11. September 1938

Scherl, Reichsparteitag, 10.09.1938, der grosse Appell der SS, NSKK, NSFK und SS im Luitpoldhain, übersicht während des Fahnenaufmarsches, 10.9.38, Nuremberg, Deutsche Bundesarchiv, Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst – Zentralbild, Bild 183-H12148, herunterladen http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-H12148,_N%C3%BCrnberg,_Reichsparteitag.jpg, Juli 2013

[380911–1-1]

14.9.38

11.9.1938

Liebes Fräulein [Laube]!

Diesen Brief habe ich schon am ver­flosse­nen Son­ntag begonnen, richtiger, diesen Brief beginne ich schon heute Son­ntag. Gestern wußte ich nichts mehr zu schreiben, heute fällt mir noch aller­hand ein. Ich hat­te Fre­itag und Sonnabend einen kleinen Ver­druß in der Schule und war mit meinen Gedanken nicht ganz beisam­men. Es galt, eine erboßte Mut­ter zur Rai­son zu brin­gen. Ich erzäh­le Ihnen das und zeige Ihnen die Schrift­stücke, wenn Sie das inter­essiert. Weit­er­lesen!

10. September 1938

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9.9.38

L. am 10. Sept. 1938

Liebes Fräulein [Laube]!

Da es nun herb­stet, denke ich mit einiger Sehn­sucht an O. zurück. Ich liebte es, von der K. oder M. oder von der E. über das weite, däm­mernde Land zu sehen, wie es im Dun­st und im Rauch der Kartof­felfeuer am Hor­i­zont mit dem Him­mel in eins ver­schmolz in ein ufer­los­es, schw­er­mütiges Grau, vor dem sich einzelne Pap­peln schwarz und düster abze­ich­neten. Beim B. in dieses Grau kon­nte ich still und wun­sch­los wer­den und mich ver­lieren. Wie eige­nar­tig, wenn ich mich dann, heimkehrend, wieder­fand in dem fro­hen Men­schengewim­mel der H.straße, ganz ein­sam mit­ten in der Menge. Man kann so ein­sam sein in der großen Stadt, mehr als auf dem Dorf. Ufer­los und so unendlich weit und fein wie Herb­st­däm­merung sind uns[e]re Wün­sche und Sehn­süchte. Und wenn sie alle erfüllt wür­den — es bliebe ein Rest — uner­füll­bar. Und es bleibt zwis­chen Men­schen ein Rest des Nichtver­ste­hens, sie mö[ge]n sich noch so gut ver­ste­hen, ganz am Ende ste­ht jed­er allein. Das ist eine Tat­sache, der man ins Auge sehen muß. Ich möchte mit Ihnen in diese Däm­merung schauen, wort­los ste­hen und schauen und mich ver­lieren und es empfind­en, zwei See­len ver­lieren sich jet­zt in der ufer­losen Ferne — und dann Ihre Hand fassen, um es froh zu fühlen, daß ich noch dabin, nicht ganz allein. Es ist der Herb­st[,] eine ern­ste Zeit, ich liebe ihn. Weit­er­lesen!

07. September 1938

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O., am 7. Sep­tem­ber 1938

Lieber Herr [Nord­hoff]!

Es ist eigentlich schw­er zu sagen[,] wie froh, wie erlöst ich war, als ich Ihre lang erwartete Nachricht in den Hän­den hielt. Ich bin Ihnen zu dop­pel­tem Dank verpflichtet, und ich tue das von ganzem Herzen. Ihre Son­ntags­grüße aus der Heimat haben dazu beige­tra­gen, mich hoff­nungsvoller blick­en zu lassen auf das Kom­mende. Nun sind alle Schat­ten fort — ich kann wieder froh sein. Ich will heute die Geschichte ruhen lassen, es ist keine liebe Erin­nerung für mich. Es kommt sich­er wieder mal eine Stunde, in der unser Gespräch darauf zurück­führt. Weit­er­lesen!

05. September 1938

Chor beim Ausflug, vor dem Briefwechsel etwa 1937 oder 1938; Vollbild siehe: http://www.tonkuhle.de/news/21559-trug-und-schein-ein-briefwechsel.html

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L. am 5. Sept. 1938

Liebes Fräulein [Laube]!

Lange hat der Son­ntag in mir nachgek­lun­gen, und es war kein Miß­ton in dem Klang. Ihre Frage am Briefende sagt mir, daß auch Sie zufrieden waren. Schon im Zuge habe ich mich über meine alberne Antwort geärg­ert: „Doch, es war sehr nett”. Sie hät­ten nicht fra­gen sollen. Sie dür­fen nicht glauben, daß ein klein­er Ver­druß mich so leicht ver­stim­men kön­nte. Daß Sie den Zuschlag lösten, hat mich nicht ein­mal ver­drossen. Sie ken­nen meine Ansicht: Sie brin­gen das Opfer der größeren Reise; was Sie in 2 Tagen ver­di­enen, habe ich in einem; ein Mäd­chen muß anders rech­nen als ein junger Mann. Ich habe auf Ihren Brief gewartet. Wenn er am Fre­itag nicht gekom­men wäre, hätte ich mir Gedanken gemacht. Weit­er­lesen!

03. September 1938

[380903–1-1]

B.

am 3. Sep­tem­ber 1938

Liebes Fräulein [Laube]!

Dies­mal müssen Sie sich mit diesem Son­ntags­gruß beg­nü­gen, Ihr Brief ist noch nicht fer­tig. Den Ihren erhielt ich am Fre­itag vor­mit­tag [sic]. Eine Nacht will ich alles beschlafen. Heute Sonnabend bin ich nach Hause gefahren.

Mor­gen vor­mit­tag [sic] werde ich zum Schreiben kom­men.

Ver­leben Sie einen recht fro­hen Son­ntag, seien Sie mein­er Wertschätzung ver­sichert und recht her­zlich gegrüßt

von Ihrem [Roland Nord­hoff]