01. Mai 1942

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Schild des Ran­gier­bahn­ho­fes der Häft­lings­trans­por­te von Sobi­bór, 2007. Foto: Jac­ques Lahit­te, Lizenz CC BY 3.0 Attri­bu­ti­on über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018. Der Ver­nich­tungs­la­ger Sor­bi­bor wur­de Anfang Mai 1942 im Rah­men der „Akti­on Rein­hardt“ im Betrieb gesetzt.

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[Salo­ni­ki] Frei­tag den 1.Mai 1942

Her­ze­lein! Gelieb­te! Mei­ne lie­be [Hil­de]! Hol­de mein!

Im wun­der­schö­nen Monat Mai – so fängt wohl ein Lied an. Es ist der won­nigs­te unter den Mona­ten, in dem der Streit mit dem Win­ter end­gül­tig ent­schie­den ist. Er ist aber auch der letz­te vol­le Monat schon wie­der vor dem Juni, der uns das abstei­gen­de Licht bringt. Es ist der Jah­res­kreis auch ein ewig Ver­rin­nen – es gibt kein glück­lich Ver­wei­len, kein Ruhen – es ist ein wenig Gehen und Ver­ge­hen, ein Rin­gen des Lich­tes mit dem Schat­ten, des Lebens mit dem Tode – in uns[e]ren hei­mi­schen Brei­ten, muss man dazu­set­zen. Aber es ist in den ande­ren Brei­ten nicht län­ger Licht. Wei­ter­le­sen!

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11. Februar 1942

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Wien, den 11. Febru­ar 1942

Herz­al­ler­liebs­te mein!

Nun ist Dein Bub wie­der ein rich­ti­ger Wel­ten­bumm­ler, steigt ganz ledig und frei und allein in der Welt umher – und ist doch Dein Bub, ganz Dein Bub! Du weißt: Du kannst ihn ganz allein in die wei­te Welt schi­cken, in alle Win­de – er bleibt Dir treu, er ist Dein! Ach Her­ze­lein, Du! So wie ich weiß, so gewiß, daß Du – Du mein treu­lich war­test, immer! Schät­ze­lein! Ich bin doch sooo froh und glück­lich daß ich Dein Bub bin, Dein Man­ner­li!!! Und ich füh­le immer­zu das Band, das ich nach mir zie­he, wo ich auch bin, an des­sen ande­rem Ende Du bist, mein gelieb­tes Weib – das Band uns[e]rer Lie­be ist es, Her­zens­schät­ze­lein! Wei­ter­le­sen!

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23. Mai 1941

T&Savatar[410523–2‑1]

Frei­tag, am 23. Mai 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Du mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!

Heu­te bin ich zu Haus[‘], wenn ich Dir schrei­be. Und rings um mich her ruft die Arbeit, aber 2 Stun­den neh­me ich mir jetzt ein­fach weg, um mei­nem Herz­lieb zu schrei­ben! Drau­ßen ist‘s nicht beson­ders schön heu­te – zwar nicht kalt – doch trü­be. Ich hab[‘] auch kei­ne Zeit zum Spa­zie­ren­ge­hen. Dann will ich mit Mut­ter Wäsche ein­wei­chen! Ja, mor­gen ist bei uns Wasch­fest! Da kannst Du an mich den­ken, Dicker­le! Wir brau­chen einen Wasch­mann, der uns die Wäsche gießt! Wie wär‘s denn? Du!! Soll ich tele­gra­phie­ren?!! Am Ende reg­net es mor­gen und Du brauchst Dein Amt gar­nicht anzu­tre­ten! Dann kapi­tu­lie­re ich ein­fach und gehe mir Dir fort, irgend­wo­hin, ins Grü­ne! Wei­ter­le­sen!

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24. April 1941

T&Savatarsm[410424–1‑1]

Don­ners­tag, den 24. April 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]!

Dein [Roland] sitzt drau­ßen im Schul­hof. Es mag gegen 5 Uhr sein. Es ist wie­der ein fri­scher, son­ni­ger Tag heu­te – und heu­te blei­be ich zu Haus. Die Son­ne scheint mir ins Gesicht. Sie neigt schon wie­der merk­lich nach Wes­ten, in die Rich­tung zu mei­nem Herz­lieb. Wei­ter­le­sen!

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04. April 1941

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Der bri­ti­sche Frach­ter Vol­taire wur­de am 4. April 1941 vom deut­schen Hilfs­kreu­zer Thor vor den Kap­ver­den ver­senkt. Hier, wie im gesam­ten See­krieg, fie­len zahl­rei­che Tote. Foto­graf unbe­kannt, archi­viert in der John Oxley Libra­ry, Sta­te Libra­ry of Queens­land, lizenz­frei über https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14509208, 04.2016.

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Frei­tag, den 4. April 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­lieb! Gelieb­te mein!!

April schrei­ben wir. Dein Geburts­tags­mo­nat, die­ser när­ri­sche. Aber doch auch Oster­mo­nat und Früh­lings­brin­ger.

Ach, viel zag­haf­ter, lei­ser und fei­ner setzt er an in der Hei­mat! Viel län­ger läßt er auf sich war­ten – des­to fro­her begrü­ßen wir ihn dann. Ohne gro­ßes Auf­se­hen, ohne Umstän­de blüht hier alles drauf­los: Pfir­si­che, Kir­schen, Äpfel, Bir­nen, Flie­der – in die­ser Fül­le ach­tet man kaum dank­bar das ein­zel­ne. Die­se April­ta­ge mit som­mer­li­cher Wär­me am Mit­tag und mit den war­men Aben­den, die bei uns selbst im Som­mer sel­ten sind, sie bie­ten sich hier ver­schwen­de­risch dar. Und noch ein ande­res: das herr­li­che, viel­stim­mig jauch­zen­de Kon­zert der Vögel in der Frü­he, es ist hier nicht. Nur Hah­nen­krä­hen und Sper­lings­ge­zänk. Klei­nig­kei­ten – viel­leicht – und doch Wesens­un­ter­schie­de, die bei Natur und Mensch man­cher­lei Par­al­lelerschei­nun­gen haben. Deutsch­lands Raum ist bekannt dafür, daß in ihm die Jah­res­zei­ten am deut­lichs­ten aus­ge­prägt sich abspie­len. Frank­reich hat kei­nen so rech­ten Win­ter, der Nor­den kei­nen rich­ti­gen Som­mer, der Osten weni­ger aus­ge­präg­te Über­gangs­jah­res­zei­ten und gar nicht die Natur, an der sie in Erschei­nung tre­ten könn­ten. Wei­ter­le­sen!

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