30. Mai 1942

Köln. Zer­störun­gen in der Pip­in­strasse nach dem Luftan­griffs am 9. Juni 1942. DBa Samm­lung Adolf von Bomhard, Bild 121‑1339 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.

[420530–2-2]

104.

Sonnabend, am 30. Mai 1942.

Geliebtes, teures Herz! Du mein geliebter [Roland]! Du!!!

Nun komme ich doch schon wieder zu Dir, mein Herzelein! Ach Du! Ich komme doch soo gerne! Und [ich] käme zu jed­er Stunde, ja Du! Wenn ich immer so viel Zeit übrig hätte! Und wenn ich mich nicht vor den Eltern schämte. Ach schä­men, das ist wohl nicht der rechte Aus­druck. Weißt Herzelein! Es ist ein komis­ches Gefühl, wenn man sich so beobachtet fühlt beim Schreiben an den Lieb­sten. Und mich zurückziehen mag ich auch nicht jedes­mal. Ich bin hierin so empfind­lich und wenn auch eines von den Eltern nur manch­mal im Scherz eine Reden­sart fall­en läßt bezüglich meines Schreibens, dann kränkt mich das. Weit­er­lesen!

08. Mai 1942

Joseph Marx 1903.jpg
Joseph Rupert Rudolf Marx, öster­re­ichis­ch­er Kom­pon­ist, Pianist, Musikpäd­a­goge und Kri­tik­er, 1903. Lizen­zfrei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.

[420508–2-1]

85.

Fre­itag, am 8. Mai 1942.

Herzenss­chätzelein! Mein geliebtes, aller­lieb­stes Herzelein! Du!!

Es ist Abend gewor­den über den Pflicht­en des Tages. Nun rückt der Zeiger der Uhr auf 900, ich kann nun Feier­abend hal­ten, Her­zlieb! Mit Dir!! Mit Dir allein ist es doch erst rechter Feier­abend, Du! Im Rund­funk erklingt ein schönes Sym­phoniekonz­ert aus Wien, ich mag nicht abschal­ten, ehe es zu Ende ist. Diese Musik ist dem Ohr eine richtige Labe nach dem Gedudel tagsüber, seit nahezu ein­er vollen Woche hört man nichts als Früh­lingsmusik, was für welche! Weit­er­lesen!

13. Dezember 1941

[411213–2-1]

Sonnabend, am 13. Dezem­ber 1941.

Herzen­schätzelein! Mein geliebtes teures Herz! Du!!!

Nun ist es doch gegen meinen Willen ein­mal so weit gekom­men, daß ich meinem Man­ner­li eine Stunde abknapsen mußte von sein­er Zeit! Du!! Ach, ich weiß, Du bist mir nicht böse darum! und ich habe Dich ja genau sooo lieb, bin Dir genau sooo gut darum! Herzelein! Mein liebes, liebes!!

Ja! Gestern war ein heißer Tag bei Frau [Nord­hoff]! Großreinemachen. Mit dem Papa um ½ 6 [Uhr] stand ich auf. Im Fin­stern noch zog ich alle Bet­ten ab und brachte sie in den Haus­flur zum Lüften. In der Zeit wirtschaftete ich in der Küche umher, denn da kann ich ver­dunkeln und schrubben nach Herzenslust. Weit­er­lesen!

07. Dezember 1941

[411207–2-1]

Am 2. Adventsson­ntag 1941.

Herzenss­chätzelein! Mein lieber, aller­lieb­ster [Roland]!

Heute schneit es wieder, kalt ist’s und ein Sturm hat sich aufgemacht. Aber gut tut einem die Luft. Sie ist so rein. Die Eltern wollen nach­her ein­mal nach M. laufen, hinzu wollen sie den Staub­sauger mit­brin­gen; denn nun geht doch das Großreinemachen los! Man hat’s so bis­sel leichter. Im Win­ter kann ich sowieso meine Bet­ten nicht so draußen herum aus­bre­it­en – aber der Staub muß trotz­dem her­aus. Und ich? was ich treibe? Weit­er­lesen!

30. November 1941

[411130–2-1]

Son­ntag, am 30. Novem­ber 1941.

Herza­ller­lieb­ster! Mein [Roland]! Geliebtes Herzelein! Du!

Nun ist Advent! Ich bin so froh heute! Und ich füh­le es, Geliebter! Alles Froh­sein kommt mir von Dir, Du bist auch froh. Die liebe Sonne scheint heute, aber bit­terkalt ist[‘]s im Schat­ten, meint Papa, der heute früh uns[e]re 6 Zent­ner Kartof­feln noch heimholte. Wir sind recht froh, daß wir sie nun im Keller haben. Ich sehne mich hin­aus, aber so lange mag ich auch nicht in der Kälte umher­stiefeln, damit ich mir meine Näs’ nicht wieder erkälte! Ich will doch fein artig sein, Herzelein! Und mich scho­nen. Weit­er­lesen!