27. März 1942

Aus­zug aus dem Brief mit Brief­num­mer

[420327–2‑1]

46.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]! Schät­ze­lein, Du!

Du! Abend ist, da ich zu Dir kom­me, wir haben schon das Licht ange­zün­det; 8 Uhr zeigt unser Wecker. Oh Her­ze­lein! Das war ein lan­ger, hei­ßer Tag heu­te – und eine gar kur­ze Nacht, für Dein Mur­mel­tier­chen!! Wei­ter­le­sen!

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20. Februar 1942

[420220–2‑1]

Frei­tag, am 20. Febru­ar 1942.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­ter, liebs­ter [Roland]!

Heu­te set­ze ich mich gleich am Vor­mit­tag zu Dir, weil mir die gestren­ge Frau Mama für den Nach­mit­tag Rei­ne­ma­chen ankün­dig­te. Na! Das Töch­ter­chen wird sie dabei selbst­re­dend nicht im Sti­che las­sen! Es wird die­se Woche schnell gehen; denn wir haben alles schon gründ­lich gesäu­bert vor­her. Es ist nur, daß man den Staub ent­fernt. Wir wer­den heu­te Nach­mit­tag mit uns[e]rer gan­zen Woh­nung fer­tig. Und anschlie­ßend wird gleich noch geba­det, dann kann der Sonn­tag kom­men.

“20. Febru­ar 1942” wei­ter­le­sen
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07. Oktober 1941

[411007–1‑1]

[Salo­ni­ki], Diens­tag, den 7. Okt[ober]. 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne [Hil­de], Du!

Herbst­lich wird es auch nun hier. Frisch ging die Luft heu­te mor­gen. In der Nacht hat es einen leich­ten Schau­er getan. Son­nen­stand und Luft­wär­me, die bei­de wer­den gleich die ein­zi­gen sein, die hier das Nahen des Win­ters kün­den. Wei­ter­le­sen!

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18. April 1941

T&Savatarsm[410418–2‑1]

Frei­tag, am 18. April 1941.

Mein gelieb­tes Herz! Du mein lie­ber, guter [Roland]! Herz­al­ler­liebs­ter!

Du! Heu­te ist wie­der kein Bote von Dir gekom­men. Ich bin aber gar­nicht [sic] trau­rig des­halb; weiß ich doch nun gewiß, daß mor­gen, an mei­nem Geburts­tag wenigs­tens einer Dei­ner lie­ben Brie­fe kommt – wenn auch nicht der Geburts­tags­brief, so doch ein and[e]rer lie­ber! Du!! Ach, Du weißt doch selbst, wie sehn­süch­tig man immer nach ihm aus­schaut! Herz­lieb Du! Mein [Roland]! Wei­ter­le­sen!

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20. März 1939

[390320–2‑1]

O., am 19. März 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Heu­te, am Ent­las­sungs­ta­ge dach­te ich oft an Dich.

Er ist ein beson­de­rer, ein gro­ßer Tag für Dich.

Den jun­gen Men­schen­kin­dern, die bis jetzt unter Dei­ner und der Eltern Obhut stan­den, öff­net sich nun die Pfor­te, die hin­aus­führt aus dem schö­nen Kin­der­land in[’]s Leben.

Ich den­ke an mei­nen Ent­las­sungs­tag zurück.

Ja, froh war ich schon, dem Schul­ge­bäu­de den Rücken zu keh­ren, — hof­fend, daß nun die schöns­te Zeit beginnt, von der wir alle schwärm­ten, die Zeit des Erwach­sen­seins. In Erwar­tung des­sen, was die Gro­ßen Welt und Leben nen­nen, von dem vie­lem Neu­en und Unbe­kann­ten, daß sich uns nun erschlie­ßen wür­de, wie ein geheim­nis­vol­les Para­dies, kam ich mir direkt wich­tig vor.

Die Fei­er in der Aula uns[e]rer Schu­le, die Musik, die schö­nen Lie­der — alles weih­te man uns, den Schei­den­den. Doch dann, als Herr Direk­tor [Anfang gewell­te Mar­kie­rung lin­ke Sei­te: sie­he Bild] Schramm die Anspra­che hielt für uns — der Sinn ist mir nur noch dun­kel in Erin­ne­rung geblie­ben — weiß ich noch, daß bei sei­nen Wor­ten in mir eine Ände­rung vor­ging. [Ende]

Auszug aus dem Brief. Viele Markierungen im Brief sind so gewellt.
Aus­zug aus dem Brief. Vie­le Mar­kie­run­gen im Brief sind so gewellt.

