21. November 1939

Militärfahrkarte1938
Mili­tär­fahr­kar­te, 1938, Lizenz­frei, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2014
[391121–1-1]

S. am 21. Novem­ber 1939.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Nun muß ich Dir mei­ne gute Heim­kehr mel­den. Sie ver­lief plan­mä­ßig und ziem­lich pünkt­lich. Von Chem­nitz aus teil­te ich mein Abteil mit einem ein­zi­gen Sol­da­ten. Wir haben uns lang gemacht, ich habe halb schlum­mernd, müde und froh, dahin­ge­däm­mert. Ich muß dar­an den­ken, wie es war, wenn ich frü­her von uns[e]rer Begeg­nung heim­fuhr, als wir ein­an­der noch nicht gewiß waren. Wei­ter­le­sen!

15. November 1939

[391115–1-1]

S. am 15. Novem­ber 1939.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

John Henry Fuseli - The Nightmare
John Hen­ri Fuse­li, der Nacht­mahr, 1781, Insti­tu­te of Fine Arts Detroit, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2014.
Wie ein Traum, oder wie ein Spuk oder wie sonst irgend­ei­ne unwirk­li­che Geschich­te, so kommt mir unser Leben jetzt manch­mal vor. Nichts steht fest, alles schwankt; nichts ist von Bestand, alles flüch­tig; nichts ist abso­lut gül­tig, alles ist frag­wür­dig; nir­gends Gebor­gen­heit, über­all Unru­he, Unrast, Unsi­cher­heit, Unge­wiß­heit. Wei­ter­le­sen!

11. November 1939

[391111–2-1]

O., am 9. Novem­ber 1939.

Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Buergerbraeukeller
Das Bür­ger­bräu­kel­ler im Rosen­hei­mer Stra­ße 29, Mün­chen, 8./9. Novem­ber 1933, Foto­ar­chiv Hoff­man, über His­to­ri­sches Lexi­kon Bay­erns und Wiki­me­dia Com­mons, 10.2014
Für Dei­nen lie­ben Brief mei­nen herz­lichs­ten Dank. Ich wuß­te, daß Du mir heu­te schrei­ben wirst. Es ist etwas so Eigen­ar­ti­ges um die Gedan­ken und um die Sehn­sucht. Bei­de gehen so unend­lich weit, wie unsicht­ba­re Fäden ver­bin­den sie uns. Sie drin­gen durch den letz­ten Wider­stand hin­durch, der sich bie­tet und gelan­gen doch zu der See­le, die sie suchen.

Wei­ter­le­sen!

03. November 1939

Bundesarchiv Bild 121-0270, Polen, Krakau, Polizeiparade, Hans Frank
Hans Frank, Poli­zei­pa­ra­de, Kra­kau, Gene­ral­gou­ver­ne­ment, DBa, Bild 121‑0270 / CC-BY-SA, Public Domain über Wiki­pe­dia Com­mons, 10.2014
[391103–1-1]

S. am 1. Novem­ber 1939.

Am Mitt­woch.

Herz­al­ler­liebs­te!

Erfreu­lich und über­ra­schend pünkt­lich lan­de­te ich noch vor 10 Uhr in Ostsach­sen. Ein Stück der Heim­fahrt habe ich ver­schla­fen. Hof­fent­lich wird mir mor­gen die Kun­de von Dei­ner guten Heim­kehr. Der Mensch, der Dir Augen mach­te, hat mich noch ein­paar­mal geängs­tigt. Na wart nur, bald wer­den wir dem Hühn­chen ein Ring­lein ums Pföt­chen legen, damit jeder­mann gleich sieht, wem es gehört. Wei­ter­le­sen!

01. November 1939

Lviv 1939 Sov Cavalry
Die sowje­ti­sche Kaval­le­rie para­diert durch Lviv, Polen, 28 Sep­tem­ber 1939, Quel­le: Sowie­ti­sches Wochen­schau, auch in Radi­ans­ka Prav­da, Kiev, Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2014
[391101–2-1]

O., am 1. Novem­ber 1939.

Herz­al­ler­liebs­ter, mein [Roland]!

Kurz nach 4 Uhr ist es — ich hab[e] den Tag end­lich geschafft. Du, Liebs­ter! Drau­ßen scheint die Son­ne, ach und über­all, wohin ich sehe, ist’s als sei alles vom Son­nen­schein ver­klärt. Du! Die gan­ze gro­ße Selig­keit die­ser ver­gan­ge­nen Tage tra­ge ich noch in mir. Es war so schön bei Dir, Du!

Noch 17 Tage, dann bist Du wie­der bei mir, Liebs­ter! Wei­ter­le­sen!