16. März 1942

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Mon­tag, den 16. März 1942

Gelieb­tes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be [Hil­de], Du! Hol­de mein!

Mit­tag­stun­de ist. Ich kann allein sein mit Dir. Grau ist der Tag. Grau das Meer – und am Hori­zon­te ver­lau­fen bei­de – Him­mel und Meer. So, wie es oft ist daheim. gGanz lan­ge könn­te ich dahin­ein­schau­en in die däm­mern­de Fer­ne. Die­ses graue Gewand stimmt so gut zu mei­ner Emp­fin­dung: Frem­de – und zu mei­ner Sehn­sucht: Hei­mat. Wei­ter­le­sen!

11. Dezember 1941

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Don­ners­tag, am 11. Dezem­ber 1941.

Mein Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter! Mein Her­ze­lein!

Ich bin allein heu­te. Erst am Abend um 6 [Uhr] kommt Vater heim. Und ich habe mir heu­te vor­ge­nom­men, ganz nur für Dich da zu sein. [Du] Mußt Dich nicht wun­dern, Herz­lieb, wenn der Bote des­halb nicht dicker aus­fällt! Man muß ja nicht alles Geschrie­be­ne auf ein­mal abschi­cken, gelt?! Ach Du! Am liebs­ten käme ich doch selbst ein­mal zu Dir. Heu­te Nacht muß­te ich Dich sooo lieb­ha­ben, Her­ze­lein! Ach Du!!! [Du] Bist mir im Trau­me erschie­nen, ganz nahe, sooo nahe! Wei­ter­le­sen!

21. Oktober 1941

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[Salo­ni­ki] Diens­tag, den 21. Okto­ber 1941

Herz­al­ler­liebs­tes Schät­ze­lein! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Okto­ber? Drau­ßen ist es wie Mai so schön und warm. Ges­tern pflüg­te ein Sturm die See, heu­te ist sie von einem Süd­wind nur leicht gekräu­selt. Schaust wohl auch nach dem Abend­stern am Nacht­him­mel? Er steht jetzt genau über dem Olymp. Aber den gibt es daheim nicht. Aber dafür Rich­tung W.burg. Die weiß auch mein Schät­ze­lein. Wei­ter­le­sen!

11. Oktober 1941

T&Savatar[411011–1-1]

Sonn­abend, den 11. Okto­ber 1941

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­te! Du mei­ne lie­be [Hil­de]!

In der Schreib­stu­be sit­ze ich jetzt. Es ist am Nach­mit­tag kurz nach 4 Uhr. Ein Pracht­tag ist es drau­ßen. Bis in die Zim­mer dringt die Wär­me und den Rock, den ich jetzt über die Blu­se immer zie­he, muß­te ich able­gen. Der Spieß hält frei­en Nach­mit­tag. Zum ers­ten Male, seit ich hier bin, haben wir die Arbeit ein­ge­holt. Und so haben wir in der Schreib­stu­be auch frei tan­zen. Die jun­gen [sic] haben sich schon ver­tru­belt [sic]. Ich sit­ze schon eine gan­ze Wei­le allein. Das ryth­mi­sche [sic] Rau­schen des Mee­res ist wie ein Schlum­mer­lied. Ganz schwer wur­den mir die Augen­de­ckel, und so habe ich sie auch ruhig ein Vier­tel­stünd­chen fal­len las­sen. Aber nun will ich Dein den­ken, gleich ein bis­sel auf Vor­rat. Wei­ter­le­sen!

03. August 1941

T&Savatar[410803–1-1]

Sonn­tag­mor­gen, den 3. Aug. 41

Schät­ze­lein! Her­ze­lein! Gelieb­te! Mei­ne lie­be [Hil­de], Du!

Ganz lei­se hab ich mich in Dein Käm­mer­lein gestoh­len – schläft doch noch, mein Her­zens­schatz. Nun sitz[‘] ich am Ran­de vom Bett­lein und schau ihm zu, wie es schläft! Und das darf ich doch eigent­lich nicht – und wenn es erwacht, wird mein Lieb mich bestra­fen. Aber bevor er bestraft wird, da stiehlt der Dieb. Und jetzt bin ich der Dieb. Du!!! Du!!!!! Herz­lieb! Ich muß Dich doch sooo lieb­ha­ben! Und jetzt könnt ich mir doch gleich ein Stück­chen abbei­ßen vor Lie­be – ach Du! lan­ge könnt ich Dir nicht zuschau­en beim Schla­fen. Dann wollt ich es küs­sen, die Stir­ne, und wollt die Wäng­lein an den mei­nen füh­len, und wollt Dich am Näs­chen zup­fen und am Kinn­chen krab­beln – und dann wollt ich sehen, was das für ein Erd­be­ben ist; dort beim Her­ze­lein – und sehen, zu wem das Bein­chen gehört – und dann wollt ich wis­sen, um wen Du Dei­ne Arme sooo lieb ver­schränkst – ach, und unter­des­sen wär es ja längst schon mun­ter – und der Dieb ertappt: „ich wollt doch bloß sehen, ob Du schon mun­ter bist.“ Herz­lieb! Wei­ter­le­sen!