Eichler-Schwarzkopf, Liebe auf Distanz

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Daniela Eich­ler-Schwarzkopf, Wien


Liebe auf Dis­tanz : Pri­vatko­r­re­spon­denz eines deutschen Ehep­aars im Zweit­en Weltkrieg

Wir freuen uns auf die Veröf­fentlichung ein­er neuen Mas­ters-Arbeit zu  T&S. Sie wurde von Daniela Elis­a­beth Eich­ler-Schwarzkopf an der Uni­ver­sität Wien  (FB Europäis­che Eth­nolo­gie) Herb­st 2018 ver­fasst. Her­zlichen Glück­wun­sch zu Fr. Eich­ler-Schwarzkopf!

15. Juni 1942

König Georg II von Griechen­land hielt 15. Juni 1942 eine Rede am Kongress der Vere­inigten Staat­en. Foto: Pres­i­dent Roo­sevelt und König George II bei Top Cot­tage, zwis­chen 26. Juni 26 und 3. Juli 1942, FDR Pres­i­den­tial Library and Muse­um, 09.2018.

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Mon­tag, den 15. Juni 1942

Geliebtes, teures Herz! Meine liebe, lieb­ste [Hilde]!

Geliebte Mein!

Ach Herzelein! Endlich ist der Bote da, der mir davon sagt, daß Du nun um mein kün­ftiges Schick­sal gewiss­er bist, daß Du die erste böse Ent­täuschung über­wun­den hast. Oh Herzelein! Froh bin ich, daß nicht noch ein Bote kam, der mir von Deinem Glück­sträu­men erzählte! Geliebtes Weib! Meine [Hilde]! Du Her­zlieb mein! Oh, Gott im Him­mel sei Dank, daß Du die böse Ent­täuschung glück­lich über­wan­d­est. Weit­er­lesen!

12. Mai 1942

Hoffmann von Fallersleben
Hoff­mann von Fall­er­sleben, Por­trait und Unter­schrift, vor 1874. Quelle: Postkarte um 1910/20. Ver­lag Albert Frisch, Berlin. Lizen­zfrei über Wiki­me­dia Com­mons 09.2018.
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Dien­stag, den 12. Mai 42

Meine Liebe, lieb­ste [Hilde]! Gold­herzelein, Geliebte mein!

Abend ist es wieder über Wald und Feld säuselt Frieden nieder, und es ruht die Welt.“ [Volk­slied] [Du] Kennst doch auch das innige Liedlein. [Es] Stammt noch aus ein­er Zeit, da die Welt des nachts wirk­lich ruhte, nicht nur in den entle­ge­nen Nestern wie heute. Da die Men­schen wohl auch schon ihre Müh­sal hat­ten, aber doch wenig­stens einen Abend­frieden ohne grelle Lichter und Schein­wer­fer, ohne das Kreis­chen von Rädern und Knirschen von Brem­sen. Sollen wir uns diese Zeit­en zurück­wün­schen? Weit­er­lesen!

10. Mai 1942

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87.

Son­ntag, am 10. Mai 1942.

Herzenss­chätzelein! Mein geliebtes Herzelein! Mein [Roland], Du!

Nun ist der Mai schon wieder zweis­tel­lig, die Tage eilen pfeilgeschwind dahin, so empfinde ich [es]. Und sie sollen auch schnell verge­hen, mein Herzelein! Was soll uns all die lange Zeit, die wir ein­sam, jedes für sich zubrin­gen müssen? Die Zeit mag eilen, eilen! Bis wir uns wieder­haben, Geliebter! Bis wird endlich Frieden sein! Weit­er­lesen!

08. Mai 1942

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Joseph Rupert Rudolf Marx, öster­re­ichis­ch­er Kom­pon­ist, Pianist, Musikpäd­a­goge und Kri­tik­er, 1903. Lizen­zfrei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.

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85.

Fre­itag, am 8. Mai 1942.

Herzenss­chätzelein! Mein geliebtes, aller­lieb­stes Herzelein! Du!!

Es ist Abend gewor­den über den Pflicht­en des Tages. Nun rückt der Zeiger der Uhr auf 900, ich kann nun Feier­abend hal­ten, Her­zlieb! Mit Dir!! Mit Dir allein ist es doch erst rechter Feier­abend, Du! Im Rund­funk erklingt ein schönes Sym­phoniekonz­ert aus Wien, ich mag nicht abschal­ten, ehe es zu Ende ist. Diese Musik ist dem Ohr eine richtige Labe nach dem Gedudel tagsüber, seit nahezu ein­er vollen Woche hört man nichts als Früh­lingsmusik, was für welche! Weit­er­lesen!