Trug und Schein: Ein Briefwechsel

01. Januar 1941

[410101–1‑1] Diens­tag, den 31. Dezem­ber 1940 Herz­lieb! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Gelieb­te, Hol­de mein! Der letz­te Tag im Jahr heu­te. Hell und klar, an den Früh­ling gemah­nend, ver­ab­schie­det sich das alte Jahr. Du! Die Son­ne steigt wie­der auf, freust Dich dar­über?! Sie führt ein neu­es Jahr her­auf mit sei­nem Grü­nen und Blü­hen, sei­nem Rei­fen und Fruchten.

30. Dezember 1940

[401230–1‑1] Mon­tag, den 30. Dezem­ber 1940 Herz­lieb, Du! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de] Du! Gelieb­te, Hol­de mein! Du! Du!! Wie soll ich denn heu­te anfan­gen? Ich möch­te Dir etwas schen­ken, Du!! Ich möch­te Dich ganz glück­lich machen, Herz­lieb!! Dich erlö­sen!! Mei­ne [Hil­de]!! Mein lie­bes, treu­es, lie­bes, armes Weib! Du! Du!! Und Dein [Roland] kann Dir nicht helfen. 

30. Dezember 1940

[401230–2‑1] Mon­tag, am 30. Dezem­ber 1940. Gelieb­ter!! Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!! Der vor­letz­te Tag im alten Jah­re ist nun heu­te. Wir bli­cken unwill­kür­lich ein­mal zurück, wenn wir zwei jetzt auch viel lie­ber vor­wärts bli­cken, Herz­lieb, Du!, weil wir so voll Sehn­sucht nach­ein­an­der sind. Weil wir so wün­schen, die Zeit möch­te eilen — eilen, bis zu […]

24. Dezember 1940

[401224–2‑1] Am Hei­lig­abend 1940. Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein Gelieb­ter!! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!! Nun ist er da, der Hei­li­ge Abend, voll Tan­nen­duft und voll Lich­ter­glanz. Herz­al­ler­liebs­ter! In mei­nem Her­zen ist Frie­den, wun­der­sa­mer Frie­den. Ich habe sie mit weit offe­nen Her­zen emp­fan­gen, die Got­tes­bot­schaft, die so unend­lich viel Lie­be, Mil­de, so rei­nes tröst­li­ches Licht aus­strahlt. Sie ist heu­te, wie […]

21. Dezember 1940

[401221–1‑1] Sonn­abend, den 21. Dezem­ber 1940. Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Hol­de mein! Der Weih­nachts­bo­te soll heu­te abge­hen. Die rech­te Andacht ist nicht dazu. Es gab heu­te viel Arbeit, und in der Stu­be ist es unru­hig. Ach Gelieb­te, immer in der Gesell­schaft von 10 und 20 Men­schen, das wäre see­lisch mein Tod.

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