19. Juli 1939

[390719–2-1]

O., am 19. Juli 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Wäh­rend ich hier im unheim­lich schwü­len Zim­mer sit­ze, tür­men sich am Him­mel finst[e]re Wol­ken; jetzt erhebt sich der Wind, und er wir­belt den Staub hoch bis an mei­ne Fens­ter — die ers­ten Trop­fen fal­len und nun strömt der Regen her­nie­der. Wie wohl­tu­end die küh­le, rei­ne Luft mei­ne Stirn umschmei­chelt. Wenn das Wet­ter nur nicht so hef­tig wird. Wei­ter­le­sen!

14. Juli 1939*

T&Savatar[390714–1-1* unvoll­stän­dig]

L. am 14. Juli 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Die­se Woche ist mir schnell ver­gan­gen. Ich habe jeden Tag Dei­ner gedacht, aber nicht so unge­dul­dig wie vori­ge Woche. Ist es, weil wir am Sonn­tag uns so lieb hat­ten, oder ist es, weil wir hof­fen dür­fen, uns bald wie­der­zu­se­hen? Auf der Heim­fahrt — sie ver­lief ganz plan­mä­ßig — betrüb­te es mich, daß wir es dul­den müs­sen, wie uns der Zug Kilo­me­ter um Kilo­me­ter, Hal­te­stel­le um Hal­te­stel­le auseinanderfü[hrt], Dich weit nach Wes­ten, mich nach Süden, bedrück­te mich auch der Gedan­ke, wie Pflicht und Beruf die Glie­der einer Fami­lie, die zusam­men sich so gut hel­fen und stär­ken könn­ten, aus­ein­an­der­reißt in Fer­ne und Frem­de, wo nun jedes ein­zeln viel schwe­rer sei­nen Mann ste­hen muß. Wei­ter­le­sen!

13. Juli 1939

[390713–2-1]

O., am 13. Juli 1939.

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Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Nach zwei glück­li­chen Tagen lag am Sonn­tag­abend vor unse­ren Bli­cken wie­der unser Abschieds­ort, die gro­ße Dresd­ner Bahn­hofs­hal­le mit ihrem bun­ten Has­ten und Trei­ben. Wenn wir dann durch den drän­gen­den Strom der Rei­sen­den glück­lich durch die Sper­re hin­aus nach den Bahn­stei­gen gelan­gen, war­tend bei­ein­an­der ste­hen bis das Signal zum Ein­stei­gen ertönt, dann drängt sich alles Emp­fin­den, alles was so wich­tig scheint und noch gesagt sein muß, auf die Lip­pen — und was ist es am Ende, was wir uns noch sagen? Wei­ter­le­sen!

07. Juli 1939

[390707–1-1]

L. am 3. Juli 1939.

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Heu­te mor­gen [sic] habe ich Dich zwar erst zie­hen las­sen; trotz­dem zäh­le ich die­sen Mon­tag schon als ers­ten ver­stri­che­nen Tag zum nächs­ten Wie­der­se­hen. Ach lie­be [Hil­de], uns[e]re Begeg­nun­gen wer­den immer kür­zer. Wei­ter­le­sen!

05. Juli 1939

[390705–2-1]

O., am 5. Juli 1939.

Mein lie­ber [Roland]!

Reynolds-Puck
Joshua Rey­nolds, Puck, 1789, Gemäl­de, Brid­ge­man Art Libra­ry, [Public domain], via Wiki­me­dia Com­mons
Wirst Du wohl heu­te das klei­ne nack­te Elfen­kind in emp­fang genom­men haben? Die­se paar Wor­te an Dich, das war am Mon­tag ziem­lich mei­ne gan­ze Arbeit zu Hau­se. Um sie­ben bin ich in[‘]s Bett. Ach Du! Ich war zum Umfal­len müde und matt. Damit ist aber nicht gesagt, daß ich nun ver­drieß­lich gewe­sen wäre — o nein — bei der Erin­ne­rung an Dich und an die gemein­sam ver­leb­ten Stun­den durch­ström­te mich ein so inni­ges Glücks­ge­fühl. Weißt Du, womit ich es ver­glei­chen könn­te?: Ein Kran­ker hat die Kri­sis über­wun­den und geht nun mit einem woh­li­gen Mat­tig­keits­ge­fühl sei­ner Gene­sung ent­ge­gen. Ich war vom lan­gen War­ten, vor Sehn­sucht nach Dir krank — end­lich kam der Tag an dem ich bei Dir sein konn­te, an dem wir uns recht lieb­ha­ben durf­ten. Wie glü­hend sehn­te ich die Stun­de her­bei in den Tagen vor­her — und dann, als wir uns gegen­über stan­den emp­fan­den wir bei­de: Wir waren vom War­ten schon so müde gewor­den und sahen es sich viel­leicht nicht so erfül­len, wie in unse­ren Träu­men vor­her. wei­ter­le­sen!