01. Januar 1942

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[Saloni­ki] Am Neu­jahrstag 1942

Mein liebes, teures Weib! Du! Meine liebe, lieb­ste [Hilde]!

So regelmäßig und pünk­tlich kom­men Deine lieben Boten zu mir in diesen Tagen! Oh Du! Mein liebes, treues Weib! Und jed­er Bote bringt mir soviel Glück­stra­cht­en und Son­nenglanz der Liebe! Geliebte! Soviel Fest­glanz und Fes­t­freude ist in meinem Herzen – soviel Sehnen auch und Danken! Du! Weit­er­lesen!

26. Dezember 1941

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[Saloni­ki] Am 2. Wei­h­nachts­feiertag 1941

Herza­ller­lieb­ste! Mein liebes, teures Weib!!!

Endlich! Endlich kann ich nun zu Dir kom­men! Ja! Ich schrieb doch schon eine ganze Weile. An Kam­er­ad K. ein paar Zeilen. Den Neu­jahrs­brief nach O. und K. Und nun ist mein Schätzelein dran. [Es] Bekommt nun was noch übrig ist: was ganz zuun­ter­st und zutief­st liegt im Herzen – meiner Herzensliebe! Du!!!!! Weit­er­lesen!

23. Dezember 1941

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Dien­stag,  den 23. Dez. 1941

Herzenss­chätzelein! Herza­ller­lieb­ste! Mein liebes, teures Weib!

Nun ist doch schon der erste Tag in meinem neuen Jahr. Strahlend blauer Him­mel, kalte klare Luft, stahlblau das Meer — nur die Bergkup­pen sind schneebe­deckt, son­st erin­nert nichts an Wei­h­nacht­en und Win­ter. Auch nicht in der Stadt. Ein paar Blu­men­lä­den hal­ten Tan­nen­bäume feil. An mehreren Stän­den verkauft man große Zweige mit grü­nen, rundlichen, ledri­gen Blät­tern und roten Beeren — ist wohl der Mis­telzweig, der in Eng­land als Wei­h­nachtss­chmuck dient. In einem Schaufen­ster ste­ht solch ein Zweig, angeputzt mit bun­tem Glass­chmuck. Ob und wie hier das Wei­h­nachts­fest gefeiert wird, danach will ich mich noch umtun.

Heute zu mit­tag woll­ten wir noch ein­mal baden gehen vorm Feste – aber es war so großer Andrang von Frauen und Kindern, eine Stunde soll­ten wir warten. Möcht­en wir nicht.  Waschen wir uns die Beinel zu Hause – und zu dem andern wird auch noch Rat. Aber gelacht haben wir, daß sich vor [W]eihnachten so viel auf die reini­gende Wirkung des Wassers besin­nen.

Wie wir das Fest bege­hen, kann ich Dir heute noch nicht ein­mal schreiben. Soviel mir bis jet­zt bekan­nt ist, soll am Heili­ga­bend nicht mal ein Gottes­di­enst sein, son­dern nur „überkon­fes­sionelle Wei­h­nachts­feiern“. Für die Feiertage, Sylvester und Neu­jahr sind evan­ge­lis­che Gottes­di­en­ste ange­set­zt. Ich bin ein wenig ent­täuscht darüber, daß keine evan­ge­lis­che Wei­h­nachts­feier sein soll. In die anderen Feiern mag ich nicht gehen. Das ist wed­er Fisch noch Fleisch. Mit dem Schlag­wort „überkon­fes­sionell“ tar­nen sich die Chris­ten­feinde. Sie weisen auf die (freilich bedauer­liche) Zersplitterun[g] der Kirche hin, schieben die Frage der Eini­gung in den Vorder­grund (weil auch im Poli­tis­chen alles auf Eini­gung hin­drängt) aber nur, um den Glauben zu ver­wässern und damit dem Glauben die Kraft zu nehmen. Fra­gen der Kirchenor­gan­i­sa­tion sind zweit­en Ranges. Ich kön­nte mir dur­chaus denken, daß die Chris­ten inner­halb des deutschen Reich­es ein­mal eine große Gemeinde bilden. Die Über­brück­ung des Gegen­satzes und der ver­schiede­nen Glauben­sprä­gun­gen katholisch und evan­ge­lisch bleibt dabei das schw­er­ste Stück. Aber jet­zt geht es um mehr als um die Organ­i­sa­tion des Glaubenslebens, es geht um den Bestand des Glaubens über­haupt, es gilt ihn zu vertei­di­gen gegen Feinde, die seine Ver­nich­tung und Ver­ban­nung wollen. In dieser Zeit ist die Frage der Organ­i­sa­tion ganz zweitrangig.

