02. September 1940

Hilde und Roland, vor der Kirche, Hochzeitsbild, 07.1940
Hil­de und Roland, vor der Kir­che, Hoch­zeits­bild, 07.1940

[400902–2-1]

O., am 27. August 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Den gan­zen, lan­gen Mon­tag hab[e] ich Dich ver­folgt mit mei­nen Gedan­ken. Jede Umstei­ge­sta­di­on [sic], jeden Auf­ent­halt, die lan­ge War­te­zeit bis es mit­tags 1200 war, alles hab[e] ich ver­folgt. Ja und dann, Du? Von da ab konn­te ich Dich nicht mehr fin­den, und ich quäl­te mich auch nicht, zu rät­seln, wohin die Fahrt gegan­gen sein mag. Ich will [j]a alle Geduld sam­meln, bis ich ein Zei­chen von Dir habe. Es war in jedem Raum und es ist auch heu­te noch ein Schim­mer von den letz­ten trau­li­chen Stun­den, die uns bei­de hier ver­ein­ten. Das ist so gut und so tröst­lich; es ist doch am Tage recht still und ein­sam um mich her. Ich wer­de mich erst dar­an gewöh­nen müs­sen, die letz­ten Wochen sind so vol­ler Glück und Selig­keit gewe­sen, daß mich die Stil­le und das Allein­sein dop­pelt bedrückt. Arbeit habe ich genug, o ja — aber die Gedan­ken! Wei­ter­le­sen!~

22. Juni 1940

Bundesarchiv Bild 146-1982-089-18, Waffenstillstand von Compiègne, Unterhändler
Frank­reich, Com­pièg­ne.- Deutsch-fran­zö­si­sche Waf­fen­still­stands­ver­hand­lun­gen.- Wil­helm Kei­tel, Charles Hunt­zi­ger; 22.06.1940. DBa, Bild 146‑1982-089–18 / CC-BY-SA, über Wiki­me­dia Com­mons, 06.2015.
[400622–1-1]

S. am 22. Juni 1940.

Haupt­quar­tier des Bräu­ti­gams.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be [Hil­de], Du!

Zwei Brie­fe habe ich schon geschrie­ben, Du, nun mußt Dich mit dem begnü­gen, was noch übrig ist. Na, dann gleich mal ein Drü­ckerl [sic] und ein Bus­serl vor­weg, die sind alle noch da, ist noch kein[e]s ver­schrie­ben, Du! Es ist so warm, und am liebs­ten tät[e] ich ja jetzt a bis­serl Mit­tags­stun­de hal­ten, wenn[‘]s nur allein nicht so ein­tö­nig wä[re]. Ach Du! Wenn ich an den drei Wochen ent­langsehe, dann kom­men sie mir schon gar lang vor, ein wenig grau­sam, die letz­ten Wochen Jung­ge­sel­le und Bräu­ti­gam! Aber 3 Wochen sind’s gar nicht mehr ganz, mer­ke ich eben, Du! Na, und wenn es eins von uns gar nicht aus­hal­ten könn­te – – aber kei­ne Pro­be draus­ma­chen, wie lieb eins das and[e]re hat, sonst kom­me ich gleich. Wei­ter­le­sen!