21. Oktober 1938

[381021–1-1]

L. am 21. Okto­ber 1938.

19.10.38

Heute muß ich mit ein­er Erk­lärung begin­nen. Ihr neuer Brief­schluß ist nicht nur um ein Grad son­dern um mehrere Grad her­zlich­er und wirkt meinem Empfind­en nach zurück auf die Anrede. Ich bin ganz ein­ver­standen. Nur mein Name gefällt mir nun nicht. Weit­er­lesen!

17. Oktober 1938

[381017–2-1]

16.10.38.

O., am 17.10.1938.

Lieber Herr [Nord­hoff]!

Einen ganz sel­te­nen Weg hat­te dies­mal Ihr Brief zu gehen, ehe ich ihn lesen kon­nte. Am Son­ntag­mor­gen um 8 Uhr war bei uns Luftschutzübung — ‚Fliegeralarm’. Eine Prü­fungskom­mis­sion, beste­hend aus 6 Her­ren, durch­stöberte das Haus vom Keller bis zum Boden. Herr Lehrer Geißler als Anführer, blies gewaltig in seine Trillerpfeife, das war das Sig­nal: „Alles was laufen kann, runter in den Schutzraum!″ Dieser Betrieb im Trep­pen­haus. Als ich um die Ecke ren­nen will, kommt der Briefträger — lachend, er möchte mir noch was Schönes mit­geben auf den finster[e]n Weg. Er war vielle­icht froh, daß er sich dies­mal den Weg bis zu unser[e]m Briefkas­ten ers­paren kon­nte und ich — bin so rot gewor­den. Die Her­ren guck­ten einan­der viel­sagend an und lacht­en. Den Brief weg­nehmen, runter in den Keller, das war eins. Dort hab[‘] ich ihn erst mal im Klei­dauss­chnitt ver­staut und aufgeat­met. Weit­er­lesen!

15. Oktober 1938

[381015–1-1]

13.10.38

L. am 15. Okto­ber 1938.

Liebes Fräulein [Laube]!

Dreiundzwanzig Bilder besitze ich jet­zt von Ihnen und dreiundzwanzig Briefe. Das mag für mich der Anlaß sein, mich Ihrem Briefge­denken anzuschließen.

Dies­mal habe ich beson­ders ungeduldig auf Ihren Brief gewartet, ohne daß ich einen recht­en Grund dafür anführen kön­nte. Ganz gegen die Abmachun­gen begann die Schule erst am Dien­stag, der Schulleit­er teilte mir das am Sonnabend mit, ich reiste also Mon­tag. So froh und leicht wie am Mon­tag­mor­gen ist mir lange nicht gewe­sen, und dabei war doch Abschied­stag. Ich erwähne das nur, weil Sie schreiben, daß Sie am Mon­tag mein­er beson­ders gedacht haben. Weit­ere­le­sen!

11. Oktober 1938

Briefmark, Eröffnung des Theaters Saarpfalz in Saarbrücken, Erstausgabetag: 9. Oktober 1938, DR 1938 673, herunterladen von http://commons.wikimedia.org/wiki/File:DR_1938_673_Theater_Saarpfalz.jpg, August 2013
Brief­mark, Eröff­nung des The­aters Saarp­falz in Saar­brück­en, Erstaus­ga­betag: 9. Okto­ber 1938, DR 1938 673, herun­ter­laden von http://commons.wikimedia.org/wiki/File: DR_1938_673_Theater_Saarpfalz.jpg, August 2013

[381011–2-1]

O., am 9. Okto­ber 1938.

am 11. Okto­ber 1938.

Lieber Herr [Nord­hoff]!

Vie­len Dank für den lieben, lan­gen Brief. Bevor ich nun weit­er­schreibe, müssen wir aber min­destens eine Minute Gedenken opfern für ein kleines und doch für mich so großes Ereig­nis: Ich habe am let­zten Male den 25. Brief von Ihnen erhal­ten! Auch müssen wir der Post, unser[e]m zuver­läs­si­gen Fre­unde dank­end gedenken — für die Zuver­läs­sigkeit mit der sie uns erfreute, trotz­dem unser Briefwech­sel immer ohne Absender stat­tfand.

Rech­nen Sie ein­mal zurück — am 4. Mai wagte ich das erste Mal, Ihnen zu schreiben.

Auszug aus dem Brief vom 4. Mai 1938
Auszug aus dem Brief vom 4. Mai 1938

Fast ein halbes Jahr ist seit­dem ver­gan­gen, reich an Erleb­nis­sen aller Art. Nach­dem wir nahezu 2 Jahre lang nebeneinan­der und doch wieder aneinan­der vor­beilebten, fügte es sich auf so eigene Art, daß wir uns näher kamen. Eine Fre­und­schaft verbindet uns jet­zt und ich füh­le mich in dieser Fre­und­schaft so froh und glück­lich. Und ich möchte Ihnen, der so lange abseits stand, recht viel Son­nen­schein brin­gen, Sie auch glück­lich machen. Weit­er­lesen!

07. Oktober 1938

[381007–1-1]

B. am 7. Okt. 1938

Liebes Fräulein [Laube]!

Wenn ich am kom­menden Son­ntag meine ‚Dien­sträume’ wieder betrete, wird die Erin­nerung an Ihren Besuch leb­haft wer­den. Sie ken­nen nun meine Behausung, sind meine Wege gegan­gen, und mir wird es manch­mal vorkom­men, als seien Sie mit anwe­send und schrit­ten neben mir, ich werde mich manch­mal geheim beobachtet fühlen. Müde Beine haben Ihnen zwei Tage lang die Erin­nerung gewalt­sam wachge­hal­ten. Das Wan­dern und Laufen ist meine Pas­sion. Ich brauche dazu gar nicht immer ein Ziel, auf das ich beson­ders spitze; oft gehe ich hin­aus nur, um mich auszu­laufen, um mein inneres Gle­ichgewicht wiederzuer­lan­gen.

Da Sie all­t­ags soviel in Räu­men sitzen, kann Ihnen die Bewe­gung an frisch­er Luft nur gut sein. Uns[e]re Begeg­nung war nicht ohne Reiz. Sie war so geheim und doch nichts Ver­botenes. Sie war aben­teuer­lich und doch nicht plan­los. Sie war für Zuschauer und Auf­pass­er, wenn es solche gegeben hätte, voll Frei­heit und über [die] gewohn­ten Gren­zen; aber wir bei­de steck­ten die Gren­zen der Frei­heit selb­st und achteten sie. Ihre Mut­ter selb­st holte Sie ab von diesem aben­teuer­lichen Ren­dezvous (Stelldichein). Weit­er­lesen!