Da saßen wir nun alle, die Kame­ra­den, die Klas­sen­leh­rer und bei dem Gedan­ken, daß dies nun das letz­te Bei­sam­men­sein ist, [Anfang gewell­te Mar­kie­rung lin­ke Sei­te] über­kam mich tie­fe Weh­mut. Ja, aus­ge­sto­ßen und ver­las­sen kam ich mir vor. Wie ein hilf­lo­ses Kücken [sic], daß die schüt­zen­den Flü­gel [Ende] der Mut­ter ver­las­sen muß, weil sei­ne Zeit gekom­men ist, auf eig[e]nen Füßen ste­hen zu ler­nen, und stark zu wer­den für den kom­men­den Lebens­weg, den man ja allein gehen muß, inner­lich gefes­tigt und nicht an der Hand der Eltern, oder frem­der Men­schen.

Wohin war da die jauch­zen­de Freu­de auf das Son­nen­land, das vor uns lag?

Doch der Ernst und die Bedeu­tung die­ses neu­en Lebens­ab­schnit­tes kam mir noch viel deut­li­cher zur Erkennt­nis am Kon­fir­ma­ti­onsta­ge. Die gan­ze Hand­lung in der Kir­che hat­te mich auf­ge­wühlt. Lan­ge Zeit vor­her hat sich der Pfar­rer im Kon­fir­man­den­un­ter­richt gemüht, uns hin­zu­füh­ren auf dem Weg zu Gott.

Als Kind fehlt einem noch das rech­te Ver­ständ­nis, die inne­re Auf­nah­me­fä­hig­keit für die Got­tes­bot­schaft. Und ehr­lich gesagt, es gab Zei­ten, in denen wir das alles als einen Zwang betrach­te­ten. Und am Palm­sonn­ta­ge stan­den wir nun vor[’]m Altar und taten unser Gelüb­de. Im schwar­zen Klei­de, daß schon an den Ernst die­ser Stun­de gemahn­te und an kom­men­de Pflich­ten.

War unser Herr mit gan­zem Bewußt­sein bereit, dies Gelüb­de zu erfül­len? Ich war recht bedrückt, als ich das ‚Ja’ sag­te, mit [Anfang gewell­te Mar­kie­rung lin­ke Sei­te] ehr­li­cher, völ­li­ger Über­zeu­gung habe ich es nicht gekonnt. Ich war mit mir selbst noch nicht im Rei­nen — etli­ches begriff ich nicht — [Ende] und eine unüber­wind­li­che Scheu hielt mich davon ab, mich einem Men­schen anzu­ver­trau­en und mehr Aus­kunft dar­über zu erlangen.[Anfang gewell­te Mar­kie­rung rech­te Sei­te] Am Abend des Palm­sonn­tags kam das Erleb­nis mit sei­ner gan­zen Wucht über mich. Ich weiß noch, daß ich gebe­tet habe — daß mich Gott nicht als Lüg­ner anse­hen möch­te, daß er mein Schwan­ken nicht hart ver­ur­tei­len möge; daß ich mich mühen will dar­um, [Ende] ihn zu ver­ste­hen und ihn bat um Geduld mit mir.

Ist man in die­sem Alter noch zu unfer­tig, um vor solch eine wich­ti­ge Ent­schei­dung gestellt zu wer­den?

Aber spä­ter — sind wir da noch wirk­lich frei?

Ich habe mir oft noch Gedan­ken dar­über gemacht — doch das Leben ging wei­ter, und ich ver­gaß die Sor­gen dar­um. Mit dem Kapi­tel Gott, kommt man glaub’ ich nie zu Ende; es ist schwer, sich ein eige­nes Urteil dar­über zu bil­den. Wir Men­schen hän­gen zu sehr am Irdi­schen.

So ist nun jeder bemüht, eine gute Saat zu sein, in die Her­zen der Jugend — die Eltern, die Leh­rer, der Pfar­rer —und alle wün­schen und hof­fen, daß sie rei­che Frucht bringt.

