30. November 1941

[411130–2‑1]

Sonn­tag, am 30. Novem­ber 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein [Roland]! Gelieb­tes Her­ze­lein! Du!

Nun ist Advent! Ich bin so froh heu­te! Und ich füh­le es, Gelieb­ter! Alles Froh­sein kommt mir von Dir, Du bist auch froh. Die lie­be Son­ne scheint heu­te, aber bit­ter­kalt ist[‘]s im Schat­ten, meint Papa, der heu­te früh uns[e]re 6 Zent­ner Kar­tof­feln noch heim­hol­te. Wir sind recht froh, daß wir sie nun im Kel­ler haben. Ich seh­ne mich hin­aus, aber so lan­ge mag ich auch nicht in der Käl­te umher­stie­feln, damit ich mir mei­ne Näs’ nicht wie­der erkäl­te! Ich will doch fein artig sein, Her­ze­lein! Und mich scho­nen. Wei­ter­le­sen!

27. November 1941

[411127–2‑1]

Don­ners­tag, am 27. Novem­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein [Roland]! Gelieb­tes Her­ze­lein!

Du!!! Ich bin wie­der zuhau­se von der Stadt. Ach, bin ich froh! So ein Gewim­mel und Geschub­se! Die Leu­te tre­ten ein­an­der fast die Füße weg. Ist schon rich­ti­ger Weih­nachts­be­trieb. Wir sind heu­te vor­mit­tag 936 [Uhr] los­ge­fah­ren. Zuerst bin ich gleich zu mei­nem Arz­te. Mutsch mit. Der ‚ihre‘ eröff­net sei­ne Sprech­stun­de erst 1400 [Uhr]. Du!! Ich bin heu­te das letz­te Mal dage­we­sen! Wei­ter­le­sen!

19. November 1941

[411119–2‑1]

Mitt­woch, am 19. Novem­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Du!! Lie­bes Man­ner­li!

Ich habe es heu­te ganz gut! Ich brau­che nicht auf­zu­wa­schen, die lie­be Mutsch macht’s! Aber ich will ihr dann abtrock­nen hel­fen. Weil ich heu­te Kin­der­schar hal­te, dar­um mein­te sie, soll ich nur immer mei­nen Brief begin­nen. Das las­se ich mir auch nicht zwei­mal sagen, Du!!! Du!!! Ach! Heu­te bin ich so froh! So ganz sehr froh! Her­ze­lein! Ers­tens sind end­lich zwei lie­be, lie­be Bote von Dir ange­kom­men. Zwei­tens scheint auch drau­ßen die lie­be Son­ne und es hat [si]ch die Luft wie­der ganz schön erwärmt. Und drit­tens ist mir heu­te rich­tig wie­der schön, es geht mir gut. Wei­ter­le­sen!

13. November 1941

[411113–2‑1]

Don­ners­tag, am 13. Novem­ber [19]41.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Gelieb­ter!!!

Du!! Liebs­ter! Du bedrängst mich doch so sehr, daß ich vor lau­ter Lie­be und Selig­keit gar­nicht weiß wohin! Du!! Du!!! Oh Du!! Gelieb­ter! Und ich las­se mich doch so ger­ne bedrän­gen – von Dir!!! nur von Dir, Her­ze­lein gelieb­tes! Nur von Dir mag ich alle Lie­be und Zärt­lich­keit! Von kei­nem sonst!!! Oh Her­zens­lieb! Wie hast Du mich doch in Dein Herz geschlos­sen! Fest!! Ganz fest – für immer! Du!! Und hast mich sooooo lieb! Sooooo lieb! Du!! Ganz sehr glück­lich hast Du mich gemacht, mein Her­ze­lein, heu­te. Den­ke nur: 3 lie­be Boten sind gekom­men! Wei­ter­le­sen!

03. November 1941

[411103–2‑1]

Mon­tag, am 3. Novem­ber 1941.

Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Du!!! Her­zens­schät­ze­lein!!

Du! Ich füh­le mich heu­te so rich­tig schul­dig! Ges­tern habe ich nicht an Dich geschrie­ben, Herz­lieb. Wirst Du mir böse sein? Ach nein – Liebs­ter Du!! Bit­te!! Sieh, jetzt ist es 10 Uhr am Vor­mit­tag, eben ist der Vater heim, der die lie­be Mut­ter an den Zug brach­te. Mich hat sie nicht mit­ge­nom­men, weil ich so erkäl­tet bin und weil ich heu­te mit­tag mit mei­ner Mut­ter nach Chem­nitz zum Arzt fah­ren soll. Wei­ter­le­sen!