20. September 1939

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Dan­zig, Wes­ter­plat­te, Wald, Foto: Hai­ne. DBa Bild 183-E10718, Lizen­ziert unter CC-BY-SA-3.0-de über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014

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S. am 20. Sept. 1939.

Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Zwei graue, fins­te­re Regen­ta­ge waren der Hin­ter­grund zu unse­rem Wie­der­se­hen am Sonn­tag; aber für mein Herz waren es zwei sel­ten war­me, son­ni­ge Tage, Du Liebs­te, Herz­al­ler­liebs­te!, Du Zau­be­rer, Du Her­zen­bre­cher! Und nun denk nur, der Platz den Du heu­te ein­nimmst, er war leer bis­her. Ganz leer nicht, ein Traum­ge­bil­de, oder eine von fer­ne Ange­be­te­te nahm ihn ein, aber nun ein leib­haf­ti­ges Mäd­chen, und eines, das ich nicht mehr her­ge­ben möch­te, Du Herz­al­ler­liebs­te, Du mei­ne lie­be Braut! Wei­ter­le­sen!

19. September 1939

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MHV MB O2600 1940, Foto: Mar­tin­HansV, Lizen­ziert unter Public domain über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014

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O., am 19. Sep­tem­ber 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Am Sonn­tag bin ich […] glatt in O. gelan­det. Im Zuge ab Chem­nitz war es stock­fins­ter, fast ein bis­sel grus­lig; ich wuß­te nun über­haupt nicht, mit wem ich das Abteil inne hat­te und habe mei­ne Sie­ben­sa­chen nicht aus den Hän­den gelas­sen bis O.. Da Vater die­se Woche Tages­dienst ver­sieht, konn­te er mich abho­len, er wuß­te aber nicht, ob ich mit dem Zug oder Omni­bus ankom­me und so war­te­te er an der Ecke Kaf­fee Brumm mit der Zuver­sicht, daß ich von einer Sei­te erschei­nen müß­te. Wei­ter­le­sen!

13. September 1939

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“Auf­trag erfüllt-Brü­cke zer­stört!” Blick aus Bug­kan­zel einer He 111, Polen, Foto: Stemp­ka, DBa Bild 183-S52911, Lizen­ziert unter CC-BY-SA-3.0-de über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014. Am 13. Sep­tem­ber 1939 wur­de Fram­pol, nähe Lub­lin, eine mili­tä­risch unwich­ti­ges Stadt, von dem deut­schen Luft­waf­fe bom­ba­diert und fast völ­lig zer­stört.

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O., am 13. Sep­tem­ber 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Heu­te ist der 13.‘ — so dach­te ich beim Auf­ste­hen am Mor­gen, und rich­tig, ¾ 9 konn­te ich Dei­nen Boten in Emp­fang neh­men. Ich begeg­ne immer unser[e]m Brief­trä­ger (Herrn Pes­ter, aus der Sing­stun­de) und er lacht schon von wei­tem, wenn er mich kom­men sieht. Und nun erst allem ander[e]n vor­an: Ich leug­ne nicht, daß ich nicht ent­täuscht gewe­sen bin am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de — aber Dir dar­um böse? Nein, Du! Das war ich nicht. Du hast mir nichts abzu­bit­ten. Es muß­te sich wohl so fügen, wir sind bei­de über die Tage hin­weg­ge­kom­men — nun sind sie vor­über und bit­te, lie­ber [Roland], wir wol­len nicht wie­der dar­über spre­chen. Wei­ter­le­sen!

12. September 1939

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

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S. am 12. Sept. 1939.

Wie einer sei­ne Mut­ter trös­tet Jes. 66:13

Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Nun habe ich Dich doch so bit­ter ent­täuscht, ich sehe und lese es aus Dei­nem Brie­fe und kann es Dir nun erst recht nach­füh­len, und bin selbst ärger­lich, zumal Du den gan­zen Sonn­abend frei hat­test. Ach Liebs­te! Zum einen war es wirk­lich gut gemeint, wenn ich dach­te, Du sollst in die­ser unsi­che­ren Zeit nicht auf der Bahn sein. Zum ander[e]n war ich am Sonn­abend so schwan­kend und unent­schlos­sen. Ach, lie­be [Hil­de], ich fuhr ja so schwer­mü­tig und kopf­hän­ge­risch nach Hau­se. War­um? Wei­ter­le­sen!

10. September 1939

Bundesarchiv Bild 101I-012-0018-06A, Polen, Gefallene polnische Soldaten.jpg
Gefal­le­ne pol­ni­sche Sol­da­ten, Polen, 09.1939, Foto: Kliem, DBa Bild 101I-012‑0018-06A, Lizen­ziert unter CC-BY-SA-3.0-de über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014

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O., am 10. Sep­tem­ber 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Du weißt ja nicht wie froh ich bin, daß ich end­lich Gewiß­heit habe. Bis zum letz­ten Augen­blick habe ich gehofft, daß Du mir schrei­ben wirst. Ges­tern, am Sonn­abend, muß­te doch der end­gül­ti­ge Bescheid kom­men — einen Kar­ten­gruß erhielt ich wohl, für den ich herz­lich dan­ke — doch nichts, was mir Auf­schluß geben könn­te, in mei­ner Rat­lo­sig­keit. Am Frei­tag war schon Geschäfts­schluß ein gan­zer frei­er Sonn­abend lag vor mir. Ich hat­te alles vor­be­rei­tet, zurecht­ge­macht: ent­we­der zur Abrei­se, oder zu Dei­nem Emp­fang. Ich war­te­te nur auf Dei­ne Anwei­sun­gen. ½ 3 kam das Post­au­to, ich bin an den Schal­ter gegan­gen, habe gefragt, nichts dabei. Nun war­te­te ich bis zum Abend mit den Eltern auf Dein Kom­men — ver­ge­bens. Wei­ter­le­sen!