Wer sie in den Vorder­grund schiebt, beweist, daß er nicht weiß, worum es geht. Oder schlim­mer, daß er es nicht wis­sen will und die Kirche nur poli­tis­chen Mach­ern in die Hände spie­len will. Es ist eine ganz böse, ern­ste Krise, in der die Kirche sich befind­et. Wo sich d[ie] Kirche nicht treu bleibt jet­zt, wird sie zer­malmt. Treue zur Wahrheit ist ober­stes Gebot.

Ach Herzelein, ich habe mich ver­loren.

Es soll dann am Heili­ga­bend auch eine gemein­same Feier sein der Bewohn­er unseres Haus­es, mil­itärisch­er: der Sol­dat­en uns[e]rer Kaserne. Wie diese Feier ausse­hen soll, weiß ich nicht.

Sie wird gar nicht feier­lich sein. Erstens ist es viel zu eng. Zweit­ens ist unter den Burschen, wie wir sie hier in der Überzahl haben, ein Wei­h­nachts­feiern über­haupt unmöglich. Ach Herzelein, das muß man ganz nüchtern fest­stellen, so erschüt­ternd es auch ist. Mildernd kann man hier nur anführen, daß eben Krieg ist, daß diese jung[e]n Men­schen her­aus­geris­sen wur­den aus jed­er Ord­nung – das Mil­itär­leben, so wie es jet­zt ist, ist keine Ord­nung in diesem Sinne – und daß diese Men­schen eben noch jung sind.

Ich möchte mir nicht wagen, es ist, glaube ich, fast unmöglich, diesen Leuten etwas von Glaubens­din­gen nahezubrin­gen. Sie zeigen keine Spur von Ernst, ihre Inter­essen sind so ganz anders gerichtet, sie leben sich aus und haben dabei doch kaum etwas zu leis­ten, sie sind rüde, renom­mieren mit „Mannes­tu­gen­den“ und markieren irgen­dein Kraft­meier­tum. Und nun, wo hier sich solche Ele­mente auch noch zusam­men­find­en – wo sie einan­der gewis­ser­maßen recht­geben! Nein, ich glaube, diese Men­schen muß das Schick­sal erst ein­mal wieder auf sich allein stellen und hart anfassen – anders kann ich mir nicht denken, daß sie diesen Din­gen über­haupt nur begeg­nen, und dann gar Gehör schenken. Und vergessen darf man nun freilich nicht, daß man es hier mit ein­er ungün­sti­gen Auslese von Men­schen zu tun hat. Das kann man behaupten und beweisen. Ich erzäh­le Dir ein­mal davon. Immer­hin bleibt ein Prob­lem: Warum ist die Jugend, die männliche zumal, so schw­er an Glaubens­dinge her­anzuführen? Ist männliche Kraft denn unvere­in­bar mit der Demut des Glaubens?

Ach Herzelein, man kön­nte wohl Büch­er füllen mit der Antwort auf diese Fra­gen. Der recht ver­standene Glaube hat allzeit unge­broch­ene und starke Men­schen als Stre­it­er für sich gehabt. Es ist eine Ver­fälschung des Chris­ten­tums, an der die Kirche nicht ganz unschuldig ist, daß zumal im vorigen Jahrhun­dert eine falsche San­ft­mut und Weich­lichkeit und Welt[fr]emdheit als dem Chris­ten­tum eigen­tüm­lich ange­se­hen wurde. In diesem  Anse­hen ste­ht sie er (der Glaube) bei vie­len ober­fläch­lichen Men­schen noch heute. Um zum recht­en Glauben zu find­en, gehört eine gewisse Reife. Und wenn es mit der Jugend ein­mal bess­er wer­den soll, muß dieses Glaubensleben als eine selb­stver­ständliche feste Ord­nung ihnen ent­ge­gen­treten, in die sie hineinwach­sen wie in die Ele­mente uns[e]rer Bil­dung – muß ihnen eine Welt der Erwach­se­nen vorste­hen, der dieser Glaube sel­ber fes­ter, unbe­stre­it­bar­er Besitz ist, muß ihnen vorste­hen in Einigkeit und Geschlossen­heit. [Ob] es dahin jemals wieder kom­men wird?

Wer kann es wis­sen? [A]ber hof­fen müssen wir es.

Oh Geliebte! Ich bin so glück­lich, daß Du glaub­st wie ich! Daß wir einan­der ganz ver­ste­hen auch im Glauben.

Nun bin ich schon wieder abgeschweift. Wir bei­de, Kam­er­ad Z. und ich, wer­den uns so bald als möglich davon­stehlen und für uns feiern – ach Geliebte! Den Kranz, Deinen Kranz mit frischen Kerzen besteck­en, die Lichter anzün­den – und bescheren – und heim­denken. Ach Herzelein! Ich mag nicht vor­weg denken. Ich will nicht trau­rig sein. Schon darum nicht, weil wir hof­fen dür­fen, bald beieinan­der zu sein! Ich erzäh­le Dir, wie alles gewe­sen ist.

