05. August 1939

[390805–1‑1]

K. am 5. August 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Briefmark, DR 1939 687 Automobilausstellung Auto-Union und Mercedes-Benz, Public domain über Wikimedia Commons, eingebettet 07.2014
Brief­mark, DR 1939 687 Auto­mo­bil­aus­stel­lung Auto-Uni­on und Mer­ce­des-Benz, Public domain über Wiki­me­dia Com­mons, ein­ge­bet­tet 07.2014

Nun sit­ze ich tat­säch­lich wie­der in K.. Sprung­haft wie im Kino wech­seln wir mit Auto und Eisen­bahn die Schau­plät­ze. Wenn ich hät­te heim­wan­dern müs­sen, wäre der Abschied län­ger gewor­den. Du hät­test mich bis zur E. beglei­tet. Und dann hät­te ich ja noch oft zurück­bli­cken müs­sen, bis auch der letz­te Schorn­stein­kopf und die Kirch­turm­spit­ze ver­schwun­den wären. Und so lang­sa­mer und all­mäh­lich hät­ten sich auch die Gedan­ken gelöst von dem Ver­gan­ge­nen. Und so wird deut­lich, wie die alte Zeit ohne Auto und Eisen­bahn bes­ser ver­ar­bei­te­te und ver­dau­te. Wei­ter­le­sen!

24. Juli 1939

[390724–2‑1]

O., am 24. Juli 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Für Dei­nen lie­ben Brief mei­nen herz­lichs­ten Dank, und vor allem auch Dank für die schö­nen Bil­der! Du hast mich sehr erfreut damit.

Den­ke nur, Dei­ne Eltern haben mir ges­tern zur glei­chen Zeit geschrie­ben, eine schö­ne Kar­te vom H.. Sie erwar­ten Dich am Diens­tag erst, dann sieh nur zu, daß Du Ein­laß fin­dest, wenn Du schon heu­te, Mon­tag ankommst!

Wei­ter­le­sen!

21. Juli 1939

[390721–1‑1]

L. am 21. Juli 1939.

Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Mit Dei­nem Brief und Dei­ner Über­ra­schung hast Du mir eine recht gro­ße Freu­de berei­tet. Nun kommt mir erst die rech­te Feri­en­freu­de. Feri­en mit Dir, Liebs­te, die Hälf­te aller Tage, so Gott will, wer­de ich mit Dir ver­le­ben! Ich bin Dir so dank­bar für die Über­ra­schung, für Dein lie­bes Geschenk, Du! Bis heu­te war ich noch unent­schlos­sen, ohne rech­ten Plan. Wei­ter­le­sen!

19. Juli 1939

[390719–2‑1]

O., am 19. Juli 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Wäh­rend ich hier im unheim­lich schwü­len Zim­mer sit­ze, tür­men sich am Him­mel finst[e]re Wol­ken; jetzt erhebt sich der Wind, und er wir­belt den Staub hoch bis an mei­ne Fens­ter — die ers­ten Trop­fen fal­len und nun strömt der Regen her­nie­der. Wie wohl­tu­end die küh­le, rei­ne Luft mei­ne Stirn umschmei­chelt. Wenn das Wet­ter nur nicht so hef­tig wird. Wei­ter­le­sen!

14. Juli 1939*

T&Savatar[390714–1‑1* unvoll­stän­dig]

L. am 14. Juli 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Die­se Woche ist mir schnell ver­gan­gen. Ich habe jeden Tag Dei­ner gedacht, aber nicht so unge­dul­dig wie vori­ge Woche. Ist es, weil wir am Sonn­tag uns so lieb hat­ten, oder ist es, weil wir hof­fen dür­fen, uns bald wie­der­zu­se­hen? Auf der Heim­fahrt — sie ver­lief ganz plan­mä­ßig — betrüb­te es mich, daß wir es dul­den müs­sen, wie uns der Zug Kilo­me­ter um Kilo­me­ter, Hal­te­stel­le um Hal­te­stel­le auseinanderfü[hrt], Dich weit nach Wes­ten, mich nach Süden, bedrück­te mich auch der Gedan­ke, wie Pflicht und Beruf die Glie­der einer Fami­lie, die zusam­men sich so gut hel­fen und stär­ken könn­ten, aus­ein­an­der­reißt in Fer­ne und Frem­de, wo nun jedes ein­zeln viel schwe­rer sei­nen Mann ste­hen muß. Wei­ter­le­sen!