11. November 1940

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Mon­tag, den 11. Novem­ber 1940.

Gelieb­te! Mein lie­bes, teu­res Herz! Hol­de mein! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Dei­ne lie­ben Boten von Sonn­abend und Sonn­tag ste­hen noch aus. Sonn­tags fal­len viel Post­wa­gen aus, und des­halb gibt es oft eine Ver­zö­ge­rung. Was soll ich nun heu­te schrei­ben? Du! Jetzt, da ich den lee­ren Bogen vor mir habe, weiß ich noch nicht, wie ich ihn fül­len wer­de. Die ver­gan­ge­ne Nacht war sehr unru­hig. 3 Mal weur­den wir her­aus­ge­holt. Ein ein­zi­ger Flie­ger gegen Abend war zu sehen. Die ande­ren Male lagen wir in Bereit­schaft. Nun bin ich heu­te Abend ein wenig müde. Die kom­men­de Nacht wird wahr­schein­lich ruhig anlau­fen, es ist stür­misch und reg­ne­risch. Wei­ter­le­sen!

21. November 1940

Coventry bomb damage H5600.jpg
Unter­des­sen gin­gen die deut­schen Luft­an­grif­fe auf der bri­ti­schen Insel unver­min­dert wei­ter. Hier die zer­stör­te Innen­stadt von Coven­try, 11.1940. Foto von Lt. Tay­lor (Lt), offi­zi­el­ler Kriegs­fo­to­graf, Samm­lung Impe­ri­al War Muse­um, Bild H 5600, lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Don­ners­tag, d. 21. Novem­ber 1940.

Du! Herz­lieb! Gelieb­te! Hol­de!

20 — 21 — 22, [Roland] und [Hil­de], Hubo und Hol­de!!!

Du, was soll ich noch Dum­mes schrei­ben? Ist es denn mög­lich? Mor­gen? Noch ein­mal schla­fen, oder nicht schla­fen? Du!! Und über 24 Stun­den will sie bei mir sein?!! Und sie wird wirk­lich kom­men!, Du wirst kom­men!!! Deine Bote vom Diens­tag hat mich des­sen sicher gemacht!!

Gelieb­te! So viel nimmst Du auf Dich mei­net­we­gen! Aber ich tät[‘] es ja auch, Du weißt es!! Wei­ter­le­sen!

20. November 1940

TeritorialGainsHungary1920-41 de.svg
Am 20. Novem­ber 1940 trat Ungarn dem Drei­mäch­te­pakt bei und schloss sich den soge­nann­ten Ach­sen­mäch­ten an. Die Kar­te zeigt die unga­ri­sche Gebiets­er­wei­te­rung im Som­mer 1940 nach dem soge­nann­ten Wie­ner Schieds­spruch, in Rumä­ni­en auch Wie­ner Dik­tat genannt. Kar­te erstellt von PANONIAN, lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Mitt­woch, den 20. Novem­ber 1940.

Gelieb­te!! Mei­ne [Hil­de]!! Herz­al­ler­liebs­te! Hol­de mein!!

End­lich — End­lich wie­der ein Zei­chen von Dir, der Bote vom Sonn­tag!! Darf ich mich schon ganz sehr freu­en, Du?!!

Soll es wahr wer­den? Mor­gen! Mor­gen früh, soo [sic] zei­tig, willst nun auf­bre­chen zu Dei­nem [Roland]? Du?!! Du!!! Wei­ter­le­sen!

19. November 1940

Eingang Tiefbunker Steintorwall
Mit­te Novem­ber 1940 begann der Bau von Tief­bun­kern in Deutsch­land; hier: Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof, Ein­gang zur Füh­rung in den Tief­bun­ker, Foto von VK89, 02.2012, lizen­ziert über Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on-Sha­re Ali­ke 3.0 Unpor­ted licen­se, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Diens­tag am 19. Novem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Gelieb­ter mein!!

Du bist so lieb, Du schreibst mir so flei­ßig! Du!! Wie ich Dir dan­ke, mein [Roland]!!

Und ich kann Dir nicht täg­lich mehr ant­wor­ten, aber ich ver­ges­se Dich nicht Du!!! [Ne]in mein Lieb!! Nie!!

Es ist nun die Arbeit für die Mutsch getan. Eben kam ich von der Man­gel. Papa hat eine Angst um mich aus­ge­stan­den, weil ich ein Wild­fang wär[´]! Belei­di­gung!!!

Doch ich bin wohl­be­hal­ten zurück, s [sic: das] ers­te Mal ganz allein, sonst war Mutsch immer dabei. Wei­ter­le­sen!

19. November 1940

Greek Offensive 1940 41 in Northern Epirus.svg
Grie­chi­sche Offen­si­ve gegen die ita­lie­ni­sche Armee, 1940 und 1941, Foto von Ale­xi­k­oua, 10.2014, auf Basis von DEMIS Map­ser­ver, lizen­ziert unter CC BY-SA 4.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Diens­tag, den 19. Novem­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Gelieb­te! Hol­de mein!

Wenn ich die­sen Brief viel­leicht und hof­fent­lich auch nicht abzu­schi­cken brau­che, so mag ich doch auf die Plau­der­stun­de mit Dir nicht ver­zich­ten, Du! Herz­lie­bes! Dein neu­es Bild! Du hast es so beschei­den bei­gelegt. Es gefällt mir so gut, Du! So eins hast [Du] mir noch gar nicht gezo­gen, solch [ein] Gesicht. Amts­mie­ne wür­dest Du bei mir sagen. Was ist es über­haupt mit der Amts­mie­ne? Es ist ein stren­ges Gesicht, aus dem ein Wol­len, Bestim­men, Herr­schen über ande­re spricht, oder auch, in dem sich eine Reser­ve, Zurück­hal­tung, Abstand gegen­über der Umwelt aus­drückt. Die­ses Amts­ge­sicht ist also wohl nicht unser wah­res, natür­li­ches Gesicht in Ruhe­stel­lung, es ist aber auch nicht als ein fal­sches Gesicht zu bezeich­nen. Die Men­schen um uns her zwin­gen uns, Gesich­ter auf­zu­ste­cken und zu schnei­den. Du! Wei­ter­le­sen!