Jugend, Trä­ger der kom­men­den Zeit, stählt eure Her­zen und Arme, Deutsch­land baut auf die jun­ge, star­ke Genera­ti­on — so sagt die Zeit zu uns. Und gera­de jetzt, wo uns der Ernst des Gesche­hens immer wie­der so deut­lich spür­bar wird, ist es not­wen­dig, [da]ß die, die nun im Anbe­ginn des Lebens ste­hen bewei­sen, daß sie die Mühe der Erzie­her loh­nen durch die Tat.

Jetzt hab[e] ich mich mit dem The­ma so weit ver­lo­ren, und es ist dar­über fast Mit­ter­nacht gewor­den. Du mein lie­ber, guter [Roland] schläfst gewiß schon?

Gut Nacht! Ich küs­se Dich, Du!

Am Mon­tag.

Mein lie­ber [Roland]!

Heu­te will ich den Brief zu Ende schrei­ben; doch vor­her will ich nicht ver­ges­sen, Dir recht herz­lich zu dan­ken, mein lie­ber [Roland], für Dei­ne lie­ben Zei­len, die ich am Frei­tag erhielt.

Mir war heu­te den gan­zen Tag über so son­der­bar zumu­te. Es ist Dir doch nichts gesche­hen? Ist alles noch beim Alten? Mei­ne Gedan­ken kreis­ten immer um Dich, ich kam nicht los — dabei waren es gar kei­ne bestimm­ten Gedan­ken. Oder hast Du mei­ner recht oft gedacht? Du Glück­li­cher hat­test doch gewiß auch dienst­frei heu­te.

Bundesarchiv Bild 183-2004-0813-500, Deutsche Truppen in Brünn
Deut­sche Trup­pen in Brünn beim Zer­schla­gung der Rest-Tche­chei, März 1939. DBa, Bild 183‑2004-0813–500 / CC-BY-SA, 03.2014
Ach, ich kann in den gro­ßen Jubel uns[e]res Vol­kes noch gar nicht mit ein­stim­men; es ist mir noch unfaß­bar das neu­es­te, gewal­ti­ge Ereig­nis, ich bin ganz benom­men.

Die Men­schen, die Zei­tun­gen, die Nach­rich­ten im Rund­funk, alle sind sie vol­ler Tri­umph und Begeis­te­rung.

Und trotz­dem — es schwebt über allem Jubel wie eine dunk­le Wol­ke, die Sor­ge um die Wei­ter­ent­wick­lung in die­ser Geschich­te. Mut­ma­ßun­gen, Gerüch­te tau­chen auf, las­sen sich nicht hin­weg­täu­schen, weil Bewei­se dafür spre­chen. Ich will dar­an nicht schrei­ben! Du wirst mich ver­ste­hen. —

Kön­nen wir noch zurück? Auch ich beschäf­ti­ge mich mit die­ser Fra­ge. Es liegt nicht allein in unse­ren Hän­den, daß wir uns mühen um ein gutes, inni­ges Ver­ste­hen. Eine höhe­re Macht steht über uns. Es ist ein ewi­ges Suchen in uns, nach dem Men­schen, der unser ande­res Ich ver­kör­pert — und wir ras­ten und ruhen nicht, bis wir die­sen Men­schen gefun­den glau­ben. Um das zu erfor­schen, müs­sen wir uns näher­kom­men, prü­fen. [Anfang gewell­te Mar­kie­rung lin­ke Sei­te] Daß zwei Men­schen völ­lig inein­an­der auf­ge­hen, ver­mag ich nicht zu glau­ben, es bleibt ein Rest des Nicht­ver­ste­hens. [Ende]

Sie kön­nen sich aber durch die Lie­be zuein­an­der so ergän­zen, daß die­ser Man­gel an Ver­ste­hen trotz­dem nicht als Lee­re emp­fun­den wird, das hal­te ich für mög­lich.