Her­zlieb! In mir ist doch noch soviel Geburt­stags­freude! Freude, die Du mir bere­it­et hast! Ach Du! Wieviel­mal ich ihn wohl schon gele­sen habe, Deinen lieben Boten! Ach, und seine Worte bewegt,

[Brief unvoll­ständig erhal­ten: es fehlt zumin­d­est eine Seite.]

[G]eliebte!

Herzelein! An die Worte meines ersten Pfin­gst­briefes an Dich [m]uß ich denken. Ich spreche darin von unserem Aus­flug. Den vie­len geputzten, fro­hbe­wegten Men­schen: „Und nun zu denken und vorzuha[be]n, eines mir von den Men­schenkindern wählen zu dür­fen! Aus der Fülle der Möglichkeit­en eine zu ergreifen – größte Frei­heit und [str]engste Beschränkung so dicht beieinan­der!“ Nur in [Ge]danken ist diese unendliche Frei­heit – das Schick­sal weist mit zwin[ge]nder Notwendigkeit auf die eine Möglichkeit. Herzelein! Wir [f]anden einan­der – neigten einan­der in Liebe – und um uns schließt sich der Kreis – und wir ste­hen mit­ten­drin vor der [A]ufgabe, diesen Kreis ganz zu erfüllen. Und so schließt sich der Kreis [u]m jedes Men­schen­paar. Und welch­es Men­schen­paar ihn am besten [er]füllt, welchem der Garten der Ehe am reich­sten blüht und Frucht [tr]ägt?: Das sich am meis­ten liebt, das in Liebe eng ver­bun­den gemein­sam [sch]afft. Geliebtes Herz! Wie her­rlich blüht uns der Garten, wie [f]üllt sich unser Kreis vom Reich­tum der Liebe, wie leuchtet die [Blu]me der Liebe in jedes Herzen­skäm­mer­lein, wie ergießt der Liebe [St]rom sich auch in die fein­sten Verästelun­gen, wie durch­son­nt die [L]iebe unser ganzes Leben!!! Oh Du! Du!!! So ganz erfüllt sind wir [v]on uns[e]rer Liebe! Ganz nahe sind wir einan­der!

Oh Her­zlieb! Diese Gewis­sheit Dein­er Liebe birgt soviel Freude, soviel Kraft! Ach Herzelein! Auf ihr ste­ht mein ganzes Leben nun, an ihr hängt der Gang meines Herzens, ruht der Mut zu diese[m] Leben. Diese Gewis­sheit ist mir immer deut­lich­er und köstlich­er gewor­den! Du lieb­st mich! Lieb­st mich unendlich! Und Du bewahrst mir diese Liebe – Du hältst mir die Heimat!

Behüte Dich Gott! Geliebtes Herz!

All mein Denken und Sehnen und Lieben geht zu Dir!

An Dein­er Seite, an Deinem Herzen ist mein Platz! Herzelein! Ich liebe Dich!

Ich herze und küsse Dich! Ich bleib Dir ganz treu! Ich kann dich nim­mer­mehr lassen, Dich nicht betrüben – ich muß Dich ganz lieb­haben!!!

Ich bin Dein! Ganz Dein!

In Ewigkeit

Dein R[oland]

04. Oktober 1941

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Sonnabend, am 4. Okto­ber 1941.

Herzenss­chätzelein! Geliebter! Mein lieb­ster [Roland], Du!!!

Die Glock­en läuten den Feiertag ein – Reich­serntedank­fest – wie schön, nochmal so schön wäre mein Feier­abend, wenn Du bei mir wärst! Geliebter!!

Es kann nicht sein – und so müssen wir nun wieder, wie gut und tröstlich ist es doch!, zum Papi­er greifen, um wenig­stens uns[e]re Gedanken aufzuschreiben, sie dem lieb­sten Men­schen zu schick­en, das [sic] er uns nahe ist und miter­lebt und -empfind­et. Das macht auch das Herze leicht, den Blick hell und erfüllt die Seele mit Freude; nichts tue ich doch lieber, als Dir mich mit­teilen, als Dir schreiben! Weit­er­lesen!

02. October 1941

[411002–1-3]

Don­ner­stag, den 2. Okto­ber 1941

Her­zlieb! Herzenss­chätzelein!

Zwei liebe Boten sind gekom­men! Hab[‘] Dank! Hab[‘] viel­lieben Dank, Du!!

Ich komm[‘] Dir nur einen ganz kurzen Gruß jet­zt senden – heute abend will ich Dir länger schreiben. Uns[e]re Bude ist ent­wanzt, und nun müssen wir fein schnell noch reine und alles wohn­lich machen. Ein ganz rohes Ver­slein, das mich heut[‘] nacht in ein­er wachen Stunde bewegte, will ich Dir schreiben: Weit­er­lesen!