23. Oktober 1940

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Mitt­woch, den 23. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne über alles gelieb­te [Hil­de], Du! Mei­ne Gedan­ken sind heu­te immer mit Dir, Gelieb­te! Gegen 5 Uhr war ich schon mun­ter. Und dann habe ich Dich beglei­tet, Herz­lie­bes! Mein Lieb reist. Möch­ten ihm alle Wege geseg­net sein, immer! Wei­ter­le­sen!

11. November 1940

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Mon­tag, den 11. Novem­ber 1940.

Gelieb­te! Mein lie­bes, teu­res Herz! Hol­de mein! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Dei­ne lie­ben Boten von Sonn­abend und Sonn­tag ste­hen noch aus. Sonn­tags fal­len viel Post­wa­gen aus, und des­halb gibt es oft eine Ver­zö­ge­rung. Was soll ich nun heu­te schrei­ben? Du! Jetzt, da ich den lee­ren Bogen vor mir habe, weiß ich noch nicht, wie ich ihn fül­len wer­de. Die ver­gan­ge­ne Nacht war sehr unru­hig. 3 Mal weur­den wir her­aus­ge­holt. Ein ein­zi­ger Flie­ger gegen Abend war zu sehen. Die ande­ren Male lagen wir in Bereit­schaft. Nun bin ich heu­te Abend ein wenig müde. Die kom­men­de Nacht wird wahr­schein­lich ruhig anlau­fen, es ist stür­misch und reg­ne­risch. Wei­ter­le­sen!

11. November 1940

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Mon­tag, den 11. Novem­ber 1940.

Gelieb­te! Mein lie­bes, teu­res Herz! Hol­de mein! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Dei­ne lie­ben Boten von Sonn­abend und Sonn­tag ste­hen noch aus. Sonn­tags fal­len viel Post­wa­gen aus, und des­halb gibt es oft eine Ver­zö­ge­rung. Was soll ich nun heu­te schrei­ben? Du! Jetzt, da ich den lee­ren Bogen vor mir habe, weiß ich noch nicht, wie ich ihn fül­len wer­de. Die ver­gan­ge­ne Nacht war sehr unru­hig. 3 Mal weur­den wir her­aus­ge­holt. Ein ein­zi­ger Flie­ger gegen Abend war zu sehen. Die ande­ren Male lagen wir in Bereit­schaft. Nun bin ich heu­te Abend ein wenig müde. Die kom­men­de Nacht wird wahr­schein­lich ruhig anlau­fen, es ist stür­misch und reg­ne­risch. In unse­rer Stu­be ist es gemüt­lich warm. Die ist gemüt­li­cher als unse­re Stu­be in Bülk, weil sie hell gehal­ten ist, etwas nied­ri­ger und bes­ser auf­ge­teilt. Die Bet­ten ste­hen nur zu zwei über­ein­an­der! Dein Hubo schläft oben im ers­ten Stock. Er fin­det tadel­los an sein Bett­chen, auch wenn es stock­fins­ter ist, dann schwingt er sich hin­auf – und schwupp – liegt er drin – und liegt die gan­ze Nacht so schön brav und ruhig, daß er nicht her­aus­fällt. Meist wird es ½ 11 Uhr, bis die Kame­ra­den alle in der Koje lie­gen und die Lich­ter ver­lö­schen – Dein Dicker­le ver­kriecht sich schon um 10 Uhr – dann nimmt er sei­ne Bil­der mit – und mit ihnen steigt sein gan­zes Glück auf – und mit die­sem Gefühl des Glü­ckes schläft er ein. Wei­ter­le­sen!

05. Oktober 1940

Hilde vor dem Hoffmans Haus, L. 30.10.1938
Hil­de vor dem Haus des Hoff­mans, L. 30.10.1938

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Sonn­abend, den 5. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teue­res [sic] Herz, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!​

Schon tausch­ten wir die ers­ten herz­li­chen Wor­te, schon waren wir uns inner­lich ein paar gute Schrit­te näher­ge­kom­men, als wir dann uns[e]re Bil­der tausch­ten, Herz­lie­bes! Mein gan­zes Inne­re geriet wie­der in Auf­ruhr damals, ähn­lich wie an den Tagen, da wir die ers­ten Brie­fe wech­sel­ten. Da lagen nun zwei Bil­der — wie­viel Frau­en – und Mäd­chen­bil­der hat­te ich schon gese­hen und betrach­tet! — und sie soll­ten nun etwas ganz beson­de­res vor­stel­len, mit ihnen soll­te ich mich anfreun­den für das gan­ze Leben, aus ihnen soll­te mich die eine anschau­en, die ich mir auf die­ser Erde zur Gefähr­tin erwähl­te! Es war ein Kampf, ein Rin­gen in mir, Du! Und was da kämpf­te, was da rang, das waren die Wunsch­bil­der mei­ner Träu­me von der Aus­er­wähl­ten, mit den Bild­nis­sen des Men­schen­kin­des, das mir bekann­te, wie unend­lich es mich lie­be. Wei­ter­le­sen!