05. Juni 1940

Bundesarchiv Bild 183-B14898, Calais, britische Kriegsgefangene
Calais, bri­ti­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne, Mai 1940, DBA, Bild 183-B14898 / CC-BY-SA, 06.2015.
[400605–2-1]

O., am 5. Juni 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!  Mein lie­ber, lie­ber [Roland], Du!

Als ich heu­te früh den ers­ten Blick aus dem Fens­ter tat, weh­ten die Flag­gen fast an allen Häu­sern der S.straße.  Es blieb mir bis heu­te mit­tag ein Rät­sel, was wohl die­ser ganz beson­de­re Anlaß dazu sein muß. Dün­kir­chen ist gefal­len – ich erfuhr es beim Ein­kau­fen.  Eine lau­te, freu­di­ge Stim­mung tut sich über die­sen groβen Sieg nir­gends kund.  Dank­bar­keit, tie­fe Dank­bar­keit gegen Gott und unse­re lie­ben Sol­da­ten f[ü]hlen wir in uns; möge er gnä­dig wal­ten über dem deut­schen Geschick.  Ich emp­fin­de es mach­mal ungut, mach­mal gut, daβ wir kein Radio haben.  Vie­le auf­re­gen­de Ein­zel­hei­ten blei­ben so mir erspart und doch war­te ich bren­nend dar­auf, bis die Zei­tung kommt und das Wich­tigs­te mel­det.  Glaub mir, ich kann nicht ohne Anstren­gung mei­ne Fas­sung und trotz allem mei­nen Mut bewah­ren.  Die­ser Krieg ist so grau­sam. Wei­ter­le­sen!

01. April 1939

[390401–1-1]

K. am 31. März 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Was soll ich Dir schrei­ben? Es drängt mich nicht zu schrei­ben heu­te, ich sage es ehr­lich. War­um? Ich weiß es nicht. Ich den­ke oft an dich: Du Daß Du jetzt flei­ßig sein mußt, die­weil ich aus­ru­he. Daß ich mit Dir jeden Tag nach der Arbeit 2 Stun­den gehen möch­te. Wei­ter­le­sen!

04. Januar 1939

Neujahrsfest, Bleigießen, Hans-Günter Quaschinsky, Sylvester bei Werner Lierck. In der Küche! 18 December 1957. Bundesarchiv Deutschland Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Bild 183-51875-0001. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-51875-0001,_Neujahrsfest,_Bleigie%C3%9Fen.jpg, herunterladen Dezember 2013.
Neu­jahrs­fest, Blei­gie­ßen, Hans-Gün­ter Qua­schin­sky, Syl­ves­ter bei Wer­ner Lierck. In der Küche! 18 Decem­ber 1957. Bun­des­ar­chiv Deutsch­land All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst, Bild 183–51875-0001. http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Bundesarchiv_Bild_183-51875–0001,_Neujahrsfest,_Bleigie%C3%9Fen.jpg, her­un­ter­la­den Dezem­ber 2013.

[390104–1-1]

B. am 4. Jan. 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Herz­li­chen Dank für Ihre guten Wün­sche zum neu­en Jahr. Kam mein Neu­jahrs­brief recht­zei­tig an? Heu­te ist Mitt­woch. Ich war­te unge­dul­dig auf ein Zei­chen von Ihnen. Und ich weiß doch, daß Ihnen wenig Zeit bleibt zum Schrei­ben. Sind Sie wie­der gesund? Ich habe jetzt soviel Zeit zum War­ten. Ihre Bil­der, die ich sonst auch am Sonn­tag über mit mir neh­me, habe ich am 2. Fei­er­tag in L. lie­gen las­sen. Nun muß ich mich an die bei­den Brie­fe hal­ten, den Geburts­tags­brief und den Weih­nachts­brief. Sie lie­gen im Käst­chen ver­wahrt, jeden Tag lese ich einen von bei­den. Sie haben mir viel Freu­de damit berei­tet. Vie­len Dank dafür, mei­ne lie­be [Hil­de]. Wei­ter­le­sen!

28. Dezember 1938

[381228–1-1]

B. am 28. Dez. 1938

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Ges­tern erhielt ich Ihren Brief. Sie haben mich damit ein wenig aus dem Kon­zept gebracht. Ich will nun zuerst von Ihrer Gesund­heit reden. Vom Ohr haben Sie nichts mehr geschrie­ben. Hof­fent­lich ist es wie­der heil. Aber nun die Hei­ser­keit. Beob­ach­ten Sie sich recht genau! Und wenn Ihnen etwas uner­klär­lich oder gar ver­däch­tig erscheint, zie­hen Sie den Arzt zu Rate. Hal­ten Sie sich warm. Gehen Sie nicht eher an Ihre Arbeit, als bis Sie sich ganz mun­ter füh­len. Und nun gute Bes­se­rung.

Der nächs­te Brief soll­te der Neu­jahrs­brief sein. Nun muß ich doch noch einen ein­schie­ben. Wei­ter­le­sen!

01. Dezember 1938

[381201–1-1]

L. am 1.12.1938

Lie­be [Hil­de]!

14 Tage sind fast dar­über ver­gan­gen, daß wir uns sahen. Die Ein­drü­cke ver­blas­sen. 14 Tage sind noch hin, ehe wir uns wie­der­se­hen. Da tre­ten die Brie­fe wie­der in ihre Rech­te. Es ist etwas Eige­nes um so einen Brief. Da hal­te ich die Bogen in Hän­den, die vor­her in Ihrer Hand waren. Da lese ich die Zei­chen von Ihrer Hand. Mei­ne Augen glei­ten dar­über, wie Ihre Augen dar­über­ge­glit­ten sind, prü­fend, wie sie sich aus­neh­men und ob sie auch aus­rich­ten, was sie sol­len. Und nun ent­zif­fe­re ich den Sinn, lese Ihre Gedan­ken, lese in Ihren Gedan­ken, und zwi­schen den Wor­ten und Zei­len schwin­gen — bei­na­he das Wich­tigs­te — die man­cher­lei Emp­fin­dun­gen, die im Leser die näm­li­chen und ent­spre­chen­den Emp­fin­dun­gen wecken.

Heu­te erhielt ich Ihren lan­gen Brief, 3 Bogen, was hat Sie soviel zu schrei­ben?

Er weck­te selt­sa­me Gedan­ken. Ich wäre unehr­lich, wür­de ich sie ver­schwei­gen. Wei­ter­le­sen!