15. Mai 1942

Gewölbe im Chorumgang
Gewöl­be im Chor­um­gang, Stadt­kir­che St. Jako­bi, Chem­nitz, 28 Sep­tem­ber 2010. Foto: StefT­hie­le. Lizenz CCA-SA 3.0 Unpor­ted de, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.
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[Salo­ni­ki] Frei­tag, den 15. Mai 1942

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­te! Mei­ne lie­be liebs­te [Hil­de]!

Wie regt sich die Lust da zu sin­gen – – “, ja Her­ze­lein! Sin­gen möch­te ich wie­der ein­mal, ach Du! wie­der ein­mal musi­zie­ren – für gar kei­nen beson­de­ren Zweck als nur eben aus Lust dar­an und nur für Dich, Gelieb­te! Kein Lied kann ich rich­tig aus­wen­dig mit Text und Melo­die – es ist ein Jam­mer! Das soll doch mal ganz anders wer­den. Und das wird schon dann [a]nders, wenn man nicht nur so vor sich selbst hin­mu­si­ziert, son­dern jeman­dem sich ver­ständ­lich machen will. “15. Mai 1942” wei­ter­le­sen

22. Februar 1942

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[Salo­ni­ki] Sonn­tag, den 22.Febr.1942

Her­zens­schät­ze­lein! Mei­ne lie­be, liebs­te H[ilde]!

Vor vier­zehn Tagen um die­se Stun­de – […] Uhr [abends] – da ruck­te der Zug an, der mich Dir ent­führ­te, Gelieb­te, da begann die Unru­he der Rei­se, die nun end­lich sich wie­der gelegt hat. Ach Her­ze­lein! Was stürmt und drängt alles zum Her­zen in der Stun­de des Abschieds!

“22. Febru­ar 1942” wei­ter­le­sen

16. November 1938

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O., am 16. Nov. 1938.

Lie­ber [Roland]!

Drau­ßen herrscht unfreund­li­ches Wet­ter, sehr trü­be ist es — ein wenig beherrscht es sogar mei­ne Stim­mung. Ich war heu­te nicht zum Got­tes­dienst, die Kan­to­rei hat auch nicht gesun­gen.

Jetzt hal­ten die Eltern noch Mit­tags­ru­he, mei­ne Gedan­ken sind bei Ihnen. Ich befürch­te, daß Sie mei­ne Kar­te nicht mehr erreich­te, das täte mir so leid.

Wie lan­ge doch die­se Unstim­mig­keit nach­wirkt in uns. Es ist rüh­rend, wie Sie sich sor­gen und mühen, um mir das Herz zu erleich­tern. Las­sen Sie mich noch­mals herz­lich dan­ken für Ihren letz­ten Brief. Er läßt mich wie­der hoff­nungs­vol­ler bli­cken in die Zukunft. Frei­lich wer­den noch vie­le Stei­ne auf unser[e]m Wege lie­gen, gro­ße und klei­ne. Doch wir wol­len sie mit Got­tes Hil­fe über­win­den, im Glau­ben an ein­an­der und im Glau­ben an die Stär­ke und das Gute in uns.

Las­sen wir nun das Trü­be hin­ter uns — freu­en wir uns des Kom­men­den. Sie haben mich mit Ihrer Hoff­nungs­freu­dig­keit ange­steckt: Es wird alles wie­der gut wer­den. Wei­ter­le­sen!