23. Juli 1938

[380723–2-1]

O., am 23. Juli 1938.

Lieber Herr [Nord­hoff]!

Ich habe es gespürt ganz sich­er, seit Don­ner­stag.

Am Mit­tag war Geschäftss­chluß, seit­dem hat­te ich eine nervöse Unruhe in mir. Ich habe dies Gefühl zu unter­drück­en gesucht, schob es auf die Aufre­gung wegen der Reise. Obwohl ich son­st nicht aber­gläu­big bin, ein Vor­fall ließ doch eine bange Ahnung in mir wach­sen. Vorigen Son­ntag beim Mit­tagstisch zer­sprang ein Wein­glas, ohne daß es jemand berührte — aus­gerech­net meines. Und heute Ihre trau­rige Nachricht. Weit­er­lesen!

22. Juli 1938*

[380722–1-1*]

[* undatiert, wohl 22. Juli 1938]

Liebes Fräulein [Laube]!

Ich mein, Ihre Mas­chine müßte ste­henge­blieben sein oder Sie müßten es anders wie gespürt haben:

[D]enken Sie, heute mor­gen mußte ich zurück­fahren, ich mußte. Welche Ent­täuschung für Sie — für mich. Wie es mich schmerzt, wie ich mit mir gekämpft habe.

Was mir fehlt? Weit­er­lesen!

20. Juli 1938

[380720–1-1]

Kel­bra am Kyffhäuser, d. 20. Juli 1938

Heute ist der Him­mel grau bedeckt, und es reg­net. Ich bin bis 11 Uhr auf diesen Ort ver­ban­nt, weil eher kein Auto­bus zur Bahn geht. Diese Zeit benutze ich, um Ihnen Bericht zu erstat­ten. Gestern abend [sic] war mir ziem­lich unwohl. Ich habe gegessen. Nach dem Essen stellte sich ein nervös­es Rumoren in der Magenge­gend ein. Heute früh ist mir bess­er. Mein Plan für heute: Ich fahre mit dem Zug nach Nord­hausen. Besichtige die Stadt und dampfe dann quer durch den Harz nach Wernigerode. Weit­er­lesen!

18. Juli 1938*

Kyffhäuserdenkmal, zwischen 1890 und 1905, Library of Congress, Prints and Photographs Division, Photochrom Prints Collection, LC-DIG-ppmsca-01117, herunterladen Juni 2013, http://en.wikipedia.org/wiki/File:Kyffhäuserdenkmal_um_1900.jpg

T&Savatar[380718–1-1* unvoll­ständig]

Naum­burg am 18. Juli. [1938]

Liebes Fräulein [Laube]!

Heute speiste ich also zu Mit­tag auswärts, im schö­nen Naum­burg­er Ratskeller bei einem Glase Saalewein. Gle­ich nach dem Essen habe ich Quarti­er bezo­gen und bin nach der Rudels­burg gewan­dert, einen reizen­den Weg auf den Höhen der Saale hin. Es ist ein Stück Land­schaft von eigen­em Reiz. Der Boden ist kalkig, macht trock­en einen weißen Staub und guten Durst, den ich im Burghof gelöscht habe. Über Burg Saaleck bin ich dann nach Bad Kösen gegan­gen und von da zurück­ge­fahren. Ich bin in einen Gasthof ger­at­en, der ist zu teuer [f]ür meine Ver­hält­nisse. Am Nach­bar­tis­che speiste ein junges japanis­ches Paar, nach­dem es lange auf der Speisekarte gesucht und mit Mühe sich ver­ständlich gemacht hat­te. Nach dem Abend­brot will ich noch um die Naum­burg­er Alt­stadt bum­meln. Den Dom will ich mor­gen vor­mit­tag [sic] besuchen. So ward aus Mor­gen und Abend der 2. Tag. Weit­er­lesen!

18. Juli 1938

Der Führer am Erntedanktag 20. Sept. 1934 in Goslar beim Abschreiten der Front der Reichswehr Ehrenkompagnie vor der Kaiserpfalz. "Hitler schreitet Ehrenkompanie ab, Goslar," Foto Scherl Bilderdienst Berlin S.W. Deutsches Bundesarchiv, Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst - Zentralbild (Bild 183), Bild 183-1987-0313-503, herunterladen Juni 2014, http://www.bild.bundesarchiv.de/archives/barchpic/search/_1370969194/?search[view]=detail&search[focus]=1

[380718–2-1]

O., am 18. Juli 1938.

Lieber Herr [Nord­hoff]!

In Ihrem ersten Standquarti­er grüße ich Sie her­zlich aus der Heimat. Ich bin stolz auf Sie — diese wun­der­bare Aus­führung der bei­den Pläne; die Eltern waren so erstaunt über all das Schöne, daß uns bevorste­ht. Ich danke Ihnen! Mor­gen besorge ich die Fahrkarte, das Buch eben­falls. Ihren Vorschlag mit dem Paket kann ich nicht befol­gen, ich muß den Kof­fer nehmen (nicht erschreck­en, er ist nicht so groß) [e]in Mädel braucht in ein­er Woc[he] mehr Sachen als ein Mann; ver­ste­hen Sie das? Ich graule mich schreck­lich vor wol­lenen Strümpfen! Doch es ist Ihr Wun­sch, ich werde welche mit­brin­gen, auch meine fes­testen Schuhe. Sie sollen entschei­den. Auf der Land­karte ver­folge ich [I]hre Fahrt und wün­sche Ihnen recht gutes Wet­ter. Nochmals vie­len Dank für ihre Mühe, alles übrige regeln wir dann. Auf fro­hes, gesun­des Wieder­se­hen in Goslar, am Mon­tag um 1113 und recht her­zliche Grüße von Ihrer

[Hilde Laube].