[Anfang gewell­te Mar­kie­rung rech­te Sei­te] Du bist ein gereif­ter Mensch, Du brauchst eine Frau, die Dir mehr ist, als nur Frau. [Ende]

Lie­ber [Roland], Du weißt um mei­ne Lie­be zu Dir, daß nichts sie mir neh­men kann und die­se Erkennt­nis macht mich stark. [Anfang gewell­te Mar­kie­rung rech­te Sei­te] Und ich bit­te Gott, daß er die­se Lie­be in mir immer tie­fer Wur­zel fas­sen läßt, sodaß ich Dein Ver­trau­en und Dei­ne Hoff­nung nicht ent­täu­schen muß. [Ende]

Du fühlst Dich in Schuld bei mir? Sag doch selbst, war das Tän­de­lei, die uns zu sol­cher Ver­trau­lich­keit hin­rei­ßen ließ? Hat­ten wir nicht bei­de das Gefühl zu beschen­ken, immer und immer wie­der? Und das war der Beweis uns[e]rer Lie­be zuein­an­der — glau­be mir, nie­mals wür­de ich bereu­en, was ich aus Lie­be tat.

Wir gehen unser[e]n Weg wei­ter, er wird enger und schma­ler.

Weißt Du, was ich nicht ertrü­ge? Wenn Du die­sen Weg mit mir gehen müß­test, gezwun­gen und dar­um unglück­lich; wenn Du um beson­de­rer Umstän­de wil­len Dir eine Last auf­bür­dest.

Lie­ber [Roland], nie­mals soll ein Zwang Dich zu einer Hand­lung nöti­gen — immer soll nur Dein Herz ent­schei­den, ver­giß das nicht! Wenn ich erken­nen müß­te, daß Du mir ein­mal nur die Hand reichst, damit mein Ehren­schild nicht befleckt wür­de — die­se Demü­ti­gung ertrü­ge ich nicht. —

Ach Du! Lie­ber [Roland], ich ahn­te nicht, daß ich Dir Dei­ne Ruhe rau­ben konn­te. Scha­de ich Dir nun? Ich wer­de stren­ger wer­den müs­sen zu Dir! Wir brin­gen uns zu sehr in die Ver­su­chung. Kann die Ver­su­chung so stark wer­den, daß sie uns quält? Ich glau­be an Dein Stark­blei­ben und ich will Dich dabei unter­stüt­zen, Du!

Ich bin neu­gie­rig, wel­cher Art die Arbeit ist, die wir uns nun künf­tig bei unse­ren Begnu[e]ngen vor­neh­men.

Es freut mich, daß Du im Gespräch mit mei­nem Vater schon ein wenig warm gewor­den bist. Bei Mut­ter hast Du ganz rich­tig beob­ach­tet, doch das wird sich schon geben. Mit dem Bücher­vor­schlag machst Du ihr sicher gro­ße Freu­de. Dei­nen Wunsch wer­de ich mal im Auge behal­ten.

Glau­be nicht, daß ich über die Eltern bestimmt habe. Ich war ja sel­ber erstaunt und natür­lich erfreut zugleich, Du! Sie wer­den schon ver­ste­hen, daß bei einer Zwi­schen­pau­se von 4 Wochen aller­hand erzählt wer­den muß, was nur für uns[e]re Ohren bestimmt ist. Außer­dem waren sie doch auch mal jung! Ich rech­ne ihnen hoch an, daß sie mit kei­nem Wort dar­an rühr­ten.

Und nun freue ich mich schon wie­der auf den Kar­frei­tag! Wirst Du mir bei Gele­gen­heit ein­mal Dei­ne Plä­ne für die­sen Tag erzäh­len? Bei uns ist auch noch dicker Win­ter, es schneit auch noch. Am Don­ners­tag bin ich vor der Sing­stun­de Schnee­schu­he gefah­ren und denk Dir, auf dem Heim­weg hat sich der neue Pfar­rer ein gan­zes Stück als mein Pferd vor­ge­spannt u. mich gezo­gen, ein­mal auch Herr Grün­der. Die ander[e]n fei­er­ten noch Abschied in der Gast­stu­be, die Ame­ri­ka­ne­rin fährt weg. Und jetzt will ich auf­hö­ren, Dich mit lan­gen Brie­fen zu ver­wöh­nen und will Dich lie­ber küs­sen und in Gedan­ken recht lieb­ha­ben, bis ich ein­schla­fe, mein lie­ber, lie­ber [Roland] Du! Waren die Eltern bei Dir?

Nun Gute Nacht! Behüt Dich Gott und sei herz­lichst gegrüßt von

Dei­ner [Hil­de].

Herz­li­che Grü­ße von den Eltern

u. Dank für Dei­ne lie­ben Zei­len.

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