9. Mai 1942

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86.

[O.] Sonn­abend, am 9. Mai 1942.

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Du! Heu­te sit­ze ich im Stüb­chen, weil die Mut­ter in der Küche plät­tet, da ist[‘]s mir zu eng, zu warm! Du! Die Son­ne scheint zu den Fens­tern her­ein, offen ste­hen sie; ein herr­li­cher Mai­en­tag ist heu­te, der ers­te in sol­cher Pracht. Gleich wird es von uns[e]rer Uhr sie­ben schla­gen, Her­ze­lein! Von uns[e]rer schö­nen Uhr! Du! Den Fei­er­abend kün­digt die­se Stun­de an. Es gab für mich wie­der aller­hand Arbeit heu­te. Sämt­li­che Fens­ter putz­te ich, weil Mutsch neue Gar­die­nen auf­ma­chen will. Über­all wur­de gewischt, geboh­nert. Wäsche habe ich auch schon wie­der gewa­schen; eine gan­ze Lei­ne voll Strümp­fe und Socken, 2 Blu­sen, 2 Röcke und Klein­kram. Es häuft sich halt viel an bei uns. Wei­ter­le­sen!

07. Oktober 1938

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B. am 7. Okt. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Wenn ich am kom­men­den Sonn­tag mei­ne ‚Dienst­räu­me’ wie­der betre­te, wird die Erin­ne­rung an Ihren Besuch leb­haft wer­den. Sie ken­nen nun mei­ne Behau­sung, sind mei­ne Wege gegan­gen, und mir wird es manch­mal vor­kom­men, als sei­en Sie mit anwe­send und schrit­ten neben mir, ich wer­de mich manch­mal geheim beob­ach­tet füh­len. Müde Bei­ne haben Ihnen zwei Tage lang die Erin­ne­rung gewalt­sam wach­ge­hal­ten. Das Wan­dern und Lau­fen ist mei­ne Pas­si­on. Ich brau­che dazu gar nicht immer ein Ziel, auf das ich beson­ders spit­ze; oft gehe ich hin­aus nur, um mich aus­zu­lau­fen, um mein inne­res Gleich­ge­wicht wie­der­zu­er­lan­gen.

Da Sie all­tags soviel in Räu­men sit­zen, kann Ihnen die Bewe­gung an fri­scher Luft nur gut sein. Uns[e]re Begeg­nung war nicht ohne Reiz. Sie war so geheim und doch nichts Ver­bo­te­nes. Sie war aben­teu­er­lich und doch nicht plan­los. Sie war für Zuschau­er und Auf­pas­ser, wenn es sol­che gege­ben hät­te, voll Frei­heit und über [die] gewohn­ten Gren­zen; aber wir bei­de steck­ten die Gren­zen der Frei­heit selbst und ach­te­ten sie. Ihre Mut­ter selbst hol­te Sie ab von die­sem aben­teu­er­li­chen Ren­dez­vous (Stell­dich­ein). Wei­ter­le­sen!