Trug und Schein: Ein Briefwechsel

08. November 1941

  [411108–1‑1] [Salo­ni­ki] Sonn­abend, den 8. Nov. 1941 Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­tes, teu­res Weib! Mei­ne [Hil­de]! Denkst Du wohl mein? Herz­lieb! Ich bin ganz bei Dir! Sonn­abend ist wie­der. Ein leich­ter Tag winkt – Fei­er­tag! Ach Schät­ze­lein – wär[‘] ich doch bei Dir und könn­te ihn mit Dir bege­hen! Alle Sehn­sucht will wach wer­den, Geliebte!

01. November 1941

[411101–1‑1] Sonn­abend, den 1. Nov. 1941 Her­zens­schät­ze­lein! Mein lie­bes, teu­res Herz! Gelieb­te! Sonn­abend — Wochen­en­de — eben sind wir aus dem Kino nach Hau­se: “Die Barm­her­zi­ge Lüge”. Ein erns­ter Film. Er hat mich kaum berührt. War ich nicht emp­fäng­lich heu­te? Oder war die Haupt­dar­stel­le­rin nicht aus­drucks­voll genug? Oder war es das Milieu, das mich befremdete?

13. Oktober 1941

[411013–1‑1] Mon­tag, den 13. Okt. 1941 Herz­lieb! Du, mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]! Hol­de mein! Hu kalt ist’s heu­te bei uns. Über Nacht ist es anders gewor­den. Regen und Sturm haben sich auf­ge­macht. Ich ging spät zu Bett ges­tern. Der Sturm heul­te um und durch unser Haus. Etli­che Fens­ter­schei­ben sind noch lose bei uns. Und dort fuhr er […]

05. Oktober 1941

[411005–1‑1] Sonn­tag, den 5. Okto­ber 1941 Mein lie­bes, teu­res Herz! Gelieb­tes Weib! Mei­ne [Hil­de]! Der gan­ze Sonn­tag­nach­mit­tag liegt vor mir – offen ste­hen mir Tor und Tür zur Frei­zeit, offen zu ganz belie­bi­ger Ver­wen­dung. (Kame­rad K. ist Schrei­ber vom Dienst) Ach Gelieb­te! Es ist eine fal­sche Frei­zeit – Frei­zeit in der Gefangenschaft.

26. September 1941

[410926–2‑1] Frei­tag, am 26. Sep­tem­ber 41. Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­ter!! Du sitzt im Zuge, schickst viel­leicht gera­de jetzt auch Dei­ne Gedan­ken zu mir – Du! Ach Du! Wie könn­te es wohl anders sein? Du mußt so wie ich zurück­den­ken – zurück an unser uner­meß­li­ches Glück, an die köst­li­chen Stun­den innigs­ter Ver­bun­den­heit und heim­lichs­ter Trau­te – mein gelieb­ter [Roland]! […]

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