02. September 1940

Hilde und Roland, vor der Kirche, Hochzeitsbild, 07.1940
Hil­de und Roland, vor der Kir­che, Hoch­zeits­bild, 07.1940

[400902–2-1]

O., am 27. August 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Den gan­zen, lan­gen Mon­tag hab[e] ich Dich ver­folgt mit mei­nen Gedan­ken. Jede Umstei­ge­sta­di­on [sic], jeden Auf­ent­halt, die lan­ge War­te­zeit bis es mit­tags 1200 war, alles hab[e] ich ver­folgt. Ja und dann, Du? Von da ab konn­te ich Dich nicht mehr fin­den, und ich quäl­te mich auch nicht, zu rät­seln, wohin die Fahrt gegan­gen sein mag. Ich will [j]a alle Geduld sam­meln, bis ich ein Zei­chen von Dir habe. Es war in jedem Raum und es ist auch heu­te noch ein Schim­mer von den letz­ten trau­li­chen Stun­den, die uns bei­de hier ver­ein­ten. Das ist so gut und so tröst­lich; es ist doch am Tage recht still und ein­sam um mich her. Ich wer­de mich erst dar­an gewöh­nen müs­sen, die letz­ten Wochen sind so vol­ler Glück und Selig­keit gewe­sen, daß mich die Stil­le und das Allein­sein dop­pelt bedrückt. Arbeit habe ich genug, o ja — aber die Gedan­ken! Wei­ter­le­sen!~