1-1]

L. am 13. Janu­ar 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Am Sonn­tag­abend zwi­schen 7 u. 8 bin ich am Bahn­hof U. wie­der hin­auf­ge­stie­gen in mei­ne Welt und mei­ne Wirk­lich­keit. So kann man sagen; denn die Feri­en­zeit, zu Weih­nach­ten zumal, ist mit ihrer Ruhe und Sorg­lo­sig­keit wie eine ande­re Welt, ein Traum­land. Es fiel mir vor Jah­ren noch schwe­rer, mich davon zu tren­nen. Aus den Kin­der­ta­gen liegt ein Zau­ber über die­sem Traum­land. Ich dan­ke es den Eltern, daß sie mir das Tor zu die­sem Land offen­hal­ten. Doch nach den Fei­er­ta­gen, wenn Vater wie­der sei­ner Arbeit nach­ge­hen mußt, dann spürt man es: Die­ses Traum­land ist nicht die Wirk­lich­keit. Ich bin nicht trü­ben Sin­nes zurück­ge­kehrt. Zu mei­ner Welt und Wirk­lich­keit gehö­ren Sie, lie­be [Hil­de]. Jetzt hal­te ich mich an Sie, jetzt brau­che ich Sie, jetzt gehen mei­ne Gedan­ken viel öfter zu Ihnen. Ich habe ja sonst nie­man­den. Wei­ter­le­sen!

30. Dezember 1938

[381230–1-1]

B. am 30. Dezem­ber 1938.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Ges­tern kam Ihr Paket an. Heu­te zie­ren nun auch Ihre Gaben mei­nen Gaben­tisch. Sie zie­ren ihn, lie­be [Hil­de]. Ich habe mich sehr gefreut über Ihr Geschenk. Was haben Sie sich für Aus­ga­ben gemacht! ‚Die gute Tan­te’ weilt zu Besuch bei uns. Sie ist ganz weg in das schö­ne Käst­chen. Ich schrieb Ihnen schon ein­mal: „Ich muß die Schrei­be­rin die­ser Brie­fe lieb­ha­ben.” Die Brie­fe von mei­nem lie­ben Schatz sol­len zuerst dar­in Platz fin­den, und es wird also ein rich­ti­ges Schatz­käst­lein sein. Ich weiß: auch Sie schenk­ten, um mir Freu­de zu machen, ohne Berech­nung. Wenn uns uns[e]re Geschen­ke auch nicht ver­pflich­ten, wenn sie auch das Schick­sal nicht hem­men kön­nen, so bekräf­ti­gen sie doch, was wir ein­an­der ver­si­cher­ten: daß wir uns ernst prü­fen wol­len. „Las­sen Sie mich nicht allein!” so baten Sie mich; „Las­sen Sie mich nicht so leicht los!” so bat ich Sie.

Vie­len herz­li­chen Dank, lie­be [Hil­de]!

Noch 2 Tage im alten Jahr. Es ist ein eigen­ar­ti­ges Gefühl. “30. Dezem­ber 1938” wei­ter­le­sen

07. Dezember 1938

[381207–1-1]

L. am 7. Dez. 1938

Lie­be [Hil­de]!

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Es war am Diens­tag­nach­mit­tag. In der Lese­stun­de zwi­schen 3 u. 4 faß­te ich den Ent­schluß, 1/2 5 zur Post zu gehen. Es muß etwas dasein [sic], dach­te ich. Es war, als hät­te es mich hin­ge­zo­gen.— Alle Brief­sa­chen waren durch­ge­blät­tert — nichts. Halt! Doch, ein Paket. Ich stut­ze, lese den Absen­der, Ihre Schrift. Ein Schreck durch­fuhr mich zuerst. Auf dem hal­ben Wege war ich im Unge­wis­sen, was ich da noch heu­te traug [sic]. So leicht? Schickt Sie mir die Brie­fe zurück? — Doch dann wur­de es mir zur Gewiß­heit: Sie schickt mir einen Kranz, einen Kranz! Und nun schnell hin­auf und aus­ge­packt! Nicht auf­schnei­den, schön die Kno­ten auf­lö­sen, die Ihre Hän­de geknüpft haben.

Adventskranz in seinem ursprünglichen Design von Johann Hinrich Wichern, 1839, Rauhes Haus, Hamburg, Germany, Urheberrecht: Stiftung des Rauhen Hauses, Hamburg, Germany, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wichern_Adventskranz_originated_from_Germany.jpg, herunterladen Okt. 2013
Advents­kranz in sei­nem ursprüng­li­chen Design von Johann Hin­rich Wichern, 1839, Rau­hes Haus, Ham­burg, Ger­ma­ny, Urhe­ber­recht: Stif­tung des Rau­hen Hau­ses, Ham­burg, her­un­ter­ge­la­den 10/2013.

Eine lie­be­re Ant­wort konn­ten Sie mir nicht schi­cken. Ich dan­ke Ihnen, lie­be [Hil­de].

Heu­te Mitt­woch kam nun auch Ihr Brief.

Das war mein Zwei­fel: Wei­ter­le­sen!