21. September 1938

[380921–1-1]

20.9.

L. am 21. Sept. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Am Mon­tag nach uns[e]rer letz­ten Begeg­nung [h]abe ich im Kalen­der geblät­tert — 4 Wochen, so eine Men­ge Blät­ter. Und nun sind sie fast her­un­ter, der nächs­te Sonn­abend schon – – –.

Herz­lich will­kom­men sind Sie mir. „Sie kommt zu mir.”, dar­in liegt so viel; ein Mäd­chen, kein Phan­ta­sie­ge­bil­de, ein rich­ti­ges, leib­haf­ti­ges Mäd­chen! Zum ers­ten Male habe ich Damen­be­such. Das mag Ihnen zur Freu­de [g]ereichen, das soll mich ent­schul­di­gen, wenn ich mich unge­schickt anstel­le oder es an etwas feh­len las­se. 48 Stun­den wer­den wir auf­ein­an­der ange­wie­sen sein. Das bedeu­tet einen Schritt zu grö­ße­rem Ver­traut­sein. Ich sehe ihm hoff­nungs­voll ent­ge­gen. Wir wer­den nicht zu has­ten brau­chen, Sie wer­den am Sonn­abend nicht nach Hau­se zu fah­ren brau­chen, auch am Sonn­tag noch nicht — Sie wer­den es nicht dür­fen. L. ist trotz­dem noch ein drit­ter, unper­sön­li­cher Ort, und uns[e]re Begeg­nung soll uns die Frei­heit der Ent­schei­dung nicht verkürze[n.] Wei­ter­le­sen!

18. September 1938

[380918–2-1]

O., am 18.9.1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Die­se ver­gan­ge­ne Woche ist mir fast eine Ewig­keit lang vor­ge­kom­men, ich war so in Sor­ge um Sie. Ihre lie­ben Zei­len haben mich beru­higt. Nichts wäre mir schreck­li­cher, ange­nom­men im Kriegs­fal­le, Sie müß­ten mit fort, ohne daß ich Sie noch ein­mal sehen könn­te. Sie haben recht, die Leu­te machen si[ch]

Terrorist-Aktionen Sudetendeutschen Freikorps, Quelle: Cesta k dekretům a odsunu Němců, 1938, herunterladen von http://en.wikipedia.org/wiki/File:Teroristick%C3%A1_akce_sudeton%C4%9Bmeck%C3%A9ho_Freikorpsu.jpg, August 2013
Ter­ro­rist-Aktio­nen Sude­ten­deut­schen Frei­korps, Quel­le: Ces­ta k dekre­tům a odsunu Němců, 1938, her­un­ter­la­den von http://en.wikipedia.org/wiki/File:Teroristick%C3%A1_akce_sudeton%C4%9Bmeck%C3%A9ho_Freikorpsu.jpg, August 2013

unter­ein­an­der kopf­los mit ihren dau­ern­den Neu­ig­kei­ten; es beruht ja von dem vie­len Gere­de sel­ten mal wirk­lich etwas auf Wahr­heit. Ich hof­fe fest auf einen glück­li­chen Aus­gang die­ser Lage. Ges­tern tra­fen hier 90 Flücht­lin­ge ein, sie wur­den im frü­he­ren Arbeits­la­ger unter­ge­bracht. Heu­te kamen noch 180 an, wie ein Sama­ri­ter zu Vater sag­te. Sie soll­ten ein­mal das rege Leben und Trei­ben sehen in O.. Die Bau­ern fuh­ren stun­den­lang Stroh her­bei; Bäcker, Flei­scher, Krä­mer und wer nur irgend in der Lage ist zu spen­den, setzt sich für die armen Men­schen ein. Ich möch­te nur wis­sen, wie lan­ge sie noch aus­hal­ten müs­sen, ehe alles wie­der gere­gelt ist. Wei­ter­le­sen!

05. September 1938

Chor beim Ausflug, vor dem Briefwechsel etwa 1937 oder 1938; Vollbild siehe: http://www.tonkuhle.de/news/21559-trug-und-schein-ein-briefwechsel.html

[380905–1-1]

L. am 5. Sept. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Lan­ge hat der Sonn­tag in mir nach­ge­klun­gen, und es war kein Miß­ton in dem Klang. Ihre Fra­ge am Brie­fen­de sagt mir, daß auch Sie zufrie­den waren. Schon im Zuge habe ich mich über mei­ne alber­ne Ant­wort geär­gert: „Doch, es war sehr nett”. Sie hät­ten nicht fra­gen sol­len. Sie dür­fen nicht glau­ben, daß ein klei­ner Ver­druß mich so leicht ver­stim­men könn­te. Daß Sie den Zuschlag lös­ten, hat mich nicht ein­mal ver­dros­sen. Sie ken­nen mei­ne Ansicht: Sie brin­gen das Opfer der grö­ße­ren Rei­se; was Sie in 2 Tagen ver­die­nen, habe ich in einem; ein Mäd­chen muß anders rech­nen als ein jun­ger Mann. Ich habe auf Ihren Brief gewar­tet. Wenn er am Frei­tag nicht gekom­men wäre, hät­te ich mir Gedan­ken gemacht. Wei­ter­le­sen!

03. August 1938

Roland, "Ich bin dir sooooo gut!", unbekannter Ort, irgendwann im 1938

[380803–2-1]

O., am 3. August 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Wohl­be­hal­ten lang­te ich am Sonn­tag in O. an. In Chem­nitz ange­kom­men, bin ich im Höl­len­tem­po rüber nach unser[e]m Bahn­steig gerannt; ein­stei­gen und abfah­ren, das war eins.

Ich möch­te nur wis­sen[,] ob auch Sie so matt und abge­spannt waren die­se Tage. Unser Aus­flug allein kann das doch nicht aus­ma­chen, viel­leicht liegt es viel an die­ser schreck­li­chen Hit­ze und noch ist kein Trop­fen Regen gefal­len. Sie sind mir doch nicht bös[‘], weil Sie so lan­ge auf Nach­richt war­ten muß­ten? Am Mon­tag früh hab[‘] ich die Fil­me fort­ge­bracht, bis ges­tern nach­mit­tag [sic] sind sie fer­tig gewor­den. Ich konn­te sie aber erst heu­te mor­gen [sic] abho­len. Ges­tern war ich mit Mut­ter in der Stadt (Chem­nitz), eini­ge Wege besor­gen und dann sind wir raus nach G. gefah­ren zu den Ver­wand­ten; mit dem 7 Uhr Zuge fuh­ren wir wie­der zurück. Wei­ter­le­sen!

Reiseplan von Roland an Hilde im Juli 1938

Reiseplan von Roland an Hilde im Juli 1938, Datum unbekannt

[387000–1-1]

Rei­se­plan. [*]

Abrei­se [*]

Mon­tag d. 25. Juli.

Ach­tung!

 | Sie lösen in O. (eini­ge Tage vor­her [**])

 | 1. Urlaubs­kar­te Hal­ber­stadt

über Leip­zig — Hal­le

kos­tet etwa 13,30M

| 2. (am Tage der Abrei­se [**])

Eil­zug­zu­schlag Leip­zig 0,25M

________________________________ Wei­ter­le­sen!